Tischtennis-Team: Bronze aus Bolls Wundertüte?

Tischtennis-Team : Bronze aus Bolls Wundertüte?

Rechtzeitig zum Spiel um Platz drei ist Timo Boll wieder in Top-Form. Die Einzel-Medaille ist zwar futsch, Bronze wäre aber ein guter Trost. Zukünftig will der WM-Dritte sportlich kürzertreten und sich auf die Familienplanung konzentrieren.

Timo Boll ist in London eine Wundertüte. Der deutsche Tischtennis-Star wusste selbst nicht, was in ihm steckt. Zumindest die Selbstzweifel, die ihn nach dem unerwarteten und unerklärlichen Einzel-Aus bei Olympia plagten, sind inzwischen vom Tisch. Die "Auferstehung", wie der WM-Dritte seinen glanzvollen Sieg gegen Chinas Olympiasieger und Weltmeister Zhang Jike bezeichnete, stempelt das Team von Bundestrainer Jörg Roßkopf zum Favoriten im Bronze-Kampf gegen Hongkong an diesem Mittwoch (12 Uhr) in der ExCeL-Arena.

Der 31 Jahre alte Linkshänder registrierte seine Rückkehr zu alter Stärke mit stiller Freude und Genugtuung. "Es war schon ein tolles Erlebnis, mal wieder so ein Spiel gegen die Chinesen abzuliefern", sagte Boll. Die Diskussionen um eine mögliche sportpsychologische Betreuung, die nach seiner Einzel-Pleite entstanden waren, nahm er zwar zur Kenntnis. Sie ließen ihn aber ziemlich kalt. Er sprach nicht mit dem Sportpsychologen, sondern zog sich auf seine Art und Weise selbst aus dem Loch, in das er gefallen war.

Vorteil Erfahrung

"Ich bin kein Mensch, der alles grundsätzlich infrage stellt", sagte Boll. Statt Gespräche zu führen, trainierte er lieber. "Irgendwann musste der Knoten platzen." Die Weltklasse-Partie gegen Zhang Jike war ein wichtiges Argument in der Debatte um eine vermeintliche Wachablösung. So schnell lässt sich Boll nicht als Nummer eins bei den deutschen Herren verdrängen. Der frisch gekürte Olympia-Dritte Dimitrij Ovtcharov konnte seine Chance gegen den Chinesen Ma Long nicht nutzen - dem 23-Jährigen fehlt Bolls Erfahrung.

"Ich bin sehr froh, dass Timo das Tief überstanden hat", sagte Bundestrainer Jörg Roßkopf. Für ihn war und ist Boll weiterhin der sportliche Leader im Europameister-Team. Ob das so bleibt, ist offen. "Ich werde meine Turnier-Einsätze drosseln und mich auf die großen Wettbewerbe konzentrieren", kündigte der Düsseldorfer an. Er wohnt mit Ehefrau Rodelia im hessischen Höchst und hat demnächst vor, eine Familie zu gründen. "Man kann beides miteinander verbinden. Das haben andere Sportler schon gezeigt", argumentierte Boll.

Vor dem Einzel-Olympiasieg 2016 in Rio, über den einige Fans auf Bolls Facebook-Seite bereits im Überschwang sprechen, wartet zunächst das Bronze-Match in London. "Wir werden keine Motivationsprobleme haben", versprach Ovtcharov. Es wäre keine große Überraschung, wenn der Coach diesmal Boll statt Ovtcharov für zwei Einzel aufstellt.

Der Olympia-Dritte würde dann mit Bastian Steger das Doppel bestreiten. Das Doppel gilt als Stärke der Hongkong-Chinesen, die in der Einzel-Weltrangliste auf den Plätzen 20, 32 und 35 deutlich schlechter als das deutsche Trio Boll (7.), Ovtcharov (12.) und Steger (24.) eingestuft sind.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Olympia 2012: Boll und Co. scheitern an Übermacht China

(dpa)