Leichtathletik-WM: Konstanze Klosterhalfen ist Leverkusens Laufwunder

Leichtathletik-Hallen-WM: Konstanze Klosterhalfen ist Leverkusens Laufwunder

Konstanze Klosterhalfen gilt als größtes nicht in Afrika geborenes Talent auf der Mittelstrecke. Bei der Hallen-WM soll die 21-Jährige endgültig zum Star werden.

Dass der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) Konstanze Klosterhalfen nicht länger als Talent schützt, verriet die Schlagzeile, mit der er sein Aufgebot für die morgen beginnende Weltmeisterschaft in Birmingham kundtat. "Klosterhalfen und Pinto führen deutsches Hallen-WM-Team an", stand da zu lesen. Nicht "Roleder und Pinto" oder "Storl und Holzdeppe", nein, neben der unterm Hallendach aktuell fulminant auftretenden 60-Meter-Sprinterin Tatjana Pinto (LC Paderborn) soll Klosterhalfen, die 21-Jährige vom TSV Bayer 04 Leverkusen, als Zugpferd für die Titelkämpfe fungieren. Es ist ein Rollenwechsel zum Star, den die Mittel- und Langstrecklerin erst einmal bewerkstelligen muss, es ist aber auch einer, gegen den sie sich kaum wehren kann.

Schon gar nicht seit den Deutschen Hallenmeisterschaften in Dortmund vor zehn Tagen, als sie an ihrem Geburtstag über 3000 Meter den 30 Jahre alten deutschen Rekord um fast sechs Sekunden auf 8:36,01 Minuten verbesserte und anschließend unter den Ovationen der 4000 Zuschauer strahlend eine Ehrenrunde absolvierte. "Es ist ein ganz tolles Gefühl, den Geburtstag mit dem zu verbringen, was ich gerne mache, und mit den Leuten, die mir wichtig sind", sagte Klosterhalfen. Und lächelte schüchtern, so wie sie immer schüchtern lächelt, während mancher Zuschauer mal wieder versucht gewesen sein dürfte, ihr bei nur 48 Kilogramm auf 1,74 Metern Größe umgehend ein Butterbrot zu schmieren.

Mit dem Rekord von Dortmund liegt sie auf Rang zwei der Weltjahresbestenliste. Nur ihr Vorbild Genzebe Dibaba aus Äthiopien war in diesem Winter bisher schneller (8:31,23). Bei den Olympischen Spielen in Rio vor anderthalb Jahren hatte Klosterhalfen noch vergeblich versucht, Dibabas Startnummer als Andenken zu ergattern. Als die beiden jetzt Anfang des Monats in Karlsruhe aufeinandertrafen und Klosterhalfen auch über 1500 Meter in 4:04,00 Minuten in die Top drei der Welt vorstieß, fragte die gebürtige Bonnerin nicht noch mal. "Das wäre inzwischen vielleicht ein bisschen komisch", fand Klosterhalfen. Schließlich ist sie heute selbst Weltklasse, schwärmt die internationale Fachpresse von ihr als dem "wohl größten nicht in Afrika geborenen Talent der Geschichte". "Sie hat in jedem Fall ein sehr großes Potenzial", sagt Heim- und Bundestrainer Sebastian Weiß.

In Birmingham, wo sie wohl über die 3000 Meter an den Start gehen wird, kann Klosterhalfen nun zeigen, ob ihr der Druck einer Medaillenkandidatin zu schaffen macht. Denn mit jedem Fabellauf, den sie hinlegt, wächst natürlich die Erwartungshaltung. Mit jedem Fabellauf müssen die Rekordbücher des DLV neu geschrieben werden. Vor ihrem Rekordlauf von Dortmund hatte sie bereits im Vorjahr die 17 Jahre alte Bestmarke im Freien über 3000 Meter auf 8:29,89 Minuten gesteigert. Wann die Rekorde über 1500 Meter (Halle: von 1985, Freiluft: von 1980) und 5000 Meter (von 1999) in ihren Zuständigkeitsbereich übergehen, ist nur eine Frage der Zeit.

Solch ein Leistungsvermögen wächst bei allem Talent auch in Leverkusen nicht auf den Bäumen, sondern ist das Ergebnis harter Arbeit. Rund 90 Trainingskilometer spult die Sportstudentin dem Vernehmen nach pro Woche ab, was aber kein Zwang ist, wenn man denen glaubt, die sie umgeben. "Koko", so heißt es, habe "immer Bock aufs Laufen". Aber die letzten Prozente, die über Sieg und Niederlage entscheiden können, holt sich Klosterhalfen vielleicht ja ganz woanders. "Ich mache unheimlich gerne Ballett, es ist eine gute Ergänzung zur Kräftigung", sagt sie. Kraft, wie sie ein Zugpferd braucht.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Klosterhalfen knackt deutschen Rekord nach über 30 Jahren

(klü)