„Jeder fühlt sich konkurrenzfähiger“ Nur Hartmann-Aus trübt deutsche Halbzeitbilanz in Budapest

Budapest · Annett Stein zog am Mittwoch eine positive Halbzeitbilanz für den deutschen Leichtathletik-Verband bei der WM in Budapest. Doch das Abschneiden eines Sportlers nervte die Chef-Bundestrainerin.

Leichtathletik-WM 2023 Budapest: Die Bilder des fünften Tages
58 Bilder

Die Bilder vom fünften Wettkampftag in Budapest

58 Bilder
Foto: AP/David J. Phillip

Bundestrainerin Annett Stein war sichtlich unzufrieden. „Joshua Hartmann hatte sich in dieser Saison den deutschen Rekord und eine Zeit unter 20 Sekunden vorgenommen“, sagte sie am Mittwoch. Dem habe man alles untergeordnet in der Vorbereitung auf die Leichtathletik-WM in Budapest. Dort wollte er ins Finale laufen, die magische 20-Sekunden-Marke knacken. Doch er schied bereits im Vorlauf aus – mit einer schwachen Zeit von 20,51 Sekunden. „Der besprochene Rennverlauf war, dass er zu 100 Prozent durchzieht – bis zur Ziellinie“, sagte Stein. Aber Hartmann entschied anders, nahm nach 100 Metern bereits etwas raus, bis er rund 30 Meter vor dem Ziel merkte, dass ein Läufer noch an ihm vorbeizog. Nur Platz vier in seinem Vorlauf und die schwache Zeit bedeuteten das frühe Aus. Er räumte aber ein, er habe sich zum Ende hin zu sicher gefühlt.

Ein Gefühl, dass man sich erst einmal leisten können muss. Noah Lyles etwa, 100-Meter-Weltmeister und Topfavorit auf der doppelten Distanz, kann das. Hartmann nicht, dafür ist das Niveau des 24-Jährigen noch nicht hoch genug. „Wir konnten ihn nicht zu 100 Prozent erreichen, er hat auch seinen eigenen Kopf“, sagte Stein über den deutschen Rekordhalter.

Leichtathletik-WM 2023​: Alle deutschen Medaillenhoffnungen
9 Bilder

Das sind die deutschen Medaillenhoffnungen in Budapest

9 Bilder
Foto: dpa/Sven Hoppe
Sprinter Joshua Hartmann scheitert schon im Vorlauf.

Sprinter Joshua Hartmann scheitert schon im Vorlauf.

Foto: dpa/Sven Hoppe

Dieses Aus trübt etwas die sonst anständige deutsche Bilanz zur Halbzeit. „Sieben Top-acht-Platzierungen, zehn Saisonbestleistungen, sechs persönliche Bestleistungen“, sagte Stein zufrieden und verwies auf eine Steigerung gegenüber Eugene im vergangenen Jahr. Allerdings habe man auch ein Team vor Ort, dass leistungsgerechter aufgestellt wurde, weil die Aktiven ihre Vorleistungen in dieser Saison vor der WM bestätigen mussten. „Jeder fühlt sich konkurrenzfähiger“, sagte Stein. Das habe die Stimmung verbessert. Widerspiegeln soll sich dies nun auch in Medaillen, wenn am Wochenende die Zehnkämpfer und Julian Weber eingreifen.