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Leichtathletik-WM 2022 Eugene: Zehnkämpfer Niklas Kaul ohne Medaille

Leichtathletik-WM 2022 : Zehnkämpfer Kaul bleibt ohne Medaille

Niklas Kaul hat im Zehnkampf eine Medaille klar verpasst. Derweil gab es insgesamt 58 positive Corona-Tests in Eugene. Wir haben die aktuellen Informationen zur Leichtathletik-WM für Sie zusammengefasst.

Die Aufholjagd von Titelverteidiger Niklas Kaul bei der Leichtathletik-WM in Eugene ist nicht wie erhofft noch auf einem Medaillenplatz im Zehnkampf zu Ende gegangen. Der 24 Jahre alte Mainzer musste sich am Sonntag (Ortszeit) mit dem sechsten Platz und 8434 Punkten zufrieden geben. Nach dem erstem Wettkampftag lag er noch auf dem 16. Rang.

Abgesehen von der persönlichen Bestleistung in 14,27 Sekunden über die 110 Meter Hürden gab es an Tag zwei keine Ausschläge nach oben. Vor allem in seiner Königsdisziplin Speerwurf blieb Kaul mit 69,74 Metern weit hinter der beim WM-Triumph 2019 in Doha aufgestellten Bestweite von 79,05 Metern zurück. Sie war ein Schlüssel zum Sensations-Coup in Katar.

Zum zweiten Mal nach 2017 gewann der Franzose Kevin Mayer mit 8816 Punkten den Weltmeistertitel. Der Weltrekordler musste vor drei Jahren wegen einer Verletzung nach dem ersten Tag den WM-Medaillenkampf beenden - und machte dem deutschen Rivalen Kaul den Weg frei zum Sieg. Silber holte sich diesmal der Kanadier Pierce Lepage mit 8701 Punkten vor dem US-Amerikaner Zachary Ziemek, der 8676 Zähler sammelte.

Einen starken WM-Einstand hatte Leo Neugebauer. Der 22-jährige Athlet von der LG Leinfelden-Echterdingen, der in Texas studiert, wurde mit 8182 Punkten Zehnter. Zwei Ränge dahinter folgte der ehemalige WM-Dritte Kai Kazmirek von der LG Rhein-Neuwied mit 8113 Punkten. Der Ulmer Tim Nowak war nach drei Fehlversuchen über die Anfangshöhe im Stabhochsprung ohne Chance.

58 positive Coronatests

Bei der Leichtathletik-WM gab es nach Angaben der Veranstalter vor den abschließenden acht Medaillenentscheidungen insgesamt 58 positive Coronatests. Zehn Athleten seien betroffen, drei davon hätten vor ihrem Wettkampf zurückziehen müssen, sagte Weltverbands-Sprecherin Jackie Brock-Doyle am Sonntag (Ortszeit) in Eugene. Aus dem deutschen Team musste Geher Christopher Linke seinen Start über 35 Kilometer absagen, weil er positiv auf das Virus getestet worden war. Bei den Titelkämpfen im US-Bundesstaat Oregon waren seit dem 15. Juli rund 1700 Sportlerinnen und Sportler aktiv.

Kaul erlebt Rückschlag

Titelverteidiger Niklas Kaul hat bei seiner Aufholjagd im WM-Zehnkampf von Eugene einen Rückschlag hinnehmen müssen. Im Diskuswurf kam der 24 Jahre alte Mainzer am Sonntagmittag nicht über 44,27 m hinaus und blieb fast drei Meter unter seiner Saisonbestleistung. Bei seinem Triumph 2019 hatte er seine Bestweite von 49,20 m erzielt.

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Nach sieben Disziplinen liegt Kaul mit 5846 Punkten auf Platz 14. In Doha hatte er vor drei Jahren zu diesem Zeitpunkt 66 Zähler mehr auf dem Konto.

Bester Deutscher ist weiter Leo Neugebauer (Leinfelden-Echterdingen), der starke Diskuswerfer überzeugte mit 51,88 m und rückte auf Platz sieben (6075) vor. Kai Kazmirek (LG Rhein-Wied), WM-Dritter von 2017, ist 18. (5769). Tim Nowak (Ulm) liegt auf Platz 19 (5557).

Nachdem Topfavorit und Olympiasieger Damian Warner (Kanada) am Vortag verletzt aufgegeben hatte, führt nun dessen Landsmann Pierce Lepage (6427) vor Ayden Owens-Delerme aus Puerto Rico (6309) und Zach Ziemek aus den USA (6221). Olympiasieger Kevin Mayer (Frankreich) ist Vierter (6216).

Kaul stark über die Hürden

Titelverteidiger Niklas Kaul ist stark in den zweiten Tag beim WM-Zehnkampf von Eugene gestartet und hat weiter Boden gutgemacht. Der 24 Jahre alte Mainzer erzielte am Sonntagmorgen über 110 m Hürden in 14,27 Sekunden eine persönliche Bestleistung. Mit 5087 Punkten rückte Kaul auf Platz 15 vor.

Damit liegt Kaul 29 Punkte über seinem Durchgangswert vom WM-Triumph 2019 in Doha. Traditionell ist sein zweiter Tag der deutlich stärkere.

Bester Deutscher ist weiter Leo Neugebauer (Leinfelden-Echterdingen), der US-Student fiel allerdings mit 14,86 Sekunden auf Platz elf (5165) zurück. Kai Kazmirek (LG Rhein-Wied), WM-Dritter Derweil von 2017, ist 16. (5085). Tim Nowak (Ulm) liegt auf Platz 20 (4849).

Nachdem Topfavorit und Olympiasieger Damian Warner (Kanada) am Vortag verletzt aufgegeben hatte, führt weiter Überraschungsmann Ayden Owens-Delerme aus Puerto Rico mit 5596 Punkten vor dem Kanadier Pierce Lepage (5488), der mit 13,78 die beste Hürdenzeit erzielte, und Zach Ziemek aus den USA (5384). Olympiasieger Kevin Mayer (Frankreich) ist Fünfter (5357).

Italienischer Geher holt Gold

Der Italiener Massimo Stano hat bei der WM-Premiere über 35 km Gehen in Eugene Gold gewonnen. Der 20-km-Olympiasieger von Tokio setzte sich am letzten Tag der Titelkämpfe in 2:23:14 Stunden vor dem Japaner Masatora Kawano (2:23:15) durch. Bronze ging wie schon im Wettbewerb über 20 km an den Schweden Perseus Karlström (2:23:44).

Die beiden deutschen Geher Karl Junghannß (Erfurt) und Carl Dohmann (Baden-Baden) waren frühzeitig weit zurückgefallen. Junghannß beendete den Wettkampf als 34. mit 15:36 Minuten Rückstand, Dohmann kam mit 22:30 Minuten Rückstand auf Platz 40.

Christopher Linke, zweimaliger Olympia-Fünfter über 20 km aus Potsdam, fehlte wegen einer Coronavirus-Infektion. Jonathan Hilbert, der bei Olympia in Tokio über die 50 km sensationell Silber gewonnen hatte, war zuletzt ebenfalls an COVID-19 erkrankt und verzichtete auf die WM, um sich ganz auf die anstehende Heim-EM in München zu konzentrieren.

Der Klassiker über 50 km Gehen wird nicht mehr ausgetragen, die Disziplin sei nicht mehr zeitgemäß, hieß es zur Begründung. Stattdessen wurden bei den Frauen und Männern in Eugene erstmals Rennen über 35 km ausgetragen.

Kessing vom deutschen Abschneiden enttäuscht

Der deutsche Leichtathletik-Verbandschef Jürgen Kessing hofft nach dem insgesamt bitteren Abschneiden bei den Weltmeisterschaften in Eugene, dass dies keine Auswirkung auf die EM vom 15. bis 21. August in München haben wird. „Das ist sehr enttäuschend für alle, die daran beteiligt sind“, sagte er im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur im US-Bundesstaat Oregon. „Nur wenn man gute Leistungen zeigt, macht man Appetit auf mehr.“ Dennoch setzt er auf die Leichtathletik-Fans an der Isar: „Ich glaube schon, dass es Rückenwind geben wird.“

Die deutschen Sprinterinnen hatten mit Bronze in der 4x100-Meter-Staffel erst am vorletzten Wettkampftag am Samstag (Ortszeit) für die erste deutsche Medaille gesorgt-

Für Kessing sind auch der Zeitunterschied von neun Stunden und der Ausfall der vier Medaillenkandidaten Johannes Vetter, Christin Hussong, Carolin Schäfer und Jonathan Hilbert Gründe für die Pleite. „Das ist schade, soll die Situation aber keinesfalls beschönigen“, betonte der 65 Jahre alte SPD-Politiker. Aktuell hätte man einfach nicht die Menge an Spitzenathleten, um Ausfälle von möglichen Medaillenkandidaten kompensieren zu können. „Es wird in Zukunft aber wieder besser, weil wir gute Talente haben“, prophezeite er.

