München/Madrid: Mourinho verlässt Real wohl zum Saisonende

München/Madrid: Mourinho verlässt Real wohl zum Saisonende

Porträtfotos von Jose Mourinho und Florentino Perez in einem zerbrechenden Herzen – so bebilderte die spanische Sporttageszeitung "Marca" gestern die bevorstehende "Scheidung" im Hause Real Madrid. "Der Zyklus Mou nimmt sein Ende", schrieb das gewöhnlich gut informierte Blatt.

Der 49 Jahre alte Fußball-Coach werde die Königlichen in der kommenden Saison trotz laufenden Vertrages bis 2016 nicht mehr betreuen. "Ich will dieser Sache keine Nahrung geben", sagte der Trainer. Heute trifft Real in der Champions League auf Ajax Amsterdam. Gruppensieger können die "Königlichen" nicht mehr werden. Borussia Dortmund, das auf Manchester City trifft (beide Spiele ab 20.45 Uhr live auf Sky), hat sich Platz eins gesichert. Madrid ist das Weiterkommen als Zweiter aber ebenfalls nicht mehr zu nehmen.

Den Ausschlag für die Entscheidung des Klub-Chefs zur Trennung habe die jüngste Provokation Mourinhos beim Derby gegen Atletico (2:0) am vergangenen Samstag gegeben. Um 21.20 Uhr betrat der Coach – wie angekündigt – den Rasen zur "Volksabstimmung", jedoch waren 40 Minuten vor Spielbeginn nur rund 3000 Wahlberechtigte erschienen. Von den meisten erntete Mourinho höflichen Applaus. Für Perez war Mourinhos Tat gleichwohl "Selbstmord", wie "Marca" schrieb. "Ich bin auf den Platz gegangen, weil ich es vorzog, vor dem Spiel ausgepfiffen zu werden", erklärte Mourinho. Im voll besetzten Bernabeu hatte sich Mourinho zuletzt Deftigeres anhören müssen. Zu aussichtslos ist die Lage in der Liga, wo Madrid nach 14 Spielen elf Punkte hinter dem FC Barcelona herhinkt.

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Auf anderen Ebenen brodelt es ebenfalls gewaltig: Mourinho lieferte sich mit Verteidiger Sergio Ramos über Wochen einen Kleinkrieg. Zu Torhüter Iker Casillas, einer Klub-Ikone, wird Mourinho ebenfalls ein schwieriges Verhältnis nachgesagt. Mit der öffentlichen Fehde mit Alberto Toril, Trainer der zweiten Mannschaft, machte er sich weitere Feinde. In Madrid rechnen sie ohnehin längst damit, dass Mourinho selbst gar kein Interesse mehr daran hat, seinen Vertrag zu erfüllen. Paris St. Germain oder eine Rückkehr zum FC Chelsea gelten als Optionen für "The Special One".

(sid)