Formel E 2018/2019: Serie zündet die nächste Stufe

Start der neuen Saison : Die Formel E zündet die nächste Stufe

Es tut sich was in der Formel E: Die neuen Rennwagen sind leistungsstärker als ihre Vorgänger und haben einen neuen Look. Beim Saisonstart am Samstag ist die Elektro-Serie zudem so deutsch wie nie.

Gegen den Strom zu schwimmen, ist für die Macher der Formel E fast schon zum Markenkern geworden. Trotz hartnäckig anhaftender Vorbehalte fand das "saubere" Motorsport-Startup binnen kürzester Zeit seine Nische zwischen Formel 1, Motorrad-WM oder IndyCar. Dass die Elektro-Rennserie in einer politisch umstrittenen Öl-Nation, in der Frauen erst seit sechs Monaten hinters Steuer dürfen, in ihre fünfte Saison startet, deckt sich also ziemlich gut mit dem Pioniergeist des "sauberen" Rennsports.

Leise sein werden die 22 Boliden, die am Samstag (13.00 Uhr/Eurosport und zdf.de) vor den Toren der saudi-arabischen Hauptstadt Riad an den Start gehen, immer noch. Doch beim Look hat die Formel E tief in den Macho-Topf gegriffen. Aggressiv und futuristisch kommen die Einheitschassis der zweiten Generation daher, Vergleiche mit dem "Batmobil" waren schnell bei der Hand.

"Wenn man zwischen anderen Autos unterwegs ist, fühlt man sich fast wie in einem Science-Fiction-Film", sagt Daniel Abt, mit zwei Siegen für Audi der erfolgreichste deutsche Formel-E-Pilot.

Auch unter der Haube hat sich einiges getan: Die Energiespeicherkapazität verdoppelt sich nahezu, die vielfach belächelten Fahrzeugwechsel bei Renn-Halbzeit sollen der Vergangenheit angehören. Im Qualifying stehen den Fahrern künftig 340 PS zur Verfügung, im Rennen 272 Pferdestärken. Auf den meist engen Kursen sollen so Geschwindigkeiten bis zu 240 km/h erreicht werden.

Dass nach diesem Facelifting die Puristen unter den PS-Fans in Massen zu den 13 Saisonrennen pilgern, darf freilich bezweifelt werden. Doch die Formel E hat mit ihrem Konzept, in die Metropolen zu gehen und "Zukunftsmärkte" der Elektromobilität ins Visier zu nehmen, zweifellos Achtungserfolge gefeiert. Oder, wie es Serien-Gründer und -Geschäftsführer Alejandro Agag ausdrückt: "Die Formel E passt gerade perfekt in die Zeit."

Was den Glamour-Faktor angeht, hat die Serie allerdings noch Luft nach oben. Zwar wagt mit dem brasilianischen Fanliebling Felipe Massa (37) immerhin ein früherer Formel-1-Vizeweltmeister den Umstieg, doch die ganz großen Namen machen weiter einen Bogen um die Formel E. Der zweimalige Formel-1-Weltmeister Fernando Alonso (Spanien) etwa fährt nach seinem freiwilligen Rückzug aus der Königsklasse lieber IndyCar- und Langstreckenrennen.

Aus deutscher Sicht sind neben dem Kemptener Abt (26) und dem Duisburger Andre Lotterer (37), der bei Techeetah Teamkollege von Titelverteidiger Jean-Eric Vergne (Frankreich) ist, auch zwei Neue am Start. Der frühere Formel-1-Pilot Pascal Wehrlein (24/Worndorf) fehlt allerdings beim Saisonstart aus vertragsrechtlichen Gründen, sein Debüt für Mahindra wird der langjährige Mercedes-Protege erst Mitte Januar beim zweiten Lauf in Marrakesch geben. Aus der Formel 2 wechselte der Oberstdorfer Maximilian Günther (21/Dragon) in die Elektroserie.

Auch an der Herstellerfront wird die Formel E immer deutscher. Team-Champion Audi werden dabei ebenso gute Chancen auf Topplatzierungen eingeräumt wie BMW. HWA, bislang das Einsatzteam von Mercedes in der DTM, bildet gewissermaßen die Vorhut für die Stuttgarter, die 2019/2020 die Team-Lizenz übernehmen. Dann steigt auch Porsche als vierter deutscher Premium-Hersteller ein.

Auch das Interesse der deutschen TV-Sender wächst. Eurosport zeigt wie schon in den vergangenen Jahren alle Rennen live. Allerdings weiten die Öffentlich-Rechtlichen ihr Engagement aus: Übertrug die ARD im Vorjahr nur das Heimrennen, zeigt das Erste in der neuen Saison die ePrix in Berlin (25.5.) und Monaco (11.5.) live. Das ZDF überträgt am 13. April live aus Rom. Alle weiteren Läufe sind bei ARD oder ZDF im Livestream zu sehen.

(sid/sef)
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