Dass die deutsche Cheftrainerin Annett Stein in ihrer Zwischenbilanz die Serie der Misserfolge zu entschuldigen und beschönigen versuchte, hält er für falsch. „Man muss nicht drum herum reden und kann auch sagen: Es läuft nicht so, wie wir es uns gewünscht haben“, sagte Kessing, der für die Zukunft aber auch optimistisch ist. „Solche Wellenbewegungen“ seien in der deutschen Leichtathletik nichts Neues: „Bei der WM 2003 in Paris waren es lediglich vier Medaillen. Bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking haben wir nur eine Medaille gewonnen – und danach wurde es plötzlich wieder viel besser.“

+++23. Juli+++

Weitsprung-Olympiasiegerin Mihambo im Finale

Malaika Mihambo ist bei der Leichtathletik-WM ohne Mühe ins Weitsprung-Finale eingezogen und bekommt in der Nacht zum Montag (2.50 Uhr MESZ/ARD) die Chance zur Titelverteidigung. Die Olympiasiegerin, Welt- und Europameisterin übersprang die Mindestweite von 6,75 Metern am Samstag in Eugene im ersten Versuch und landete dabei nach 6,84 Metern. Das war der zweitweiteste Sprung aller Teilnehmerinnen. „Guter Wettkampf, mit den wärmeren Temperaturen wird es dann auch noch mal leichter“, sagte die 28-Jährige. „Ich bin gesund, fühle mich fit und freue mich auf morgen, auch darauf, dass wir dann mehr Sprünge haben und wir das ausreizen können und den Anlauf näher zum Brett ausrichten können.“

Mihambos Saisonbestleistung sind derzeit 7,09 Meter, damit ist sie Zweite in der Weltrangliste. „Ich hoffe, dass ich morgen noch bessere Sprünge zeigen kann als dieses Jahr. Ich versuche einen guten Wettkampf zu machen - und das ist mein Ziel. Alles andere ergibt sich von alleine“, sagte sie.

Brooke Buschkuehl aus Australien, die seit Anfang Juli mit 7,13 Metern die Weltjahresbestenliste anführt, kam in der Qualifikation im ersten Versuch auf 6,76 Meter. Den weitesten Satz hatte Quanesha Burks aus den USA mit 6,86 Metern. Merle Homeier als zweite deutsche Starterin kam dagegen nicht über 6,09 Meter hinaus und verpasste das Finale.

Mihambo ist die größte Medaillenhoffnung des Deutschen Leichtathletik-Verbands bei den bislang aus deutscher Sicht so enttäuschend verlaufenen ersten Weltmeisterschaften in den USA. „Für mich persönlich ist das kein Zusatzdruck. Ich mache mir darüber keine Gedanken, ich versuche einfach, positiv zu bleiben, einen guten Wettkampf zu machen und mich auf mich zu fokussieren und darauf, was ich richtig machen will“, sagte die gebürtige Heidelbergerin.

Zehnkampf-Titelverteidiger Kaul nur 20. nach Tag eins - Warner führt

Die Medaillenaussichten von Titelverteidiger Niklas Kaul sind nach den ersten drei Disziplinen des Zehnkampfes bei der Leichtathletik-WM in Eugene stark getrübt. Der 24 Jahre alte Mainzer liegt am Samstag mit 2407 Punkten auf dem 20. und vorletzten Platz der Zwischenwertung. 11,22 Sekunden über 100 Meter, 7,13 Meter im Weitsprung und 14,52 Meter im Kugelstoßen waren mittelmäßige Leistungen. Kaul gilt allerdings als Mann des zweiten Tages mit seiner besonderen Stärke im Speerwurf.

Den besten Start aus dem deutschen Quartett hatte unerwartet WM-Neuling Leo Neugebauer von der LG Leinfelden-Echterdingen. Mit 2611 Punkten ist der in Texas studierende Athlet Neunter nach 11,07 Sekunden im Sprint, 7,46 Metern im Weitsprung und 15,83 Metern im Kugelstoßen. Der frühere WM-Dritte Kai Kazmirek liegt mit 2497 Punkten auf dem 13. Rang und der Ulmer Tim Nowak mit 2367 Zählern auf dem 21. und letzten Platz.

Deutschland ist mit vier Teilnehmern am Start, weil Kaul als WM-Gewinner von 2019 eine Wildcard hat. Er hatte im katarischen Doha als jüngster Zehnkämpfer der Geschichte den Titel gewonnen.

Der kanadische Olympiasieger Damian Warner wurde bisher seiner Favoritenrolle gerecht und liegt mit 2846 Punkten an der Spitze des Klassements vor dem Amerikaner Zachery Ziemek (2756 Punkte). Weltrekordler Kevin Mayer (Frankreich) ist mit 2680 Zählern Fünfter.

Das bringt der letzte Wettkampftag bei der Leichtathletik-WM

Aus deutscher Sicht ruhen alle Augen auf Malaika Mihambo. Die Olympiasiegerin, Weltmeisterin und Europameisterin will bei der Leichtathletik-WM in Eugene in der deutschen Nacht zum Montag den ersten ihrer vielen Titel verteidigen.

35 Kilometer Gehen, Männer: Christopher Linke ist nicht dabei, wenn es am Sonntag (15.15 Uhr MESZ/sportschau.de) erstmals bei einer WM Medaillen über diese Distanz gibt. Über 20 Kilometer war er ausgestiegen, um sich zu schonen – und kann nun wegen eines positiven Corona-Tests nicht antreten.

Zehnkampf: Niklas Kaul ist als Titelverteidiger angereist. Der jüngste Weltmeister der Geschichte hat am zweiten Tag noch fünf Disziplinen vor sich. Deutsche WM-Mitstreiter sind der ehemalige WM-Dritte Kai Kazmirek, der WM-Zehnte von 2019, Tim Nowak, und WM-Neuling Leo Neugebauer.

Stabhochsprung, Männer: 5,75 Meter waren erforderlich für den Finaleinzug – der WM-Vierte Bo Kanda Lita Baehre und Oleg Zernikel als Bester seiner Gruppe übersprangen diese Höhe beide. Torben Blech dagegen blieb schon an der Einstiegshöhe von 5,30 Metern hängen. Wenn es um die Medaillen geht, ist Olympiasieger und Europameister Armand Duplantis aus Schweden in der Nacht zum Montag (2.25 Uhr MESZ/ARD) haushoher Favorit. Der Weltrekordler wurde in diesem Jahr schon Weltmeister in der Halle. Der amerikanische Titelverteidiger Sam Kendricks ist wegen einer Verletzung bei der WM nicht dabei.

Weitsprung, Frauen: Olympiasiegerin, Weltmeisterin und Europameisterin ist Malaika Mihambo und hat damit alle großen Titel in ihrer Karriere gewonnen. In Eugene würde sie in der Nacht zum Montag gern erneut Gold bei Welt-Titelkämpfen holen (2.50 Uhr MESZ/ARD).

5000 Meter, Männer: Einziger Deutscher im Finale in der Nacht zum Montag (3.05 Uhr MESZ/ARD) ist Sam Parsons, der in 13:24,50 Minuten die Qualifikation schaffte. Der deutsche Meister Mohamed Mohumed aus Dortmund und der Düsseldorfer Maximilian Thorwirth sind dagegen nicht mehr dabei, wenn die Medaillen vergeben werden. Jacob Krop aus Kenia war im Vorlauf am schnellsten, auch der Norweger Jakob Ingebrigtsen, der über 1500 Meter Silber gewonnen hat, zählt zu den Favoriten.

800 Meter, Frauen: Ohne deutsche Beteiligung findet in der Nacht zum Montag (3.35 Uhr MESZ/ARD) der Endlauf statt. Weder Majtie Kolberg noch Christina Hering waren schnell genug für die Teilnahme am Finale. Olympiasiegerin Athing Mu aus den USA lies als schnellste Läuferin der Halbfinals mit 1:58,12 Minuten keinen Zweifel an ihrer Favoritenrolle.

4x400 Meter, Männer und Frauen: Mit den Endläufen in der Nacht zum Montag (Männer: 4.35 Uhr MESZ/Frauen: 4.50 Uhr MESZ/jeweils ARD) werden die Wettbewerbe der ersten Leichtathletik-WM in den USA abgeschlossen.

+++22. Juli+++

Das bringt das Wochenende bei der Leichtathletik-WM

Am abschließenden Wochenende der Leichtathletik-WM in Eugene greifen auch die deutschen Titelverteidiger Malaika Mihambo und Niklas Kaul in die Wettbewerbe ein. Drei Jahre nach seinem überraschenden Zehnkampf-Gold in Doha startet Kaul an diesem Samstag (18.50 Uhr MESZ/sportschau.de) im US-Bundesstaat Oregon mit den 100 Metern in den Wettbewerb. Gut zwei Stunden später (21.00 Uhr MESZ/sportschau.de) tritt Mihambo im Weitsprung in der Qualifikation an. Die Olympiasiegerin zählt erneut zu den Favoritinnen, während Kaul auch wegen gesundheitlicher Probleme bisher in diesem Jahr noch nicht an seine besten Leistungen anknüpfen könnte.

