Dortmund: Lewandowski lässt Dortmund träumen

Dortmund : Lewandowski lässt Dortmund träumen

Der polnische Nationalstürmer erzielt beim 4:1-Sieg im Halbfinal-Hinspiel der Champions League gegen Madrid alle Treffer der Gastgeber. Real schaltet nach Ronaldos Tor zum 1:1 zu stark zurück – und die Gastgeber schlagen zu.

Der polnische Nationalstürmer erzielt beim 4:1-Sieg im Halbfinal-Hinspiel der Champions League gegen Madrid alle Treffer der Gastgeber. Real schaltet nach Ronaldos Tor zum 1:1 zu stark zurück — und die Gastgeber schlagen zu.

Eine wichtige Frage war schnell beantwortet. Es gab ein paar Pfiffe, als bei der Mannschaftsaufstellung der Name Mario Götze verlesen wurde. Natürlich nehmen ihm die Fans von Borussia Dortmund den Wechsel zu Bayern München im Sommer übel. Aber sie stellten die Unterstützung der Mannschaft über ihren Ärger. Schließlich war es das Halbfinal-Hinspiel der Champions League gegen den größten Klub der Welt, gegen Real Madrid. Auch weitere Fragen wurden schnell beantwortet. Die nach dem Sieger zum Beispiel. Bereits nach einer guten Stunde führte der Bundesligist mit 4:1. Und auf den Tribünen herrschte Karnevalsstimmung.

Der BVB versuchte natürlich, mit seinem Tempospiel, dem "Pressing" und "Gegenpressing" Reals Stars den Spaß am Spiel zu nehmen. Das gelang häufig genug, vor allem in einer schwungvollen Startphase. Dortmund hatte keine Schwierigkeiten, auf Betriebstemperatur zu kommen. Schon nach ein paar Minuten tanzte Marco Reus nach einem Ballgewinn von Sven Bender an der Mittellinie die Madrider Abwehr aus, scheiterte aber an Torwart Diego Lopez. Den Abpraller bekam Robert Lewandowski nicht mehr unter Kontrolle, und er übersah den völlig frei stehenden Götze.

Der künftige Bayern-Profi machte es wenig später deutlich besser. Nach seiner präzisen Flanke vom linken Flügel grätschte Lewandowski den Ball in bester Mittelstürmerart zum 1:0 ins Netz. Selbstverständlich wurde Götze von den Kollegen gefeiert, und auch das Publikum nahm seine Vorstellung mit milder Begeisterung zur Kenntnis.

Der Rückstand verunsicherte Real nicht. Die Mannschaft von Trainer José Mourinho, dessen Rückkehr zum FC Chelsea angeblich perfekt sein soll, brauchte eine Anlaufzeit, fand dann aber ins Spiel. Die Dribblings von Cristiano Ronaldo wurden zielführender, das Zusammenspiel der Real-Offensive mit dem deutschen Künstler Mesut Özil bekam Konturen. Dennoch fiel der Ausgleich aus heiterem Himmel. Gerade war Reus nach einem Tempolauf im Strafraum der Spanier zu Fall gekommen, da leistete sich Nationalverteidiger Mats Hummels einen ganz groben Schnitzer. Er verlor den Ball als letzter Mann an Reals Sturmspitze Gonzalo Higuain. Dessen Querpass versenkte Ronaldo ohne erkennbare Mühe.

Real hatte ein Wunschergebnis. Und es machte, was Real immer tut, wenn ein Etappenziel erreicht scheint: Real reduziert seine Bemühungen. So etwas macht niemand gegen Dortmund ungestraft. Lewandowski stand richtig, als ihm der Ball nach einem eigentlich verunglückten Schuss von Reus vor die Füße fiel, das 2:1 war beinahe Formsache. Beim 3:1 aber lieferte der Pole ein technisches Meisterstück ab. Er musste sich mit dem Spielgerät um Pepe drehen, und er vollendete die Bewegung mit einem krachenden Schuss. Die Quittung für den Anflug von Arroganz, mit dem Madrid auf das 1:1 reagiert hatte. Den klaren Rückstand wollte sich Real nicht gefallen lassen. Die Gäste zogen das Tempo wieder an. Weil die Dortmunder dagegenhielten und Schiedsrichter Björn Kuipers die Begegnung an einem sehr langen Zügel führte, war es phasenweise eine nickelige Angelegenheit. Von ihrem Vorhaben ließen sich die Gastgeber nicht abbringen.

Jakub Blaszczykowski machte mit einem simplen Einwurf das Spiel schnell, Götze hob den Ball in den Strafraum, und Xabi Alonso rannte Reus um. Den Foulelfmeter drosch Lewandowski ins Netz. Und die Fans sangen vom Finale. "Wir haben nur den ersten Schritt gemacht", betonte Lewandowski. Madrid muss sich vorwerfen, den Geist und die Einstellung ihres Gegners unterschätzt zu haben. Das könnte verhängnisvoll sein. "Man muss sich zwingen, nicht komplett durchzudrehen. Wir müssen noch nach Madrid, das wird kein Zuckerschlecken. In der zweiten Halbzeit haben wir das Gute mitgenommen und das Schlechte abgestellt. Einfach unglaublich", schwärmte Klopp.

(RP)
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