40 Jahre Sportschau: "Mutter" aller Sportsendungen wird 40

40 Jahre Sportschau: "Mutter" aller Sportsendungen wird 40

Köln (rpo). Seit 40 Jahren kommt die Sportschau am Samstagabend ins heimische Wohnzimmer. Und nicht selten war sie Grund für Familienstreits bei der Programmauswahl. Am 4. Juni feiert die Sportschau (Foto: Moderatorin Will) im Deutschen Sport- und Olympiamuseum in Köln ihren 40. Geburtstag.

Sportjournalisten wie der erste Moderator Ernst Huberty, der im August 2000 gestorbene Addi Furler, Günther Siefarth, der später von der Mondlandung berichtete, und der vor Wochenfrist in Hannover in den fidelen Unruhestand verabschiedete Dieter Adler verliehen ihr den unverwechselbaren Auftritt, der Millionen und Generationen prägte.

Am 4. Juni feiert die Sportschau im Deutschen Sport- und Olympiamuseum in Köln ihren 40. Geburtstag. Das alte Motto ist dabei jung geblieben: Kompakt, kompetent und kurzweilig. WDR-Sportchef Heribert Faßbender, der am 21. August 1982 seine erste Sportschau moderierte, sagt: "Wir sind auch mit 40 topfit." Die Sportschau ist ein Evergreen der Fernsehgeschichte. Erfolgreicher war und ist im ersten Programm nur noch die Tagesschau.

Bis zur Geburtsstunde des Zweiten Deutschen Fernsehens (ZDF) 1963 war sie konkurrenzlos, in den 60ern waren Einschaltquoten bis zu 62 Prozent keine Seltenheit, die Sportschau gehörte und gehört zum Leben des Sports und der Sportinteressierten, Sport ohne Sportschau ist nicht denkbar, auch 2001 nicht, obwohl vieles im Medium Fernsehen absurd geworden ist, wie Ulrich Kaiser in der FAZ zum Jubiläum schreibt.

Am Sonntag, 4. Juni 1961, kam in Ernst Huberty der höfliche, freundliche und gescheitelte Krawattenträger erstmals auf den Schirm, die Sportschau begann um 21.30 Uhr: Addi Furler war beim Trabrennen in Gelsenkirchen, Heinz Maegerlein interviewte den Olympier Dr. Karl Ritter von Halt, und Karl Senne berichtete vom Handball in Leverkusen und vom Rudern in Mannheim. Fernseh-Sportchef beim verantwortlichen WDR war Hugo Murero. Und alle anderen großen Namen des deutschen Fernsehens waren dabei: Sammy Drechsel ebenso wie Herbert Zimmermann, Heinz Eil und alle die, die später beim ZDF landeten: Neben Karl Senne Harry Valerien, Armin Basche, Wim Thoelke, Rolf Kramer, Kurt Lavall, Gerd Krämer.

"Heute sind die Zeiten ein wenig anders", sagt Dieter Adler, denn die Sportschau im Jahr 2001 muss ohne die bewegten Bilder des Fußballs auskommen. Heribert Faßbender hofft, dass irgendwann die Sportschau wieder das Flaggschiff werden wird: "Die Konzepte liegen in der Schublade, die Intendanten brauchen die Bundesliga-Rechte nur noch zu kaufen. Ohne Erstrechte keine Exklusivität."

Unvergessen und beliebt

Der unvergessene Addi Furler hatte im Oktober 1995 seine letzte Sportschau moderiert, es war seine 5.000., dann war Schluss. Furler sagte damals: "Das Überzeugende der Sportschau war von Beginn an ihre Seriösität." Sie blieb ein Dauerbrenner, auch wenn sie ihren angestammten Sendeplatz verlor. Doch die Popularität blieb, auf der Straße erkannte Addi und die anderen jeder: "Sie sind doch der von der Sportschau." Sie war und ist ein Markenzeichen - auch für den Sportjournalismus in Deutschland.

Furler und Huberty forderten angesichts des Verkaufs der Bundesliga-Senderechte an andere immer wieder "Chancen für eine umfassende Programmreform": "Wenn wir den Fußball nicht mehr kriegen, werden wir uns intensiv um andere Sportarten kümmern müssen. Darin liegt auch eine große Chance. Wir haben uns nie auf den Boulevard begeben, wir haben immer nur die gesicherte Meldung und niemals Spekulationen verbreitet."

Das Erfolgsrezept? "Sachlich, kompetent, ohne viel Schnickschnack", sagt Huberty. Dabei habe man auch in Kauf genommen, dass die Sportschau gelegentlich als "etwas dröge" kritisiert worden sei. Dass sich durch das duale Rundfunksystem der Sportjournalismus verbessert habe, glaubten die Altmeister nie. "Technisch hat sich unglaublich viel getan, aber journalistisch eher wenig. Das, was heute vielfach abläuft, ist mein Journalismus nicht mehr", sagte Furler wenige Tage vor seinem Tod.

(RPO Archiv)
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