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Norweger vor Wechsel zum FC

Norweger vor Wechsel zum FC

Sportchef Volker Finke bestätigt vor dem Spiel heute gegen Schalke das Interesse an Staale Solbakken, dem Coach des FC Kopenhagen. Sein Landsmann Rune Bratseth gratuliert, warnt aber auch: "Köln ist ein Chaosklub."

Köln Beim 1. FC Köln wird alles gut. Die Heimspiel-Trikots sind ab heute – zur Freude der Fans – endlich wieder weiß. Es ist nicht ausgeschlossen, dass der FC mit einem Sieg gegen Schalke 04 zum Ende einer mal wieder turbulenten Spielzeit noch in die obere Tabellenhälfte klettert. Und es sieht so aus, als ob sich der Verein die Dienste eines international angesehenen Trainers sichert.

Volker Finke, Sportdirektor und heute zum letzten Mal Interimstrainer, bestätigte, dass er ein "interessantes Gespräch" mit Staale Solbakken (gesprochen: Sulbacken) geführt habe. Noch gebe es allerdings keine Einigung mit dem 43-jährigen Norweger, der mit dem FC Kopenhagen in der Champions League für Furore sorgte und im kommenden Jahr die Nationalmannschaft seines Heimatlandes übernehmen wollte. Insbesondere die norwegischen Medien gehen aber davon aus, dass Köln seinen kahlköpfigen Wunschtrainer bekommt.

Der ehemalige FC-Profi Anders Giske in der Zeitung "Aftenposten: "Ich weiß, dass die Erwartungen in diesem Klub immer hoch sind – auch wenn sich die Wünsche in den vergangenen 15 bis 20 Jahren nicht erfüllt haben." Der frühere Bremer Abwehrspieler Rune Bratseth sagte: "Es besteht kein Zweifel, dass es eine große, große Herausforderung für Staale ist." Er bezeichnete den FC als "schlafenden Riesen" und "Chaosklub".

Die Anforderungen an seinen eigenen Nachfolger hatte Finke am vergangenen Samstag im ZDF-Sportstudio präzisiert: "Der neue Trainer muss sehr ehrgeizig sein. Er muss taktisch auf dem modernsten Stand der Vereinsmannschaften in Europa sein. Ich möchte einen Trainer, mit dem ich streiten kann."

Zum fünften Mal seit seinem Amtsantritt 2006 führte Solbakken den Hauptstadtklub gerade zum Meistertitel – vier Spieltage vor Schluss beträgt der Vorsprung auf Odense BK 26 Punkte. Er hat den FC Kopenhagen zuletzt ins Achtelfinale der Champions League gebracht (0:2/0:0 gegen den FC Chelsea). In der Vorrunde gelang den Dänen ein 1:1 gegen den FC Barcelona. Am Rande der Partie kam es zu einer heftigen Auseinandersetzung zwischen Solbakken und Barca-Trainer Pep Guardiola.

Die Bundesliga ist schon vor einiger Zeit auf den Norweger, der in der Schule Deutsch gelernt hat, aufmerksam geworden. Beim Hamburger SV wurde er als Nachfolger für Armin Veh gehandelt, bis Michael Oenning vom künftigen Sportchef Frank Arnesen den Vorzug bekam. Auch Bayer Leverkusen beschäftigte sich mit Solbakken auf der Suche nach einem Ersatz für Jupp Heynckes.

Vor zehn Jahren brach Solbakken, der damals als Mittelfeldspieler beim FC Kopenhagen unter Vertrag stand, im Training zusammen. Die Wiederbelebungsversuche des Mannschaftsarztes hatten keinen Erfolg, erst der Notarzt konnte ihn retten. Acht Minuten hatte sein Herz ausgesetzt, er galt bereits als klinisch tot. Bei den Untersuchungen wurde ein angeborener Herzfehler festgestellt. Er bekam einen Schrittmacher und musste seine Karriere als Spieler nach 58 Länderspielen und der WM-Teilnahme in Frankreich beenden. Als er jetzt bekannt gab, dass er den FC Kopenhagen verlässt, sagte er: "Ich war schon einmal tot und wollte etwas Neues probieren, bevor ich noch mal sterbe."

Das internationale Interesse an Köln wird wachsen, da sich die Norweger sehr für ihre im Ausland beschäftigten Stars interessieren. In den norwegischen Medien war nie vom FC Kopenhagen die Rede, sondern immer von "Staale Solbakkens Kopenhagen". Künftig heißt es "Staale Solbakkens Köln".

(RP)