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Unternehmer-Legende stirbt im Alter von 99 Jahren: Berthold Beitz — IOC-Vizepräsident und Sportdiplomat

Unternehmer-Legende stirbt im Alter von 99 Jahren : Berthold Beitz — IOC-Vizepräsident und Sportdiplomat

Der frühere IOC-Vizepräsident Berthold Beitz ist im Alter von 99 Jahren gestorben. Dies bestätigte das Unternehmen ThyssenKrupp, in dem Berthold Beitz im Aufsichtsrat und als Chef der Krupp-Stiftung die Geschicke des Stahlriesen lange Zeit maßgeblich bestimmt hatte.

Für das Internationale Olympische Komitee war Beitz, der von 1972 bis 1988 zu den einflussreichsten deutschen Sportpolitikern gezählt hatte, gerade in den Zeiten des Kalten Krieges von besonderem Wert. Er half Brücken zwischen Ost und West abzubauen und trug nach Moskau 1980 und Los Angeles 1984 seinen Teil zum Ende der olympischen Boykott-Ära bei.

"Mit Berthold Beitz ist eine herausragende Persönlichkeit von uns gegangen, die das Unternehmen im Geiste von Alfried Krupp von Bohlen und Halbach entscheidend geprägt hat", sagte Aufsichtsratschef Ulrich Lehner. Er habe richtungsweisende Veränderungen im Konzern persönlich begleitet und unterstützt.

Beitz, der am 26. September 100 Jahre alt geworden wäre, wurde aufgrund seiner Verdienste in die Hall of Fame des deutschen Sports aufgenommen. Dort steht hinter seinem Namen "Menschenretter, Unternehmer, Sportfunktionär". Er galt als "Star ohne Allüren", oder "Diplomat ohne staatlichen Auftrag", wie Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt bei der Laudatio zum 90. Geburtstag von Beitz gesagt hatte, ehe er sich vor ihm verbeugte. Den 99. Geburtstag hatte Berthold Beitz vor gut zehn Monaten mit seiner Ehefrau Else, die er auf dem Tennisplatz kennengelernt hatte und dann 74 Jahre mit ihr verheiratet war, weniger groß gefeiert.

Als Seiteneinsteiger ins Internationale Olympische Komitee (IOC) gekommen, zählte der Generalbevollmächtigte des Krupp-Konzerns, der schon wegen des Firmenlogos den Beinamen "Herr der Ringe" trug, lange zu den einflussreichsten deutschen Sportpolitikern. Vier Jahre lang von 1984 bis 1988 war Beitz IOC-Vizepräsident. Ein Amt, das man ihm antrug, um ihn über das Alterslimit hinaus im IOC halten zu können.

Dabei war er alles andere als ein Sportfunktionär, dem Metier nur als Mäzen verbunden. Der Visionär Willi Daume berief ihn zum OK-Chef der olympischen Segelwettbewerbe 1972 und setzte gegen erhebliche Widerstände im deutschen Sport seine Aufnahme ins IOC durch. Nach seinem Ausscheiden aus dem IOC und der Ernennung zum Ehrenmitglied sorgte Beitz für den finanziellen Aufbau des Olympischen Museums in Lausanne, für das er viele Millionen sammelte.

Noch 2012 arbeitete Beitz, wie er damals dem SID auf Anfrage bestätigte, täglich in seinem Büro nahe der Essener Villa Hügel, wo die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung ihren Sitz hat. Unter ihm als Kuratoriumsvorsitzendem schüttete die Stiftung über 600 Millionen Euro für gemeinnützige Zwecke aus. Als Ehrenvorsitzender gehörte Beitz zum Aufsichtsrat des ThyssenKrupp-Konzerns.

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Im zweiten Weltkrieg hatte Beitz zusammen mit seiner Frau als kaufmännischer Leiter der Karpathen-Öl AG im polnischen Boryslaw das Leben von Hunderten Juden gerettet, indem er sie aus den Deportationszügen der Nazis befreite. "Ich habe darüber eigentlich gar nicht nachgedacht. Ich habe spontan gehandelt, aus dem Gefühl heraus. Ich musste es einfach tun", sagte er einmal der Süddeutschen Zeitung in einem seiner wenigen Interviews. 1973 wurde Beitz dafür von Yad Vashem, der Holocaust-Gedenkstätte in Jerusalem, als "Gerechter der Völker" geehrt. Eine Auszeichnung, die 2006 auch seine Frau erhielt.

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(sid)