Zuvor gibt es in der Nacht zum Samstag vier weitere Entscheidungen. Die deutsche Speerwerferin Annika Marie Fuchs zählt dabei nicht zu den Medaillenanwärterinnen (3.20 Uhr MESZ/ARD). Ohne deutsche Beteiligung finden die beiden Endläufe über 400 Meter sowie das Finale über die 400 Meter Hürden der Frauen statt. Die deutschen Sprintstaffeln wollen sich ebenso für die Finals qualifizieren wie die deutschen Stabhochspringer um Meister Bo Kanda Lita Baehre.

„Wir verlieren den Anschluss an Weltspitze“

Die zweimalige Weitsprung-Olympiasiegerin Heike Drechsler befürchtet einen Niedergang der deutschen Leichtathletik. Nach dem bisherigen Debakel bei den Weltmeisterschaften in Eugene, wo es bislang noch keine deutsche Medaille gab, sieht die 57-Jährige Handlungsbedarf. „Es gab viel Krankheiten und Verletzungen bei den Topathleten im Vorfeld. Die, die hier starten, geben sicher ihr Bestes. Doch wir verlieren den Anschluss an die Weltspitze. Die deutsche Leichtathletik muss aufpassen, nicht unterzugehen“, sagte Drechsler in einem Interview der „Thüringer Allgemeinen“ (Freitag).

Die in Berlin lebende Drechsler fordert ein Umdenken im Deutschen Leichtathletik-Verband: „Wir müssen neu nachdenken. Warum ist die Schweiz plötzlich so gut im Sprint oder im Weitsprung der Männer, wo ein Zehnkämpfer Bronze holte. Der Verband muss professionelle Strukturen schaffen, Trainer besser bezahlen. Ein Spitzensportler muss abgesichert sein, auch wenn er studiert.“ Man könne auch die Ehemaligen nutzen, „doch auf ihre Erfahrung legt derzeit keiner im Verband großen Wert“, kritisierte die gebürtige Thüringerin.

Die mit 18 Jahren bis heute jüngste Weltmeisterin im Weitsprung hofft zumindest auf einen Titel von Weitspringerin Malaika Mihambo. Dann wolle sie sogar „nachts aufstehen. Entscheidend für Malaika wird ihr Anlauf sein. Trifft sie das Brett, sind bei ihr sieben Meter immer drin. Damit kann sie gewinnen“, sagte Drechsler. Die Qualifikation im US-Bundesstaat Oregon findet am Samstag (21.00 Uhr MESZ/sportschau.de) statt, das Finale in der Nacht zum Montag (2.50 Uhr MESZ/ARD).

Prokop nachdenklich

Den früheren Leichtathletik-Verbandschef Clemens Prokop stimmt es nachdenklich, dass die deutschen Starter bei der WM in Eugene an den ersten sieben von insgesamt zehn Wettkampftagen nur einen Top-Acht-Platz erreicht haben. „Medaillen zu gewinnen ist manchmal Glück. Das sehe ich nicht so dramatisch“, sagte der Ehrenpräsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes der Deutschen Presse-Agentur. „Nachdenkenswert ist, dass wir so gut wie keine Endkampfplatzierungen haben.“ Dies sei stets ein strategisches DLV-Ziel für eine WM gewesen.

Angesichts der zahlreichen Absagen von Medaillenkandidaten wie die Speerwerfer Johannes Vetter und Christin Hussong wegen Verletzungen oder Erkrankungen, sei aber auch nicht zu viel erwarten gewesen. „Wir wussten deshalb, dass es nicht die beste WM aller Zeiten werden würde“, sagte Prokop, der von 2001 bis 2017 DLV-Präsident war.

„Richtig ist trotzdem, dass wir in Disziplinen wie Kugelstoßen den Anschluss an die absolute Weltspitze verloren haben und in anderen Disziplinen mit Leistungsträgern wegen Erkrankungen sparsam aufgestellt sind“, meinte er. „Dann klafft eine Lücke.“

Der Kritik an der Größe des deutschen WM-Aufgebots mit 80 nominierten Athleten zum Verhältnis der bisher erbrachten Leistungen will er sich nicht anschließen. „Ganz nüchtern muss man sagen, dass es ein Zeichen von Stärke ist, dass 80 Athleten die Qualifikation geschafft haben“, sagte Prokop. „Diese Normen sind ja nicht so niedrig.“ Aber in der Tat sei der Anspruch des DLV immer gewesen, zu den Besten zu zählen: „Klar ist, dass nicht die Anzahl der Starter über den Erfolg entscheidet, sondern die Endkampfplatzierungen.“

Dennoch sorgt sich Prokop nicht um die Zukunft der deutschen Leichtathletik, der bescheinigt worden sei, eine exzellente Leistungsförderungsstruktur aufzuweisen. „Da ist sie auf Platz eins auf der Rangliste der Sportarten in Deutschland. Das ist ein Zeichen, dass gute Arbeit geleistet wird“, sagte er. Es habe schon immer Schwankungen des Leistungsniveaus gegeben: „Wir haben es in der Vergangenheit immer geschafft, diese Schwankungen aufzufangen.“

US-Zehnkämpfer Scantling gesperrt

Der US-amerikanische Zehnkampfstar Garrett Scantling ist wegen eines Verstoßes gegen die Anti-Doping-Richtlinien suspendiert und von der WM in Eugene ausgeschlossen worden. Dies gab die nationale Anti-Doping-Agentur USADA am Donnerstag bekannt, ohne Details zum Fall zu nennen.

Der 29 Jahre alte Scantling, Vierter bei Olympia 2021 in Tokio, wäre mit einer Saisonleistung von 8867 Punkten als Jahresweltbester als einer der Topfavoriten am Samstag und Sonntag in Eugene ins Rennen gegangen.

Das steht in der Nacht an

Julian Weber gehört zu den deutschen Leichtathleten, die bei der WM für eine Medaille sorgen könnten. Für andere sind die Ziele nicht ganz so hoch. Im Sprint über 200 Meter fehlt in der Nacht zum Freitag der 100-Meter-Weltmeister im Finale, aber die Gastgeber aus den USA stellen in Eugene dennoch den Favoriten.

Speerwurf, Männer: Julian Weber ist einer der wenigen Medaillenkandidaten im deutschen Verband. Bei den Tokio-Spielen wurde der Mainzer im vorigen Sommer Vierter, in diesem Jahr kam er mit 89,54 Metern dicht an die 90-Meter-Marke heran. Außer ihm ist auch Andreas Hofmann in der Qualifikation am Start (2.05 Uhr MESZ/ZDF).

5000 Meter, Männer: In der europäischen Bestenliste liegt Mohamed Mohumed mit 13:03,18 Minuten an zweiter Stelle, in Deutschland war nur Olympiasieger Dieter Baumann schneller - der hält seit 25 Jahren den deutschen Rekord mit 12:54,70 Minuten. Die 13-Minuten-Marke ist das nächste Ziel des jungen Dortmunders Mohumed, der bei der WM einen Platz unter den besten Acht als Ziel ausgegeben hat. In den Vorläufen (3.10 Uhr MESZ/ZDF) für Deutschland am Start sind auch Sam Parsons und Maximilian Thorwirth.

Dreisprung, Männer: 2016 wurde Max Heß in Amsterdam mit 17,20 Metern Europameister, von dieser Weite ist er in diesem Jahr noch ein gutes Stück entfernt. 16,65 Meter aus dem Juni stehen bislang in den Ergebnislisten, in der Qualifikation (3.20 Uhr MESZ/ZDF) braucht es für den Einzug ins Finale sicher mehr.

200 Meter, Frauen: Über 100 Meter holte Shericka Jackson aus Jamaika Silber, auf der doppelt so langen Strecke ist sie nach den Leistungen im Halbfinale die klare Favoritin (4.35 Uhr MESZ/ZDF). Olympiasiegerin Elaine Thompson-Herah kam nicht in ihre Nähe. Auch 100-Meter-Weltmeisterin Shelly-Ann Fraser-Pryce war deutlich langsamer. Beide kommen ebenfalls aus Jamaika.

200 Meter, Männer: Noah Lyles sieht wie der klare Favorit auf den WM-Titel aus. Vorlauf und Halbfinals dominierte der Amerikaner, von 100-Meter-Weltmeister Fred Kerley muss er keine Konkurrenz fürchten. Der hatte nach eigenen Angaben einen Krampf und verpasste die Qualifikation für das Finale (4.50 Uhr MESZ/ZDF).

Mihambo so schnell wie beim WM-Sieg von 2019

Jetzt geht das Jahr der Titelverteidigungen für Olympiasiegerin Malaika Mihambo richtig los. Als Weitsprung-Weltmeisterin kann die 28-Jährige bei der Leichtathletik-WM in Eugene als erste Europäerin zweimal nacheinander Gold holen. Im US-Bundesstaat Oregon ist sie zunächst in der Qualifikation an diesem Samstag (21.00 Uhr MESZ/sportschau.de) gefordert. Etwas mehr als drei Wochen später geht die Sportlerin von der LG Kurpfalz dann bei der Heim-EM in München wieder als Nummer 1 der vergangenen Auflage an den Start.

