Lichtathletik-EM 2019: Kugelstoßerin Christina Schwanitz holt Silber

Silber für Kugelstoßerin : Schwanitz fehlen zwei Zentimeter zum EM-Titel

Von Gold geträumt, als Favoritin angereist - und am Ende Silber erobert: Kugelstoßerin Christina Schwanitz hat bei der Hallen-EM in Glasgow ihren zweiten Titel nach 2013 denkbar knapp verpasst.

Mit der Silbermedaille um den Hals konnte Christina Schwanitz wieder lächeln. Die deutsche Kugelstoß-Hoffnung war als Weltjahresbeste zur Hallen-EM nach Glasgow gereist, wollte ihre starke Saison mit Gold krönen - doch auch mit Platz zwei freundete sich die 33-Jährige schnell an. Auch wenn gerade einmal zwei Zentimeter zum Titel fehlten.

"Natürlich ist Silber schön", sagte Schwanitz, die mit ihren 19,11 m bis zum fünften Versuch geführt hatte. Dann wurde sie denkbar knapp von der Bulgarin Radoslawa Mawrodjewa (19,12) abgefangen, die im Vergleich zu Schwanitz auch den besseren zweitweitesten Versuch hatte. "Es ist halt ein Wettkampf", betonte Schwanitz.

Für den Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) war es die dritte Silbermedaille der Titelkämpfe. Am Freitag hatten Schwanitz' Disziplinkollege David Storl (Leipzig) und 3000-m-Läuferin Konstanze Klosterhalfen (Leverkusen) ebenfalls zweite Plätze belegt. Am Abschlussabend ruhten die deutschen Hoffnungen noch auf Weitsprung-Europameisterin Malaika Mihambo, Titelverteidigerin Cindy Roleder über die 60 m Hürden und Dreispringer Max Heß.

Vor zwei Jahren in Belgrad hatte es für die deutschen Leichtathleten neun Medaillen (2xGold, 2xSilber, 2xBronze) gegeben. Allerdings musste der DLV vor Glasgow einige prominente Absagen verkraften.

Hürdensprinterin Pamela Dutkiewicz sagte verletzungsbedingt ebenso kurzfristig ab wie Dreisprung-Titelverteidigerin Kristin Gierisch. Zudem fehlten unter anderem Zehnkampf-Europameister Arthur Abele und Sprintstar Gina Lückenkemper. Angesichts einer ungewöhnlich späten WM in Doha Ende September liegt der Fokus vieler Top-Athleten auf der Freiluft-Saison.

"Wie immer in einer Mannschaft haben wir tolle Momente und Steigerungen gesehen, aber auch Enttäuschungen erlebt", sagte Idriss Gonschinska, Generaldirektor Sport im DLV.

Selbstvertrauen auf dem Weg zur WM sammelten Storl und Klosterhalfen mit ihren zweiten Plätzen. "Das gibt Mut und ist eine schöne Ausgangsposition für den Sommer", sagte Storl, dem mit 21,54 m sein bester Hallenstoß seit 2014 gelang. Klosterhalfen blieb nur eineinhalb Sekunden über ihrem eigenen deutschen Rekord, mit Silber im Gepäck reist sie bestärkt in ihre neue Wahlheimat USA zurück. "Ich denke auf jeden Fall, dass ich stärker geworden bin. Ich habe mich schon auf vielen Ebenen verbessert", sagte sie.

Gehandicapt war dagegen Mateusz Przybylko. Der Hochsprung-Europameister kam mit Problemen am rechten Sprungfuß nicht über Platz acht (2,18 m) hinaus. Dennoch ließ sich der 26-Jährige mit Blick auf die Freiluft-Saison nicht entmutigen. "Ich weiß, da geht auf jeden Fall etwas", sagte der Leverkusener, der in der Qualifikation als einziger Athlet die 2,28 m gemeistert hatte: "Mein Ziel ist sowieso die WM in Doha, bis dahin will ich topfit sein."

Achtbar schlugen sich die beiden Youngster Bo Kanda Lita Baehre (Leverkusen) im Stabhochsprung und Sprinter Kevin Kranz (Wetzlar), die in ihren ersten großen internationalen Finals wichtige Wettkampferfahrung sammelten und die Plätze sieben und acht belegten. Beide waren bei der Freiluft-EM in Berlin noch früh ausgeschieden. Auch Amos Bartelsmeyer (Frankfurt) feierte über 3000 m eine gelungene Premiere. Der Deutsch-Amerikaner trat erstmals im Nationaltrikot an und belegte Platz sechs.

(dpa/old)
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