Auch Grigorian und Lang siegen: Michalczewski weiter Weltmeister

Auch Grigorian und Lang siegen: Michalczewski weiter Weltmeister

Braunschweig (rpo). Profi-Boxer Dariusz Michalczewski bleibt weiterhin Weltmeister im Halbschwergewicht nach Version der World Boxing Organization (WBO) . Bei seiner 22. Titelverteidigung musste der "Tiger" aber zahlreiche Schläge einstecken bevor er seinen Gegner Richard Hall durch technischen K.o. besiegen konnte.

Als Pole hat Dariusz Michalczewski endgültig die Herzen der deutschen Boxfans erobert und im Fernduell mit Publikumsliebling Sven Ottke Punkte gesammelt. Grün und blau geschlagen und mit bizarren Schwellungen im Gesicht ließ sich der Halbschwergewichtler aus Danzig nach seinem technischen K.o.-Sieg in der zehnten Runde über den starken Jamaikaner Richard Hall von den 6500 Zuschauern in Braunschweig feiern. "Es war ein fantastischer Kampf. Ich habe gezeigt, dass ich Herz habe und ein großer Fighter bin", sagte der Champion: "Jetzt hoffe ich, dass der Kampf mit Ottke bald kommt."

Nach 14 Jahren für Schwarz-Rot-Gold trat der Weltmeister erstmals in Deutschland für sein Vaterland an. "Ich war hier doch immer nur der Polacke" meinte er: "Meine Zukunft nach der Karriere liegt in Polen." Kaum jemand nahm ihm die Rückbesinnung auf seine Heimat übel, der "Tiger" begeisterte durch seine Leistung. Auch die vereinzelten "Pfeifer" bei Vorstellung und Abspielen der polnischen Hymne vor dem ersten Gong stimmten am Ende in den allgemeinen Jubel ein. Zu beeindruckend war die Energieleistung des 34-Jährigen bei seiner 22\. Titelverteidigung, zu aufregend die Ringschlacht, zu stark schlug Michalczewski zu.

Schlagfertig blieb er auch, als Ringrichter Rudy Battle nach 1: 10 Minuten der zehnten Runde den verteidigungsunfähig durch den Ring taumelnden Herausforderer aus dem Kampf nahm. "Mit dem Zweiten sieht man besser", meinte der Champion in Anspielung auf sein zugeschwollenes linkes Auge und den Werbeslogan des ZDF, das erstmals einen Fight des Rekord-Weltmeisters live übertrug und mit dem spektakulären Schlagabtausch gegen Mitternacht immerhin 4,18 Millionen Zuschauer (Marktanteil 33,7 Prozent) erreichte.

Drei Wochen nach dem K.o.-Sieg von Sven Ottke über den Kanadier Joe Gatti legte Michalczewski mit seinem 47\. Sieg im 47\. Profikampf spektakulär nach und kam dem angestrebten "Weltrekord" von 50 Siegen in Folge näher.

In der Anfangsphase wurde es seinen Anhängern allerding Angst und Bange. Schon nach 60 Sekunden blutete der "Tiger" nach den überfallartigen Attacken seines Gegners aus Cuts an beiden Augen. Michalczewski kassierte Schlag auf Schlag und offenbarte dabei alte Deckungsschwächen. "Er hat mir in den ersten beiden Runden einen großen Schrecken eingejagt", gab Promotor Klaus-Peter Kohl zu: "Aber dann hat er wieder große Moral gezeigt. Dariusz ist wirklich einmalig. Solche Spannung gibt es nur ganz selten."

Ab Runde vier war der Danziger nicht mehr zu stoppen und marschierte im Wettlauf mit den Schwellungen an seinem Auge unaufhaltsam weiter. "Ich habe meinem Trainer Fritz Sdunek in der Pause zur zehnten Runde gesagt, dass ich nichts mehr sehen kann", erzählte der Weltmeister: "Fritz hat geantwortet: Dann knock ihn aus." Es folgte ein Schlaghagel, dem Hall nichts entgegenzusetzen hatte. "Das war der Fight des Jahrhunderts", stellte der Verlierer fest: "Ich habe mein Bestes gegeben, aber Dariusz war stärker."

In das Lob für den Sieger stimmte auch Sven Ottkes Coach Uli Wegener ein: "Hochachtung, eine ganz tolle Leistung. Eine tolle Moral, den Kampf nach diesen Verletzungen noch so umzudrehen." Auch Wegener möchte das direkte Duell zwischen "Svenni" und dem "Tiger" sehen: "Ich bin gespannt, ob der Kampf stattfindet." Gefordert sind die Manager Wilfried Sauerland und Kohl sowie die Sender ARD und ZDF. "Wir wollen das unbedingt machen", bestätigte Kohl: "Nach so einem schweren Kampf hat Dariusz einen leichten Gegner verdient, und Ottke ist ein leichter Gegner."

(RPO Archiv)
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