„Ich habe in meinem Sportlerleben alles erreicht, was man sich wünschen kann. Dafür bin ich sehr dankbar. Ich merke, dass ich in mir nicht mehr diesen Titelhunger habe oder das Gefühl, irgendjemandem anderen oder mir selbst etwas beweisen zu müssen“, sagte Mihambo der Deutschen Presse-Agentur. „Deshalb kann ich jetzt ganz locker und entspannt an den Start gehen. Ich hoffe, dass ich diese Lockerheit dafür nutzen kann, noch besser und noch weiter zu springen.“

Mit 7,09 Metern sprang Mihambo in diesem Jahr schon weiter als bei ihrem Sieg beim olympischen Nervenkitzel von Tokio. Kurz vor der WM in Oregon wurde sie an der Spitze der Weltjahresbestenliste von der Australierin Brooke Buschkuehl abgelöst, die bei 7,13 Metern landete. Auf dem Weg zu WM und EM war Mihambo bei den deutschen Meisterschaften Ende Juni in Berlin zum sechsten Mal Champion geworden und hatte das Projekt Titel-Triple erfolgreich gestartet.

Im Gegensatz zum Olympia-Jahr passt bei Mihambo der Anlauf wieder. „Der Anlauf ist wesentlich stabiler. Ich fühle mich sicherer, ich bin schneller, die Sprinttechnik ist wieder besser“, sagte sie. „Von daher sieht es auf jeden Fall besser aus als letztes Jahr.“ Die Geschwindigkeiten sind ähnlich hoch wie 2019 - und damals wurde sie in Doha mit starken 7,30 Metern Weltmeisterin.

Der nach den großen Erfolgen von ihr als geringer empfundene Druck sorgte dafür, „dass die Ausgangslage jetzt noch besser ist als in den Jahren davor“, wie Mihambo in einem Sportschau-Interview erklärte. „Es ist natürlich schön, seinen Titel verteidigen zu können. Aber um den Titel zu erreichen, muss ich erst einmal mein Bestes geben. Darauf konzentriere ich mich auch, weil ich dann immer selbst aktiv bleibe und die Fäden in der Hand behalte.“

Für den Deutschen Leichtathletik-Verband soll Mihambo zum WM-Abschluss für großen Glanz sorgen, was nach dem bisherigen Debakel der DLV-Starter umso wichtiger wäre. Abgesehen von einem erhofften erneuten Gold-Coup von ihr im Finale in der Nacht zum Montag (2.50 Uhr MESZ/ARD) ist sie längst das deutsche Gesicht der Leichtathletik. „Malaika ist eine absolute Weltklasseathletin“, sagte der DLV-Vorstandsvorsitzende Idriss Gonschinska. „Als mehrfache „Sportlerin des Jahres“ ist sie das Aushängeschild der deutschen Leichtathletik und tut der Leichtathletik sehr gut.“

Schwarzer WM-Tag für Krause und Klosterhalfen

Bittere Ratlosigkeit bei Konstanze Klosterhalfen, Tränen über Tränen bei Gesa Felicitas Krause, Frust pur bei Diskus-Ass Kristin Pudenz: Die deutsche Leichtathletik-Auswahl hat trotz eines Star-Aufgebots zu Beginn der zweiten WM-Halbzeit in Eugene den nächsten ernüchternden Tag erlebt. Das DLV-Team wartet weiter auf die erste Medaille - selbst das historische Minus-Ergebnis von Paris 2003 (viermal Edelmetall) ist kaum noch erreichbar.

„Ich hätte gerne gezeigt, dass ich wieder zurück bin“, sagte die deutsche Top-Läuferin Klosterhalfen, die völlig erschöpft das Ziel erreichte, nach ihrem klaren Vorlauf-Aus über 5000 m: „Wir müssen jetzt herausfinden, woran es lag. Im Moment kann ich es mir nicht erklären.“

In einem brutalen Hitzerennen hatte die 25 Jahre alte Leverkusenerin deutlich hinter den Besten des ersten Vorlaufs in 15:17,78 Minuten Platz acht belegt - zum Finale fehlten der WM-Dritten von 2019 rund 17 Sekunden. Auch Alina Reh als Zehnte und Sara Benfares, die einen Hitzekollaps erlitt, als 18. des zweiten Vorlaufs verpassten das Finale am Samstag.

„Ich wusste nicht, wo ich stehe“, sagte Klosterhalfen, die in der WM-Vorbereitung mit einer Corona-Infektion zu kämpfen hatte und im Training zwei Wochen lang kaum etwas machen konnte: „Aber so wie im Rennen habe ich mich noch nicht oft gefühlt.“

Europameisterin Krause kam im Hindernis-Finale abgeschlagen als Letzte ins Ziel. Nach einem von Verletzungen und Krankheiten geprägten Jahr war die Endlauf-Teilnahme für die zweimalige WM-Dritte schon ein Erfolg. Dass Krause dann aber schon in der zweiten Runde hoffnungslos zurückfiel und in 9:52,66 fast eine Minute hinter Weltmeisterin Norah Jeruto (Kasachstan/8:53,02) lag, nahm die 29-Jährige doch mit.

„Es war ein wirklich schlechter Lauf, eine Qual“, sagte Krause: „Ich war von Anfang an müde und kraftlos.“ Immerhin zeigte sie großen Sportgeist und lief das Rennen zu Ende. „Das ist dann auch mein Anspruch“, sagte Krause, die sich auch mit Blick auf die Heim-EM in München im August Mut machte: „Ich weiß, dass es wieder besser wird.“

Die größten Chancen auf die erste Medaille besaßen die deutschen Diskuswerferinnen um die Olympiazweite Pudenz: Gleich zu dritt waren sie ins Finale eingezogen. Dort aber überstand die in dieser Saison so verlässliche Pudenz als Elfte wie auch Shanice Craft (Neunte) nicht einmal den „Cut“ mit Platz acht nach drei Durchgängen.

„Ich habe mich gut eingeworfen. Ich weiß nicht, was danach passiert ist“, sagte die 29 Jahre alte Pudenz, die mit 59,97 meilenweit unter den angestrebten 66 Metern blieb: „Es ist gerade ein bisschen schwierig, ich bin schon sehr enttäuscht.“

Für einen Lichtblick sorgte immerhin Claudine Vita, die als Fünfte die Erwartungen erfüllte und für das bislang beste deutsche Eugene-Ergebnis sorgte. „Ich wollte endlich mal eine Top-8-Platzierung schaffen. Da ist einige Last abgefallen“, sagte die frühere U23-Europameisterin.

Zu Bronze fehlten Vita in einem Finale auf überragenden Niveau aber mehr als vier Meter. Die 68,30 m der drittplatzierten Olympiasiegerin Valarie Allman wären wohl für keine der drei deutschen Werferinnen möglich gewesen - das aber war für Pudenz nur ein schwacher Trost.

Das bringt der sechste Wettkampftag

Im Diskuswurf ruhen bei der Leichtathletik-WM große Hoffnungen des deutschen Verbandes auf dem Trio um die Olympia-Zweite Kristin Pudenz. Am sechsten Wettkampftag hat zuvor auf der Tartanbahn Konstanze Klosterhalfen ihren ersten Auftritt in Eugene.

Speerwurf, Frauen: Nach der WM-Absage von Europameisterin Christin Hussong ist Annika Marie Fuchs die einzige deutsche Starterin (0.20 Uhr MESZ). Die 25-Jährige vom SC Potsdam warf zuletzt 61,06 Meter und müsste diese Weite für den Einzug ins Finale wohl deutlich übertreffen.

5000 Meter, Frauen: Auf die 10.000 Meter verzichtete Konstanze Klosterhalfen, über die 5000 Meter will sie nun ihre Qualitäten zeigen. Wie fit sie nach ihrer Corona-Infektion allerdings schon wieder ist, ist offen. Neben der in Oregon trainierenden Sportlerin vom TSV Bayer 04 Leverkusen, für die die WM in Eugene eine Art Heimspiel ist, sind in der Nacht zu Donnerstag (1.25 Uhr MESZ) bei den Vorläufen auch Sara Benfarès und Alina Reh am Start.

Diskus, Frauen: Der Einzug ins Finale war souverän, nun zählt es für das deutsche Trio. Kristin Pudenz hat als Olympia-Zweite den höchsten Erwartungsdruck, von den Deutschen hatte Claudine Vita die beste Weite in der Qualifikation. Auch Shanice Craft ist dabei, wenn es um die Medaillen geht (3.30 Uhr MESZ/ARD).

3000 Meter Hindernis, Frauen: Nach schwieriger Saison sind die Medaillen für Gesa Krause im Finale (4.45 Uhr MESZ/ARD) so gut wie außer Reichweite. Als willkommenes Wettkampftraining vor der EM in München will sie aber in Eugene noch einmal alles geben und auch Vorbild sein für jüngere Sportlerinnen und Sportler.

Weißenberg gibt auf

Für Siebenkämpferin Sophie Weißenberg (Leverkusen) sind alle Hoffnungen auf einen Spitzenplatzierung bei ihrem WM-Debüt jäh geplatzt. In Eugene blieb die 24-Jährige zum Auftakt des zweiten Wettkampftages im Weitsprung ohne gültigen Versuch.

