Motorsport: Rennfahrerin Ellen Lohr aus Mönchengladbach schildert ihre Eindrücke von der Rallye Dakar

Rallye Dakar in Saudi-Arabien : Trip durchs Land der totalen Gegensätze

Die Mönchengladbacherin Ellen Lohr ist bei der Rallye Dakar dabei, die erstmals in Saudi-Arabien stattfindet. Sie berichtet von ihren Erlebnissen, aber auch von einem traurigen Ereignis.

Ellen Lohr freut sich auf die kommenden Tage. Denn es steht die Etappe der Rallye Dakar an, auf den sich die Mönchengladbacherin, die bei der Saudi-Arabien-Premiere der Dakar im Presse-Wagen dabei ist, besonders gefreut hat. „Wir kommen am Mittwoch ins Empty Quarter“, berichtet sie via Telefon Saudi-Arabien. „Um das Empty Quater ranken sich sehr viele Mythen ranken, es gilt bisher als mehr oder weniger unzugängliches Terrain. Da sind wir dann auf die reine Offroad-Leistung unseres Mercedes G 500 angewiesen. Pisten oder Straßen gibt es dort nicht“, weiß Lohr. Es klingt nach Abenteuer.

Das ist die Dakar, an der Lohr, 54, zum 15. Mal teilnimmt, definitiv. Und zwar eines, das sehr gefährlich sein kann. So verunglückte am Sonntag der Portugiese Paulo Goncalves mit seinem Motorrad tödlich. „Er war erfahren, fuhr seine 13. Dakar und muss, soweit man weiß einen sehr, sehr unglücklichen Sturz gehabt haben“, berichtete Lohr. „Das ist der erste tödliche Unfall eines Profis bei der Dakar seit 15 Jahren. Ich als Fahrerin kann nur sagen, ja man ist sehr betroffen, aber ebenfalls ja, wir wissen um die Gefahren unseres Sports und die sind für die Motorradfahrer um ein Vielfaches größer, als für die Auto und Truckpiloten“, sagte Lohr.

Am Tag nach dem Unfall wurde die Etappe für Motorräder und Quads abgesagt. Einen Tag vor der traurigen Meldung war der so genannten „Restday“, der Tag, an dem der Tross eigentlich zur Ruhe kommt. Doch für Lohr gab es viel zu tun. Zum Beispiel gab es Sponsorentermine und viele Eindrücke von Riad. „Saudi-Arabien ist das Land der totalen Gegensätze. Städte wie Riad oder Jeddah sind total modern, es gibt sehr große amerikanische Einflüsse. Auf der Strecke erleben wir aber auch Regionen, die in der Entwicklung noch sehr weit zurück sind“, sagte Lohr.

Kurios war das Neom-Erlebnis. Neom ist ein gigantisches Bauprojekt, das 420 Millionen Euro kosten soll. Im GPS-System gibt es im Nordwesten Saudi-Arabiens den Eintrag „Neom-City“ bereits, doch in der Realität ist da nichts. „Es sollen neue Stadt und ein Technologiepark entstehen, doch noch ist nichts passiert“, erzählt Lohr. Imposant war der Besuch der antiken Oase Al-Ula, die als die archäologische Schatzkammer Saudi-Arabiens gilt“. Al-Ula wird erst ab Oktober offiziell für den Tourismus freigegeben“, sagt Lohr. Den Dakar-Fahrern wurden für die Rallye viele Sonderrechte eingeräumt. Und wir wurden mit großer Freundlichkeit und Offenheit empfangen“, sagt Lohr.

Weswegen Lohr glaubt, dass das Motorsportereignis dazu beiträgt, dass sich das Land mehr öffnet. „Bisher gab es ja bereits große Sportevents, aber keinen, der mit tausend Leuten und hunderten Fahrzeugen 8000 Kilometer durchs ganze Land gefahren ist. Da werden die neuen Botschaften und Freiheiten bis in die hintersten Ecken des Landes getragen. Das wird den Prozess der Veränderung im Land sicher unterstützen“, hatte Lohr vor dem Start der Rallye unserer Redaktion gesagt.

Ellen Lohr fährt auf der Rallye Dakar durch Saudi-Arabien mit. Foto: Lohr

Was die Landschaft angeht, hatte sich Lohr noch spektakulärere Eindrücke erhofft, als es sie tatsächlich gibt. „Es ist alles sehr flach und steinig, es gibt nur wenige Dünen und weniger Sand, als ich erwartet habe“, gesteht Lohr. Gleichwohl ist sie froh, sich für die Tour durch Saudi-Arabien entschieden zu haben. „Wir sind an vielen Stellen die ersten Fremden, die dort sind“. Nun ist sie gespannt auf das „Empty Quarter“. Es könnte ihr persönliches Highlight Rallye werden.