"Keine Aufarbeitung": Monitor: Zehn Trainer sind Doping-belastet - DLV weist Vorwürfe zurück

"Keine Aufarbeitung": Monitor: Zehn Trainer sind Doping-belastet - DLV weist Vorwürfe zurück

Köln (dpa). Der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) hat Vorwürfe zurück gewiesen, nach denen er keine Aufarbeitung der Doping-Vergangenheit von zehn seiner für das Olympia-Team vorgesehenen Trainer betrieben hätte. Damit reagierte Rüdiger Nickel, Vorsitzender des Bundesausschusses Leistungssport im DLV, am Donnerstag auf die Veröffentlichung des ARD-Magazins "Monitor". "Die Staatsanwaltschaft hatte Ermittlungsmöglichkeiten ausgeschöpft. Alle Ermittlungen bis auf eins sind eingestellt worden. Und da gab es drei Möglichkeiten: 1. ein Schuldvorwurf kann nicht gemacht werden, 2. wegen Geringfügigkeit und 3. wegen Geringfügigkeit gegen Zahlung einer Geldbuße. Staatsanwaltschaftliche Ermittlungen können besser aufklären als jeder Verband", so Nickel.

"Monitor" berichtete, dass dem Betreuerstab des Verbandes bei den Olympischen Spielen in Sydney "zehn DDR-Doping-Trainer, die am flächendeckenden Staatsdoping der ehemaligen DDR beteiligt waren", angehören. In diesem Zusammenhang werden der Leitende Bundestrainer Bernd Schubert (Chemnitz), Lutz Kühl (Berlin), Eberhard König (Erfurt), Klaus Schneider (Magdeburg), Bernd Jahn (Schwerin), Gerhard Böttcher (Halle/Saale), Klaus Baarck (Neubrandenburg), Hans-Joachim Pathus (Potsdam) sowie die Honorartrainer Bernhard Riedel (Dresden) und Bernd Bierwisch (Magdeburg) aufgezählt.

Nickel, der diese Liste nicht bestätigen wollte, wies jedoch darauf hin, dass vom Nationalen Olympischen Komitee (NOK) für Deutschland noch keine DLV-Trainer für das Sydney-Team benannt wurden. Unabhängig davon stellte er sich vor alle im DLV beschäftigten Trainer. "Alle Trainer haben eine gute, überzeugende und saubere Arbeit geleistet. Ich stelle mich absolut hinter meine Trainer", erklärte er, "es nervt mich, weil dieses immer wieder scheibchenweise vorgetragen wird, aber nichts Neues vorgetragen wird".

In dem "Monitor"-Beitrag hatte der Vorsitzende des Dopingopfer- Hilfe-Vereins, Klaus Zöllig, vor allem die Berufung Schuberts in den Betreuerstab kritisiert und dies mit einem Pauschalvorwurf an die deutschen Sportorganisationen verbunden. "Die Nominierung Schuberts ist ein Signal in die falsche Richtung und eine Verhöhnung der Doping-Opfer. Nach der Wende versprachen die Sportverbände vollmundig eine lückenlose Aufklärung des Staats-Dopings und einen Ausschluss aller Trainer, die daran beteiligt waren. Heute, kurz vor den Olympischen Spielen, erweisen sich die Lippenbekenntnisse von damals als ins Gegenteil umgekehrt", sagte der Vereinsvorsitzende.

Schubert hatte 1991 erfolglos auf Unterlassung geklagt, in dem Buch "Doping-Dokumente" von Brigitte Berendonk als "ausgewiesener Fachdoper" bezeichnet zu werden. "Aber damit ist nicht festgestellt, dass er das auch gewesen ist", erklärte Nickel, der ebenfalls Mitglied im Dopingopfer-Hilfe-Verein ist, "im Übrigen ist das Ermittlungsverfahren gegen ihn wegen Körperverletzung wegen Geringfügigkeit ohne Geldbuße eingestellt worden. Bernd Schubert leistet eine saubere und fachlich hervorragende Arbeit."

(RPO Archiv)
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