Die sichtlich enttäuschte Weißenberg beendete danach den Siebenkampf, tritt zum Speerwerfen und dem abschließenden 800-m-Lauf nicht mehr an. Wie der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) mitteilte, soll sie im Hinblick auf einen EM-Start in München (15. bis 21. August) Kräfte sparen und regenerieren.

Nach vier Disziplinen hatte Weißenberg auf Platz neun gelegen und eine Top-Acht-Platzierung im Blick. Sie war die einzige deutsche Mehrkämpferin im überschaubaren WM-Feld.

Die Belgierin Nafissatou Thiam, Olympiasiegerin 2016 und 2021, führt nach fünf Disziplinen mit 5107 Punkten vor der Niederländerin Anouk Vetter (5024).

Gebreslase gewint Marathon-Gold

Gotytom Gebreslase aus Äthiopien hat bei der Leichtathletik-WM in Eugene Gold im Marathon gewonnen und einen Tag nach dem Sieg ihres Landsmannes Tamirat Tola den Doppelschlag der ostafrikanischen Laufnation perfekt gemacht. Die 27-Jährige setzte sich am frühen Montagmorgen (Ortszeit) nach 42,195 km mit dem Meisterschaftsrekord von 2:18:11 Stunden vor Judith Jeptum Korir (Kenia/2:18:20) durch.

Es war Äthiopiens zweiter WM-Erfolg bei den Frauen über die klassische Distanz nach Mare Dibaba 2015 in Peking. Bronze ging auf dem Rundkurs an Lonah Salpeter (Israel/2:20:18).

Gebreslase, die bei ihrem Marathon-Debüt 2021 in Berlin gesiegt hatte, setzte sich rund anderthalb Kilometer vor dem Ziel von Korir ab. Sie blieb deutlich unter der bisherigen WM-Bestmarke der Britin Paula Radcliffe aus dem Jahr 2005 (2:20:57). Titelverteidigerin Ruth Chepngetich (Kenia) war noch vor der Halbmarathon-Marke mit Magenproblemen ausgestiegen.

Nur einmal hatten zuvor Athleten aus derselben Nation sowohl bei den Männern als auch den Frauen gewonnen. Die Kenianer Luke Kibet und Catherine Ndereba schafften dies in Osaka 2007.

Eine deutsche Läuferin war ebenso wie die kenianische Olympiasiegerin Peres Jepchirchir (Hüftverletzung) nicht am Start.

Das bringt der Tag in Eugene

Vier Medaillenentscheidungen gibt es in der Nacht zum Mittwoch bei der Leichtathletik-WM, in keiner davon sind Sportler oder Sportlerinnen aus Deutschland vertreten. Auch die amerikanischen Gastgeber zählen an Tag fünf nicht zu den Favoriten in Eugene. Erwarteter Höhepunkt ist zum Abschluss das 400-Meter-Hürden-Rennen mit dem zuletzt angeschlagenen Weltrekordler Karsten Warholm.

400 Meter Hürden, Frauen: 2019 bei der WM in Doha kam Carolina Krafzik ins Halbfinale. Will die 27-Jährige vom VfL Sindelfingen das auch im US-Bundesstaat Oregon schaffen, muss sie ihren Vorlauf überstehen (ab 2.15 Uhr MESZ/ZDF).

Hochsprung, Frauen: Die Ukrainerin Jaroslawa Mahutschich geht als Favoritin in den Wettkampf (2.40 Uhr MESZ/ZDF) - auch weil die dreimalige Weltmeisterin Marija Lassizkene aus Russland nicht am Start sein darf. Alle Russen und Belarussen sind wegen des Krieges in der Ukraine nicht teilnahmeberechtigt. Mahutschich holte bei der WM 2019 in Doha schon Bronze und wurde im März Hallen-Weltmeisterin. Die Australierin Eleanor Patterson hat als einzige Finalteilnehmerin neben Mahutschich in diesem Jahr bereits die 2,00 Meter übersprungen und wurde damit Zweite der Hallen-WM hinter der Ukrainerin.

Diskus, Männer: Die deutschen Diskuswerfer haben das Finale allesamt deutlich verpasst, die Zeiten mit Medaillenchancen für den DLV in dieser Disziplin sind vorerst vorbei. Olympiasieger Daniel Stahl aus Schweden geht als Führender der Weltjahresbestenliste an den Start (3.33 Uhr MESZ/ZDF), sein Landsmann Simon Pettersson, der in Tokio Silber holte, ist ebenfalls dabei. Als Führender der Weltrangliste und außer Stahl einziger Finalteilnehmer mit einem Wurf über mehr als 71 Meter in diesem Jahr ist auch der junge Slowene Kristjan Ceh ein Kandidat für die Medaillen. Bester der Qualifikation war indes Mykolas Alekna aus Litauen mit 68,91 Metern.

1500 Meter, Männer: Der Kenianer Abel Kipsang hatte die beste Zeit beider Halbfinals, Favorit auf die Goldmedaille ist aber wohl der Norweger Jakob Ingebrigtsen, der als einziger Läufer in diesem Jahr schon unter 3:31,00 Minuten blieb. Er war im langsameren der beiden Halbfinals unterwegs, qualifizierte sich aber souverän für den Endlauf (4.30 Uhr MESZ/ZDF).

400 Meter Hürden, Männer: Alle Blicke werden auf Karsten Warholm gerichtet sein (4.50 Uhr MESZ/ZDF). Die 48,00 Sekunden im Halbfinale am Sonntag waren die persönliche Bestleistung des Norwegers in dieser Saison, die mit einer Verletzung im ersten Wettkampf noch mit einem Schrecken begonnen hatte. Der Weltrekordhalter und Olympiasieger scheint in der Lage, die Konkurrenten um den Brasilianer Alison Dos Santos oder Wilfried Happio aus Frankreich hinter sich zu lassen und Gold zu holen. Seinen Fabelweltrekord aus dem Vorjahr in Tokio, als er die Stadionrunde mit Hindernissen in nur 45,94 Sekunden absolvierte, wird er aber wohl nicht verbessern.

Andersen gewinnt Gold im Hammerwurf

Brooke Andersen hat bei der Leichtathletik-WM in Eugene Gold im Hammerwurf gewonnen und damit Gastgeber USA das nächste Gold beschert. Die 26-Jahre alte Olympiazehnte von Tokio setzte sich am Sonntagmittag (Ortszeit) mit 78,96 m vor der Kanadierin Camryn Rogers (75,52) durch.

Bronze ging durch Janee Kassanavoid (74,86) ebenfalls an die USA, die am Auftakttag bereits durch 100-m-Sprinter Fred Kerley und Kugelstoßerin Chase Ealey Titel gewonnen hatten. Die deutsche Meisterin Samantha Borutta (Frankfurt) war in der Qualifikation ausgeschieden.

DeAnna Price (USA), Weltmeisterin 2019 in Doha, hatte ihren Start bei der Heim-WM wegen Trainingsrückstandes abgesagt. Auch die erfolgreichste Hammerwerferin der Geschichte fehlte: Weltrekordlerin Anita Wlodarczyk aus Polen, die 2015 und 2017 siegte, hatte sich bei der Verfolgung eines Autodiebes eine Verletzung zugezogen.

Äthiopischer Doppelsieg im Marathon – Tola holt Gold

Der Äthiopier Tamirat Tola hat bei der Leichtathletik-WM in Eugene Gold im Marathon gewonnen. Der Vizeweltmeister von London 2017 setzte sich am frühen Sonntagmorgen nach 42,195 km mit dem Meisterschafts-Rekord von 2:05:36 Stunden durch. Die bisherige Bestmarke hatte der Kenianer Abel Kirui 2009 in Berlin (2:06:54) erzielt.

„Ich habe aus meinem Fehler 2017 gelernt und habe alles sichergestellt, dass mir das nicht mehr passiert“, sagte Tola. Vor fünf Jahren hatte er im Kampf um Gold zu forsch attackiert und hatte mit Mühe noch Silber retten können.

Als Zweiter machte Mosinet Geremew (2:06:44) bei perfekten Bedingungen (14 Grad, leichter Wind) auf dem Rundkurs einen äthiopischen Doppelsieg perfekt und holte wie 2019 in Doha Silber. Bronze ging an den Olympiadritten Bashir Abdi aus Belgien (2:06:48).

Titelverteidiger Lelisa Desisa (Äthiopien) gab kurz vor der 30-km-Marke auf. Der Kenianer Geoffrey Kamworor kam als bester Läufer der großen Marathon-Nation auf Platz fünf (2:07:14).

Tom Gröschel (Rostock) hatte schon recht früh den Anschluss verloren und kam am Ende in 2:14:57 Stunden auf Platz 43. Der deutsche Rekordhalter Amanal Petros (Wattenscheid) war nicht am Start und konzentriert sich stattdessen ganz auf die Heim-EM in München (15. bis 21. August).

Für Kenia waren in Eugene nur zwei Läufer am Start: Lawrence Cherono, Olympiavierter beim Rennen in Sapporo, wurde erst am Samstag wegen eines Dopingvergehens suspendiert. Bei dem 33-Jährigen war in einer Trainingskontrolle am 23. Mai eine verbotenen Substanz nachgewiesen worden.

