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Bayer Leverkusen: Leverkusen fühlt sich bereit für Bayern

Bayer Leverkusen : Leverkusen fühlt sich bereit für Bayern

Nach dem 2:0 gegen Hannover geht Bayer 04 selbstbewusst ins Spitzenspiel. Bundestrainer Joachim Löw kündigt ein Gespräch mit Stefan Kießling an.

Mit selbstbewussten Aussagen ist es in Leverkusen traditionell so eine Sache. Zu forsche Verlautbarungen fliegen dem Werksklub in verlässlicher Regelmäßigkeit um die Ohren, zu viel verbale Bescheidenheit wird ihm in der Regel als kalkuliertes Understatement ausgelegt. Mittelfeldspieler Stefan Reinartz fand nach dem 2:0 gegen Hannover 96, dem sechsten Sieg im siebten Saisonspiel, einen Weg, Selbstbewusstsein zu demonstrieren, ohne dabei die Bodenhaftung aufzugeben. "Wenn wir nicht einhundert Prozent geben, kriegen wir direkt auf die Nase. Wir müssen sehr viel aus uns herausholen. Dann wird es für viele Gegner schwer gegen uns, und dann stoßen manche Gegner auch an ihre persönlichen Grenzen — siehe Hannover heute, letzte Woche Mainz oder davor Wolfsburg. Da müssen wir aber jedes Spiel wieder neu hinkommen", sagte Reinartz.

Seine Teamkollegen und er haben sich durch den besten Saisonstart, der je einer Leverkusener Mannschaft gelungen ist, eine perfekte Ausgangslage für die anstehende Woche verschafft, die gleich zwei "große" Spiele bereithält. Übermorgen empfängt die Werkself im zweiten Gruppenspiel der Champions League die Basken aus San Sebastián. Ein Sieg ist nach der Auftaktniederlage in Manchester Pflicht, will man Rang zwei nicht schon früh aus den Augen verlieren. "Zu Hause müssen wir gewinnen, weil wir anders nicht weiter kommen werden", sagte Trainer Sami Hyypiä. Vor zwei Jahren hatte Bayer 04 mit drei Heimsiegen den Grundstein für das Überwintern in der Königsklasse gelegt. Respekt vor den offensivstarken Spaniern ist im Leverkusener Lager vorhanden, aber genauso eben das in den vergangenen Wochen erarbeitete Selbstvertrauen. "Wir müssen auf der Hut sein, aber es ist auch nicht der FC Barcelona, der kommt", sagte Reinartz.

Reifeprüfung gegen die Bayern

Schon jetzt aber fiebert das Umfeld indes dem Spitzenspiel am Samstag (18.30 Uhr/Live-Ticker) entgegen. Bayer gegen Bayern, Dritter gegen Zweiter, die Reifeprüfung für all die neuen Qualitäten, die einer Werkself im Höhenflug derzeit attestiert werden. "Da können wir gucken, ob wir tendenziell nach hinten blicken müssen oder ob wir vorne so ein Dreierduell noch offen halten können. Das Spiel kommt zu einem sehr, sehr guten Zeitpunkt", sagt Reinartz.

Dass Bayer 04 dieses Heimspiel aus dem Windschatten von nur einem Zähler Rückstand bestreiten kann, ist dabei keine logische Bewandtnis im Bundesligageschäft. Weder im Umsatz, noch von der Höhe der Gehälter findet sich Leverkusen unter den Top-Drei wieder. Doch die, die weit vor ihnen rangieren und als Konkurrenten um den so lukrativen dritten Platz eingestuft werden, hat Bayer 04 erst einmal um Längen distanziert. Zehn Zähler (bei erst 21 vergebenen) beträgt der Abstand auf Schalke 04, deren neun sind es auf den VfL Wolfsburg. Und auch das hoch gehandelte Mönchengladbach liegt bereits acht Punkte zurück.

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Dabei überzeugte die Werkself gegen Hannover — Tore durch Simon Rolfes und Sidney Sam — keineswegs mit einem Offensivfeuerwerk. Vor allem nicht ihren Trainer. "Heute genieße ich es nicht so sehr, weil wir offensiv nicht unser bestes Spiel gemacht. Wir haben den entscheidenden Pass zu früh probiert", sagte Hyypiä. Es war ein Jammern auf hohem Niveau, denn Hannover hatte trotzdem zu keinem Zeitpunkt der Partie die Chance, selbige zu drehen.

An Stefan Kießling lief die Partie übrigens ausnahmsweise völlig vorbei. Das tat das Thema Nationalelf in den vergangenen Jahren in gleichem Maße. In naher Zukunft könnte allerdings etwas Bewegung in die Angelegenheit kommen. "Ich werde demnächst auch mal ein Gespräch mit Stefan Kießling führen und ein paar Dinge klären. Ich stehe mit Rudi Völler in Kontakt", sagte Bundestrainer Joachim Löw am Abend in der "Sportschau".

(RP)