DTM 2018: Pascal Wehrlein im Interview

Interview mit Pascal Wehrlein: „Mein Ziel ist die Rückkehr in die Formel 1“

Vor dem Rennen in Zandvoort erklärt der DTM-Fahrer Pascal Wehrlein, wie er sein Aus in der Motorsport-Königsklasse sieht. Der DTM-Meister von 2015 hat sich große Ziele gesetzt - nicht nur in der Tourenwagen-Meisterschaft.

Pascal Wehrlein, schauen Sie eigentlich noch Formel 1?

Pascal Wehrlein Klar, ich verfolge das Geschehen dort weiterhin. Mich interessiert die Formel 1 einfach. Außerdem bin ich noch Ersatzfahrer von Mercedes.

Sie waren vergangene Saison noch mit am Start. Wie hart ist es, nun zuzusehen?

Wehrlein Das ist natürlich nicht das schönste Gefühl. Es fällt mir immer noch schwer, zu Hause zu sitzen und die Rennen als Zuschauer zu verfolgen.

Wie bitter ist es, dass Ihr Aus nicht an der Leistung, sondern vor allem am Motor lag?

Wehrlein Klar ist es enttäuschend, dass es nicht nach der Leistung geht – vor allem im Sport. Aber ich denke, dass ich enttäuschter wäre, wenn es an meiner gezeigten Leistung gelegen hätte. Wenn mein Teamkollege die Punkte geholt hätte und ich hätte akzeptieren müssen, dass ich nicht gut genug war. Das war aber nicht der Fall.

Nun fahren Sie wieder in der DTM. Dort haben Sie 2015 den Titel geholt. Wie schwer ist es, sich wieder zu einem Tourenwagen-Fahrer zurückzuentwickeln?

Wehrlein Man gewöhnt sich schnell daran. Es ist ziemlich leicht, an ein gewisses Limit zu gelangen. Aber die letzten Zehntel, die in der DTM entscheidend sind – da spielt es keine Rolle mehr, ob man sich an die neue Serie gewöhnt hat oder nicht. Da spielen viele Faktoren zusammen.

Welche?

Wehrlein Zum Beispiel, ob ich die richtige Entscheidung treffe. Oder ob ich noch die Streckenprofile im Kopf habe. Oder ob das Rennwochenende nach Plan läuft. Ich habe nicht das Gefühl, dass ich mich noch an die DTM gewöhnen muss. Aber ich kann nicht auf die Erfahrung des vergangenen Jahres zurückgreifen.

Wo liegt der größte Unterschied zwischen den beiden Rennserien?

Wehrlein Das kann man sehr schwer miteinander vergleichen. In der DTM haben wir drei Hersteller und pro Hersteller sechs Fahrer. Und im Gegensatz zur Formel 1 hat jeder Fahrer die Chance, ein Rennen zu gewinnen.

Macht es das als Fahrer reizvoll?

Wehrlein Auf jeden Fall. Für die Fahrer, die in der Formel 1 in den drei Topteams sitzen, ist es natürlich schön. Aber der Rest kämpft im besten Fall um Platz 7. Man kann an einem Wochenende von allen Fahrern die beste Leistung abgeliefert, aber trotzdem nicht das verdiente Ergebnis dafür bekommen haben. Es ist schade, dass dort keine Chancengleichheit herrscht. Das ist in der DTM der Fall.

Sowohl in der Formel 1 als auch in der DTM kann die Stallorder nicht unterbunden werden. Behindert das einen fairen Wettbewerb?

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Wehrlein In der DTM ist das ganz normal. Wenn man Teamkollegen hat, die in einer besseren Position sind, wird das ab einem bestimmten Zeitpunkt so entschieden. Als ich 2015 Meister wurde, hat mir das auch geholfen.

Finden Sie das gut?

Wehrlein DTM ist nun mal auch ein Teamsport, von daher wird es so etwas wie Teamorder gegen Ende einer anderen Saison auch geben. Aber das ist normal.

Warum sind Sie eigentlich in die DTM zurückgekehrt? Mercedes steigt doch nach dieser Saison definitiv aus.

Wehrlein Warum hätte ich mir ein Jahr Pause antun sollen? Für mich kam das einfach nicht infrage. Ich wusste seit Januar, dass ich in der Formel 1 kein Cockpit erhalten würde. Zu diesem Zeitpunkt war es schon zu spät, um sich nach anderen Serien umzuschauen.

Sie hätten aber auch nach Japan gehen können.

Wehrlein Das stimmt. Und ich wäre sehr gern dort gefahren. Einfach, um im Formel-Sport zu bleiben und weiterhin Erfahrungen sammeln zu können. Das hat schlussendlich aber leider nicht geklappt. Aber ich bin erst 23, ich wollte irgendwo Rennen fahren. Natürlich ist es sehr schade, dass Mercedes aussteigt. Mercedes hat in der DTM Geschichte geschrieben, ich bin selbst ein kleiner Teil davon. Aber es entsteht auch immer etwas Neues. Ob als Hersteller oder als Fahrer.

Sie sprechen es an. Mercedes verlässt die DTM für die Formel E, vor allem zwecks Marketing. Macht es da nicht Sinn, einen jungen deutschen Fahrer wie Sie als Gesicht von Mercedes zu präsentieren?

Wehrlein Der Gedanke ehrt mich, aber ich weiß noch nicht, wie meine Zukunft aussehen wird. Ich schaue mir gerade mehrere Möglichkeiten an. Eine davon ist auch die Formel E.

Würde es Sie reizen, wenn Mercedes mit diesem Gedanken auf Sie zukommen würde?

Wehrlein Um das beurteilen zu können, müsste ich das Auto gefahren haben. Mein Ziel bleibt aber ein anderes.

Nämlich?

Wehrlein Das ist nach wie vor, in die Formel 1 zurückzukehren. Das ist der Traum eines jeden Rennfahrers. Aber auch die Indy-Car-Serie in den USA oder die V8-Supercars-Meisterschaft in Australien sind interessant.

Oder Sie bleiben der DTM erhalten. Dafür müssten Sie allerdings den Hersteller wechseln.

Wehrlein Auch das muss man sehen. Ich bin da momentan sehr offen für Neues. Am Ende muss man dann sehen, was die beste Option ist und dann entscheiden.

(RP)