Sieben Corona-Fälle in Japans Marathon-Team

Auch die Leichtathletik-Weltmeisterschaften im amerikanischen Eugene bleiben von Corona-Fällen nicht verschont. In der japanischen Delegation sind zwei Marathonläufer, vier Betreuer und der Cheftrainer positiv getestet worden, teilten der Weltverband, das WM-Organisationskomitee und der japanische Verband am Samstag (Ortszeit) in einer gemeinsamen Erklärung mit. Namen wurden nicht genannt.

Gemäß der Corona-Richtlinien bei der WM sind die positiv getesteten Athleten bereits isoliert worden und müssen für fünf Tage in Isolation bleiben, hieß es weiter. Der Marathon der Männer wird an diesem Sonntag (15.15 Uhr/MESZ) ausgetragen. Die Frauen laufen am Montag (15.15 Uhr/MESZ) um die Medaillen.

Gold, Silber und Bronze über 100 Meter an USA

Topfavorit Fred Kerley hat bei der Leichtathletik-WM den Sprint über 100 Meter gewonnen. Der US-Amerikaner siegte am Samstag (Ortszeit) in Eugene in 9,86 Sekunden vor seinen beiden Landsmännern Marvin Bracy und Trayvon Bromell, die jeweils mit 9,88 Sekunden gestoppt wurden. Bracy bekam Silber, Bromell Bronze.

„Wir haben gesagt, wir machen das, und wir haben es getan. USA, Baby“, sagte Kerley in einer ersten Reaktion über das Stadionmikrofon. Es war das dritte Mal, dass die USA über die 100 Meter Gold, Silber und Bronze holten und das erste Mal seit 1991, als Carl Lewis, Leroy Burrell und Dennis Mitchell das in Tokio gelungen war.

Lückenkemper sprintet ins Halbfinale - Asher-Smith Vorlauf-Schnellste

Sprinterin Gina Lückenkemper ist bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Eugene/Oregon ins Halbfinale über 100 m eingezogen. Die 25 Jahre alte Westfälin, die für Berlin startet und in den USA trainiert, lief am Samstagabend in der ersten Runde nach einem schwachen Start noch gute 11,09 Sekunden.

Siegerin in Lückenkempers Rennen wurde die Jamaikanerin Shelly-Ann Fraser-Pryce (10,87), die zuletzt dreimal in Folge Weltmeisterin geworden war. Einen Lauf später setzte sich Olympiasiegerin Elaine Thompson-Herah, ebenfalls Jamaika durch, die in 11,15 Sekunden aber nicht den starken Eindruck ihres Landsfrau hinterließ. Vorlaufschnellste war die britische Europameisterin Dina Asher-Smith (10,84). Alexandra Burghardt (Burghausen/11,29) schied als Sechste ihres Laufes aus.

Das Halbfinale und das Finale finden am Sonntagabend statt. Die letzte deutsche Medaille im Frauensprint hatte Katrin Krabbe als Weltmeisterin 1991 in Tokio geholt. Zuletzt stand Melanie Paschke 1997 in einem 100-m-WM-Finale, damals wurde die Wattenscheiderin Sechste.

Lückenkemper war 2017 bei der WM in London als erste Deutsche seit Krabbe unter 11 Sekunden gesprintet (10,95), im Halbfinale aber ausgeschieden. Erst bei der DM in Berlin blieb die Vize-Europameisterin wieder unter der Marke. Eine Final-Teilnahme für Lückenkemper, die seitdem mit langwieriger Leistungsschwäche zu kämpfe hatte, wäre in Eugene eine Überraschung.

+++ 16. Juli 2022 +++

Krause ganz knapp im Hindernis-Finale - Meyer stürzt

Die zweimalige Hindernis-Europameisterin Gesa Krause hat mit viel Glück das Finale bei der Leichtathletik-WM in Eugene erreicht. Die 29 Jahre alte WM-Dritte von 2019 qualifizierte sich am Samstag mit einer Zeit von 9:21,02 Minuten. Damit erreichte sie den 15. und letzten Startplatz für den Medaillenkampf in der Nacht zum Donnerstag (04.45 Uhr/MESZ). Zur nächstplatzierten Läuferin hatte sie nur einen Vorsprung von acht Hundertstelsekunden.

„Manchmal muss man auch Glück haben und wissen, dass es sich lohnt, bis zum letzten Meter zu kämpfen“, sagte die Athletin vom Verein Silvesterlauf Trier nach dem haudünnen sechsten WM-Finaleinzug in Serie. Für sie war es nach vielen Verletzungen und Erkrankungen in diesem Jahr keine Selbstverständlichkeit, es zu schaffen. 2022 hatte sie zuvor erst ein Rennen über 3000 Meter Hindernis bestritten. Zwei Wochen vor der WM startete sie beim Diamond-League-Meeting in Stockholm und wurde in schwachen 9:44,44 Minuten nur Achte. Eine Erkältung hatte Krause zuvor einmal mehr ausgebremst.

Spektakulär war der Auftritt von Lea Meyer in WM-Vorlauf. Bereits nach 400 Metern blieb die 24-jährige Kölnerin mit den Spikes an einem Hindernis hängen und stürzte kopfüber in den Wassergraben. Sie rappelte sich wieder auf und kam in 9:30,81 Minuten noch als Achte ins Ziel, konnte sich damit aber nicht für das Finale qualifizieren. „Ich bin nicht genug aggressiv auf die Hürde zugelaufen“, erklärte Meyer den Grund für den heftigen Sturz. „Das war doof und ärgerlich.“ Schnellste der drei Vorläufe war Norah Jeruto (Kasachstan) in 9:01,54 Minuten.

Fünfter WM-Titel in Serie: Hammerwerfer Fajdek hängt Bolt ab

Der polnische Hammerwerfer Pawel Fajdek hat zum fünften Mal in Folge den WM-Titel geholt und damit Geschichte geschrieben. Der 33-Jährige setzte sich am Samstag im Finale von Eugene/Oregon mit 81,98 m vor seinem Landsmann Wojciech Nowicki (81,03) durch, der im Vorjahr Olympia-Gold geholt hatte. Bronze ging an den Norweger Eivind Henriksen (80,87).

Vier WM-Titel in Serie in einer Disziplin hatte zuvor nur der jamaikanische Ausnahmeathlet Usain Bolt über 200 m (2009 bis 2015 über 200 m) gewonnen.

Der deutsche Starter Tristan Schwandke (Hindelang) war am Freitag in der Qualifikation ausgeschieden.

Weltrekordlerin Gidey siegt über 10.000 m

Die Äthiopierin Letesenbet Gidey hat bei der Leichtathletik-WM in Eugene die erste Lauf-Entscheidung gewonnen. Die 29 Jahre alte Weltrekordlerin setzte sich über 10.000 m in der Jahresweltbestleistung von 30:09,94 Minuten in einem packenden Foto-Finish vor Titelverteidigerin Hellen Obiri aus Kenia (30:10,02) durch. Bronze ging an deren Landsfrau Margaret Kipkemboi (30:10,07).

Die deutsche Topläuferin Konstanze Klosterhalfen wird in Eugene nur über 5000 m antreten. Daher war keine deutsche Athletin über die 25 Stadionrunden am Start.

Hochspringerin Jungfleisch verpasst WM-Finale trotz Saisonbestwert

Die EM-Dritte Marie-Laurence Jungfleisch hat das Hochsprung-Finale verpasst. Die 31-Jährige stellte mit übersprungenen 1,86 Metern am Samstag (Ortszeit) zwar eine persönliche Bestleistung in dieser Saison auf, kam aber nicht in die Top Zwölf. Auch die Dreispringerinnen Neele Eckhardt-Noack und Jessie Maduka sowie Hürdensprinter Gregor Traber verpassten mit ihren Leistungen den Einzug in die nächste Runde bei der ersten WM in den USA.

Das bringt der dritte Wettkampftag bei der Leichtathletik-WM

Das Finale über 100 Meter der Frauen dürfte der spannende Höhepunkt am dritten Wettkampftag der Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Eugene werden. Olympiasiegerin Elaine Thompson-Herah geht als Favoritin ins Rennen, doch ihre jamaikanischen Rivalinnen wollen ihr den Titel streitig machen.

100 Meter, Frauen: Der Kampf um Titel und Medaillen dürfte im Finale in der deutschen Nacht zum Montag (4.50 Uhr MESZ/ZDF) zu einer jamaikanischen Meisterschaft werden. Shelly-Ann Fraser-Pryce flitzte die 100 Meter in diesem Jahr in 10,67 Sekunden, Shericka Jackson in 10,77 und Elaine Thompson-Herah in 10,79 Sekunden. Dass die Olympiasiegerin von 2016 und 2021 noch schneller rennen kann, zeigte sie vor einem Jahr auf eben dieser Strecke in Eugene: Da standen nach 100 Metern Vollgas 10,54 Sekunden auf der Anzeige. Nur Florence Griffith-Joyner aus den USA war 1988 bei ihrem Weltrekord in 10,49 Sekunden schneller.

