Andre Villas-Boas will bei der Rallye Dakar 2018 nur irgendwie ankommen

Fußballtrainer am Lenkrad: Villas-Boas' Kindheitstraum von der Rallye Dakar wird wahr

Mit dem FC Porto gewann er die Europa League, in der Premier League betreute er den FC Chelsea und Tottenham Hotspur. Inzwischen hat Andre Villas-Boas eine neue Berufung gefunden: Der Portugiese startet am Samstag bei der 40. Rallye Dakar.

Fußball und schnelle Autos. Als Kind war Andre Villas-Boas ein gewöhnlicher Junge mit gewöhnlichen Interessen. Seine erste Leidenschaft machte ihn reich und berühmt, vom Profi-Geschäft hat der 40-Jährige vorerst dennoch genug. Der frühere Teammanager des FC Chelsea und Ziehsohn des Startrainers Jose Mourinho widmet sich in einer der größtmöglichen Herausforderungen seiner Motorsport-Passion: Am Samstag startet Villas-Boas erstmals bei der 40. Rallye Dakar.

Vom Lehrmeister zum Lehrling - die Aufregung vor dem Start des Marathon-Rennens durch Peru, Bolivien und Argentinien konnte der Portugiese nicht verbergen. "Ich bin es gewohnt, Leuten zu sagen, dass sie schnell rennen sollen. Jetzt muss ich selbst schnell sein. Die Dakar ist gänzlich anders als das, was ich vom Fußball gewohnt bin", sagte Villas-Boas: "Mein bescheidener Wunsch ist es, Cordoba zu erreichen."

8793 km über Dünen, Schotter und durch die dünne Luft der Anden liegen zwischen dem Startort Lima und dem Ziel in der argentinischen WM-Stadt von 1978. Die Dakar stellt in ihrer Unberechenbarkeit selbst erfahrene Piloten vor Probleme, umso größer ist die Herausforderung für Novizen wie Villas-Boas.

Nur etwas mehr als ein Monat ist seit dem Ende seines jüngsten Trainer-Engagements beim chinesischen Erstligisten Shanghai SIPG vergangen. Die Vorbereitung auf die Südamerika-Tour war kurz und intensiv. Villas-Boas lieh sich ein Höhenzelt, eifrig spulte er das Programm seiner Fitnesstrainer ab.

Dennoch begleiten ihn Zweifel. "Mir bereitet die mentale Erschöpfung mehr Sorgen als die Dünen. Ich glaube, nichts kann dich gänzlich auf die Belastungen der Dakar vorbereiten. Ich werde sehen, wie der Körper darauf reagiert", sagte er.

Sicherheit gibt Villas-Boas sein Landsmann Ruben Faria. Im Zweiten der Motorrad-Wertung der Dakar 2013 sitzt ein exzellenter Co-Pilot auf dem Beifahrersitz des Toyota Hilux mit der Startnummer 346.

Bei aller Vorsicht: Letztlich sind es gerade die Unwägbarkeiten der Rallye, die Villas-Boas reizen. Schon als Kind wurde er mit dem Dakar-Virus infiziert. Sein Onkel Pedro nahm 1982 teil. In jenen Tagen war das Rennen in Afrika ohne die heutigen Hilfs- und Sicherheitssysteme ein noch größeres Wagnis.

"Er schrieb ein Buch über seine Abenteuer. Ich habe es verschlungen", sagte Villas-Boas, der zunächst mit dem Motorrad hatte starten wollen. Auch sein Vater ist nicht unschuldig an seiner Begeisterung für PS. Der Besuch des Formel-1-Rennens in Estoril war Tradition, auch bei den Portugal-Abstechern der Rallye-WM WRC standen sie gemeinsam am Straßenrand.

Mit dem Start bei der Dakar schließt sich für Villas-Boas ein Kreis. "Die Dakar ist das größte Abenteuer. Ich träume seit meiner Kindheit davon." Am Samstag wird er Realität.

(sid)