Motorsport: Sophia Flörsch kehrt ein Jahr nach Unfall nach Macau zurück

"Vom Unfall sind nur zwei Narben geblieben" : Rennfahrerin Sophia Flörsch kehrt nach Macau zurück

Ein Jahr nach ihrem schweren Unfall kehrt Sophia Flörsch nach Macau zurück. Angst empfindet sie nicht - stattdessen ist sie glücklich über die unverhoffte Chance, wieder beim Spektakel in Macau dabei zu sein.

Die berüchtigte Lisboa-Kurve, in der sich ihr Leben mit einem Schlag änderte, hat Sophia Flörsch natürlich schon wieder besucht. An dieser Stelle, schreibt sie bei Instagram scherzhaft, habe sie versucht, Flugzeug zu spielen. Dann schwenkt sie mit der Kamera vom Boden nach rechts in die Höhe, hin zu einem Häuschen. Dort hätte ihre Karriere als Rennfahrerin beinahe ein jähes Ende genommen.Genau an diesem Ort will es die 18-Jährige noch einmal wissen - an diesem Wochenende wird sie erneut am Macau Grand Prix teilnehmen. Von ihrem Unfall, der sie mit einem Schlag berühmt machte, sind "nur zwei Narben geblieben", berichtet Flörsch im Interview mit dem Motorsport-Magazin. "Ich werde den Unfall nie vergessen, aber für mich war er von Anfang an nicht so schlimm", sagt sie: "Komischerweise vergisst der Körper die Schmerzen."

Ein Jahr ist dieser schlimme Unfall her. Bei voller Geschwindigkeit verlor Flörsch damals die Kontrolle. Sie kollidierte am Ende der Geraden mit einem Rivalen und wurde in die Luft katapultiert. Während die anderen rechts abbogen, flog sie geradeaus - rammte mit ungeheurer Wucht ein Fotografenhäuschen und blieb letztlich im Begrenzungszaun hängen.

Damals brachen der Brustwirbel T3 und der Halswirbel C7, und weil "das Rückenmark zu 50 Prozent gequetscht war, musste ich am nächsten Tag sofort operiert werden", sagt Flörsch. Elf Stunden lang. Den zertrümmerten Halswirbel ersetzten die Ärzte mit einem Stück aus der Hüfte der Münchnerin. "Dort", sagt sie, "habe ich jetzt so eine Beule, ein Loch. Das ist relativ komisch."

Komisch? Flörsch ist sich bewusst, dass sie bei dem Unfall "1000 Schutzengel mit an Bord" hatte. Aber sie weiß eben auch, dass "das zum Racing dazugehört. Wenn etwas passiert, ist es Schicksal." Und Angst, nach Macau zurückzukehren, hat sie ohnehin nicht. "Die Strecke ist der Hammer", sagt sie. Wer etwas anderes behaupte, sei aus ihrer Sicht "kein Rennfahrer".

Bei YouTube wurden Videos mit ihrem Unfall millionenfach geklickt, bei Instagram hat Flörsch, die eines Tages in der Formel 1 fahren und dort Weltmeisterin werden will, mittlerweile über 280.000 Fans. Sie war zu Gast in Talkshows und wird zu verschiedenen Veranstaltungen eingeladen. "Ja, ich bin bekannter geworden", gibt Flörsch zu. Aber: "Als Rennfahrerin hat es mich nicht verändert."

Und als solche will sie sich in Macau in einem aktuellen Formel-3-Boliden auch mit der starken Konkurrenz messen. "Es ist eine riesige Chance, dort wieder fahren zu dürfen", sagt Flörsch. Körperlich ist sie wieder voll auf der Höhe. In diesem Jahr lief sie einen Halbmarathon in München und einen Marathon in Berlin. Angesichts ihrer Vorgeschichte "hätte das wohl niemand geglaubt", sagt Flörsch.

Sie saß sogar schon wieder im Rennauto und absolvierte die gesamte Saison in der "Formula Regional European Championship", einer unterklassigen Nachwuchsserie. Der Unfall habe sie "ein Jahr zurückgeworfen", meint Flörsch, weil sie im Winter ja mit der Reha beschäftigt war. 2020 will sie in der Formel 3 starten, die im Rahmen der Formel 1 fährt.

Bis es so weit ist, steht aber zunächst der traditionelle Grand Prix in Macau an. Und eine Sache hat Sophia Flörsch aus ihrem schweren Unfall gelernt. Auf dieser ebenso berühmten wie gefährlichen Strecke "fährt man eigentlich nur mit 99 Prozent", sagt sie: "Weil man mit 100 dann auch mal in der Wand landen kann."

(lt/sid)