Siebenkampf: Sophie Weißenberg ist die einzige deutsche Starterin im Mehrkampf der Frauen, der am Sonntag (19.35 Uhr MESZ/sportschau.de) beginnt. Die 24-jährige Leverkusenerin hat das Meeting in Ratingen gewonnen und steht vor dem WM-Debüt. Die Olympia-Siebte und Vizeweltmeisterin von 2017, Carolin Schäfer, verzichtete wegen Fitness-Defiziten auf einen Start. Olympiasiegerin Nafissatou Thiam aus Belgien ist auch Favoritin auf den WM-Titel.

Marathon, Männer: Die Besetzung am Sonntag (15.15 Uhr MESZ/sportschau.de) ist nicht so prominent. Kenias Superstar Eliud Kipchoge hat auf eine WM-Teilnahme verzichtet und bevorzugt einen Start beim Berlin-Marathon am 25. September. Der frühere Halbmarathon-Weltrekordler und New York-Marathon-Sieger Geoffrey Kamworor aus Kenia sowie Sisay Lemma aus Äthiopien, der im vergangenen Herbst den London-Marathon gewann, gehören zu den Favoriten. Am Start ist auch der Rostocker Tim Gröschel.

Stabhochsprung, Frauen: Die Qualifikation hat die gebürtige Heidelbergerin Jacqueline Otchere souverän mit übersprungenen 4,50 Metern gemeistert. Wie hoch hinaus kann sie im Finale (2.25 Uhr MESZ/ZDF) noch kommen?

Kugelstoßen: Weltrekordler Ryan Crouser hat bereits die Qualifikation mit 22,28 Metern dominiert. Der zweimalige Olympiasieger hat noch keinen WM-Titel, 2019 in Doha wurde der US-Amerikaner nur Zweiter. Härteste Konkurrenten sind Landsmann Joe Kovacs und der Neuseeländer Tom Walsh. Kovacs war 2015 und 2019 Weltmeister, Walsh gewann 2017 den WM-Titel. Der Deutsche Simon Bayer kam nicht ins Finale (3.27 Uhr MEZ/ZDF).

Sogar Google feiert WM-Rekordfrau Felix nach ihrem letzten Rennen

Wer mehr wissen wollte über die WM-Rekordfrau Allyson Felix und ihren Namen nach ihrem letzten Rennen in die Suchmaschine Google eingab, erlebte eine Überraschung. Der Internet-Gigant würdigte die herausragende Karriere der Leichtathletin, die insgesamt 30 Medaillen bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften gewann, am Freitagabend (Ortszeit) mit einer Animation und den Worten „Olympian. Mother. Advocate“ (deutsch etwa: Olympionikin. Mutter. Fürsprecherin).

Die Animation zeigte Felix zunächst als Comic-Figur, die über den Bildschirm rennt, und nach einer Gratulation zur 20 Jahre langen Karriere dann, wie sie lachend ein Kind im Arm hält und winkt. „Das ist so cool“, sagte die 36-Jährige.

Die Bronzemedaille mit der 4x400-Meter-Mixed-Staffel der USA war ihre 19. Medaille bei einer WM, niemand auf der Welt hat mehr. Ihr größtes Vermächtnis ist aber wohl der Kampf für mehr Gleichberechtigung von Frauen im Leistungssport. Weil sie sich nach der Geburt ihrer Tochter mit dem Sportartikelhersteller Nike anlegte, müssen Athletinnen weltweit heute nicht mehr fürchten, von der US-Firma oder anderen Ausrüstern wegen einer Schwangerschaft finanziell benachteiligt zu werden und Gehalt und Prämien einzubüßen.

Athleten aus den meisten Doping-Hochrisikoländern bei WM dabei

Dank besserer nationaler Dopingkontrollen sind Leichtathleten aus den meisten Doping-Hochrisikoländern bei der WM in Eugene am Start. Dies teilte die unabhängige Integritätseinheit des Weltverbandes World Athletics am Freitag (Ortszeit) mit. Bei den Olympischen Spielen 2021 in Tokio waren 20 Athleten nicht startberechtigt, die aus Ländern kamen, die die Mindestanforderungen der Anti-Doping-Bestimmungen nicht erfüllt hatten.

In diesem Jahr seien die Mindestanforderungen für Dopingkontrollen von fünf der sechs betroffenen Verbände vollständig erfüllt worden, hieß es in der Mitteilung. Im Falle des ukrainischen Leichtathletik-Verbandes wurden die Anforderungen weitgehend erfüllt. Die Integritätseinheit habe eine Ausnahmegenehmigung für sieben von 22 ukrainischen Athleten aufgrund der außergewöhnlichen Umstände des Krieges gegen Russland erteilt, hieß es weiter.

Kugelstoß-Finals ohne deutsche Beteiligung

Die Kugelstoß-Finals finden bei der Leichtathletik-WM in Eugene ohne deutsche Beteiligung statt. Der Sindelfinger Simon Bayer kam am Freitagabend in der Qualifikation auf 19,71 m und schied klar aus.

David Storl, Weltmeister von 2011 und 2013 hatte sich nicht qualifiziert. Mit einem überragenden Stoß auf 22,28 m zog Ryan Crouser (USA) als Bester ins Finale.

Bei den Frauen waren zuvor Katharina Maisch (Halle/Saale) als 13. (18,57) und die Wattenscheiderin Julia Ritter als 15. (18,22) knapp gescheitert. Die deutsche Meisterin Sara Gambetta hatte ihren Start wegen einer Virus-Infektion abgesagt.

+++15. Juli+++

So viel Prämie bekommen die Athletinnen und Athleten für eine Medaille

Die besten Leichtathleten können sich bei den Weltmeisterschaften im amerikanischen Eugene auf höhere Medaillenprämien freuen. Die Einzelsieger erhalten 70.000 Dollar, der Gewinn von Silber und Bronze wird mit 35.000 und 22.000 Dollar honoriert, teilte der Weltverband am Donnerstag (Ortszeit) mit. Staffeln müssen sich nach einem Sieg 80.000 Dollar teilen, die Zweiten und Dritten erhalten 40.000 beziehungsweise 20.000 Dollar. Prämien werden bis Platz acht gezahlt. Insgesamt werden bei den Welttitelkämpfen von Freitag bis zum 24. Juli 8.498.000 Dollar an Preisgelder ausgelobt.

„Aus den Geldstrafen, die der russische Verband wegen Verstößen gegen die Anti-Doping-Bestimmungen des Sports gezahlt hat, werden zwei Millionen Dollar zweckgebunden für die Preisgelder bei der WM in Eugene und der WM 2023 in Budapest verwendet“, hieß es in der Mitteilung.

Außerdem erhalten Athleten, die einen Weltrekord bei der WM aufstellen, erneut eine Sonderprämie von 100.000 Dollar. Bei der WM 2019 in Doha hatten die US-Amerikanerin Dalilah Muhammad über 400 Meter Hürden (52,16 Sekunden) und die amerikanische Mixed-Mannschaft über 4x400 Meter (3:09,34 Minuten) Weltrekorde aufgestellt.

Weltverbands-Chef Coe verteidigt Ausschluss von Russen

Der Leichtathletik-Weltverband hat noch einmal seine „feste Position“ zum Ausschluss von Russland und Belarus von der WM in Eugene/USA bekräftigt. „Wir waren der erste Weltverband, der diese Position im Februar vertreten hat“, sagte Sebastian Coe, Präsident von World Athletics (WA), einen Tag vor dem Start der Welttitelkämpfe an diesem Freitag. „Wenn die Athleten aus Russland und Belarus, zwei aggressiven Nationen, die einen unabhängigen Staat überfallen haben, teilnehmen würden, wäre das extrem herausfordernd für die Sportler aus der Ukraine gewesen“, erklärte der Brite. Deshalb sei diese Entscheidung unanfechtbar und zu akzeptieren.

Unabhängig davon hat das WA-Exekutivkomitee am Donnerstag (Ortszeit) die Suspendierung des russischen Leichtathletik-Verbands Rusaf beibehalten. Der Prozess der Wiedereingliederung nach der Aufdeckung des systematischen Dopings in Russland ist laut Coe noch nicht abgeschlossen. Rusaf ist seit 2015 suspendiert. Die Causa Russland werde nicht vor Ende November wieder beraten werden.

Die Austragung der ersten WM in den USA sei „sehr aufregend“ für den Weltverband, sagte Coe. „Ich bin sehr glücklich hier zu sein.“ Die USA seien der größte Sportmarkt auf der Welt. Amerika sei zwar in der Leichtathletik die Nummer eins, im Land selber sei es aber keine der führenden Sportarten. „Wir sind auf einer Mission hier“, meinte Coe.

Unterdessen hat das WA-Exekutivkomitee sich auf seiner Sitzung in Eugene für die Vergabe der WM 2025 an Tokio entschieden. Zu den Bewerbern gehörte auch Kenias Hauptstadt Nairobi, die ebenso wie Kattowitz in Polen und Singapur leer ausging. Eine erste Vergabe der WM in ein afrikanisches Land schloss Coe für die Welttitelkämpfe 2027 oder 2029 jedoch nicht aus. „Es ist ein überwältigendes Ja. Afrikanische Länder sind fähig, eine WM auszutragen“, betonte er. „Die Zeit wird kommen.“

„Sehr gute Bedingungen“ - Leichtathleten mit WM-Dorf zufrieden

Der Deutsche Leichtathletik-Verband ist mit der Unterbringung im WM-Athletendorf auf dem Gelände der Universität in Eugene in den USA bisher zufrieden. „Die erste große Gruppe der deutschen WM-Starterinnen und -Starter hat in dieser Woche auf dem Campus Quartier bezogen und hier sehr gute Bedingungen vorgefunden“, sagte DLV-Cheftrainerin Annett Stein am Donnerstag (Ortszeit) der dpa. „Die Athleten wohnen im modernsten Wohnheim, für das der DLV schon frühzeitig Ansprüche angemeldet hat.“

Dort hätten die deutschen Sportler anders als in den anderen Unterkünften ein eigenes Bad im Zimmer. „Die Wege sind extrem kurz, die Mensa befindet sich im Wohnblock, der Stadioneingang ist 50 Meter entfernt“, berichtete Stein weiter. So könnten sich die Teilnehmenden optimal auf ihre Wettkämpfe fokussieren. Athleten anderer Länder hatten dagegen über fehlende Klimaanlagen in ihren Zimmern und über Gemeinschaftsbäder sowie eine dürftige Trinkwasserversorgung geklagt.

Nach den vielen Absagen von prominenten DLV-Assen wie Ex-Weltmeister Johannes Vetter und Europameisterin Christin Hussong im Speerwurf sind die Erfolgsaussichten im US-Bundesstaat Oregon jedoch geringer geworden. Der DLV gehe zwar mit „großer Vorfreude auf stimmungsvolle Weltmeisterschaften“ in die Wettbewerbe, aber auch mit einigen Sorgen. „Diese Absagen sind bei der extremen Leistungsdichte auf Weltniveau nicht zu kompensieren“, sagte Stein. Die WM beginnt an diesem Freitag und dauert bis zum 24. Juli.

Leichtathletik-WM wird 2025 in Olympiastadt Tokio ausgetragen

Die Leichtathletik-Weltmeisterschaften werden 2025 in Tokio ausgetragen. Das entschied das Exekutivkomitee des Weltverbandes World Athletics am Donnerstag (Ortszeit) in Eugene/USA, wo ab diesem Freitag bis zum 24. Juli die WM stattfindet. Japans Hauptstadt wird damit vier Jahre nach den Olympischen Spielen erneut Schauplatz eines Sportgroßereignisses.

Bei den Tokio-Spielen waren wegen der Corona-Pandemie nur wenige Zuschauer im Olympiastadion zugelassen. Die Metropole setzte sich mit der WM-Bewerbung gegen Nairobi, Kattowitz und Singapur durch.

Im kommenden Sommer ist Budapest der Austragungsort für die nächste WM. Die ursprünglich für 2021 vorgesehenen Weltmeisterschaften in Eugene waren wegen der Verschiebung der Olympischen Spiele aufgrund der Corona-Pandemie ebenfalls um ein Jahr nach hinten verschoben worden.

+++++14. Juli+++++

Deutsches Team muss zwei weitere Absagen verkraften

Das Team des Deutschen Leichtathletik-Verbandes für die Weltmeisterschaften in Eugene muss zwei weitere Absagen verkraften. Kugelstoßerin Sara Gambetta hat eine Virusinfektion und ist gar nicht erst an den WM-Ort im US-Bundesstaat Oregon gereist. Yasmin Kwadwo muss wegen muskulärer Beschwerden auf eine Teilnahme am Rennen über die 4x100 Meter verzichten. Das teilte der DLV am Donnerstag mit. Vor dem Start der WM am Freitag umfasst das deutsche Team damit noch 78 Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Für das Staffel-Rennen bleiben noch fünf Kandidatinnen um die EM-Zweite Gina Lückenkemper.

Gambetta und Kwadwo verlängern die Liste der deutschen Absagen für die Welttitelkämpfe in den USA. Darauf stehen unter anderen die Speerwerfer Johannes Vetter - WM-Dritter von 2019 - und Europameisterin Christin Hussong sowie die Ex-Vizeweltmeisterin im Siebenkampf, Carolin Schäfer, und der Olympia-Zweite im Gehen, Jonathan Hilbert.

So ist die Lage bei den deutschen Leichtathletinnen und Leichtathleten.

Schon 600 Doping-Kontrollen im Athletendorf der WM in Eugene

Zum Schutz der sauberen Sportlerinnen und Sportler hat bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Eugene/USA ein umfangreiches Anti-Doping-Programm begonnen. Wie die unabhängige Integritätskommission des Weltverbandes World Athletics am Donnerstag mitteilte, sind bereits 600 Doping-Tests im Athletendorf der amerikanischen Stadt vorgenommen worden. Bei den Wettkämpfen in 49 Disziplinen von diesem Freitag an bis zum 24. Juli seien weitere 500 Kontrollen vorgesehen. Die Tests werden in Kooperation mit der amerikanischen Anti-Doping-Agentur (Usada) durchgeführt.

Zum ersten Mal würden bei einer WM dabei Proben mit der Bluttropfen-Methode (Dried Blood Spot/DBS) gesammelt, hieß es in der Mitteilung. Für die DBS werden nur wenige Tropfen Blut benötigt, die durch einen Stich in den Oberarm gewonnen werden. Das Blut wird auf eine spezielle saugfähige Unterlage aufgetragen, die dann versiegelt und zur Analyse an akkreditierte Dopinglabors geschickt wird.

Olympiasiegerin Hassan startet in Eugene über 5000 und 10.000 Meter

Die niederländische Doppel-Olympiasiegerin Sifan Hassan will bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften im amerikanischen Eugene ihre Titel über 5000 und 10 000 Meter verteidigen. Dies bestätigte am Donnerstag das Management der 29-Jährigen. Die Mittelstreckenläuferin hatte am vergangenen Samstag ihr bislang einziges Rennen dieses Jahres über 5000 Meter in Portland nahe Eugene bestritten und in 15:13,41 Minuten gewonnen. Bei den Tokio-Spielen 2021 gewann sie Gold über 5000 und 10 000 Meter sowie Bronze über 1500 Meter.

„Möchte keine Mörder sehen“ - Ukrainischer Hochsprungstar begrüßt Russland-Ausschluss

Hochsprung-Star Jaroslawa Mahutschich (Ukraine) hat den Ausschluss russischer Athleten von der Leichtathletik-WM in Eugene/USA (15. bis 24. Juli) wegen des Angriffs auf ihre Heimat begrüßt. Viele russische Athleten würden Wladimir Putin „unterstützen. Ich möchte keine Mörder auf der Bahn sehen“, sagte Mahutschich, die mit ihren 2,03 m die Weltjahresbestenliste anführt und als Topfavoritin auf WM-Gold gilt. Dieser Krieg habe schon „wirklich viele Sportler getötet“.

Mit ihren Gedanken ist Mahutschich, die nach der russischen Invasion aus Dnipropetrowsk mit dem Auto ins Ausland geflüchtet ist, stets in der Ukraine. Mit einem Triumph im Finale in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch (2.40 Uhr MESZ) will sie ihren Landsleuten eine Freude machen. „Ich hoffe, dass es eine gute Nachricht für das ukrainische Volk sein wird“, sagte die Hallen-Europameisterin, die glaubt, dass die Ukraine den Krieg gewinnen wird.

Ihr zuvor gutes Verhältnis zur russischen Olympiasiegerin Marija Lasizkene habe durch den Krieg stark gelitten. „Vor dem 24. Februar hatten wir eine gute Beziehung, wir haben miteinander gesprochen“, sagte Mahutschich in Bezug auf den Tag, an dem Russland in die Ukraine einmarschierte: „Aber dieser Tag hat alles verändert.“ Von Lasizkene sei kein Wort des Mitgefühls oder der Unterstützung gekommen, sagte Mahutschich. Stattdessen habe aber Lasizkene einen Brief an IOC-Präsident Thomas Bach geschrieben, um doch noch bei der WM teilnehmen zu dürfen, weil sie „Russin ist. Unsere Leute sterben, weil sie Ukrainer sind.“

Der Weltverband World Athletics (WA) hat sämtliche Athleten, Betreuer und Offizielle aus Russland und Belarus wegen des Angriffs auf die Ukraine „für die absehbare Zukunft“ von allen Veranstaltungen unter seiner Federführung ausgeschlossen. Der russische Verband (RusAF) ist wegen des Dopingskandals ohnehin seit 2015 suspendiert. Auch „neutrale Athleten“ dürfen bei der WM nicht starten.

Chaos ums Visum - Medaillenkandidat Omanyala hofft wohl doch noch auf WM-Start

Vom Rollfeld direkt in den WM-Startblock? Im Visum-Chaos um Sprinter Ferdinand Omanyala (Kenia) deutet sich in letzter Minute doch noch ein Happy End für den Medaillenkandidaten über 100 m an. „Omanyala wurde heute Morgen im Sportministerium vorstellig und hat das Visum für die Reise erhalten. Er sollte heute Abend im Flugzeug sitzen und morgen früh in Oregon ankommen“, sagte sein Trainer Duncan Ayiemba der Nachrichtenagentur AFP - einen Tag vor Beginn der WM in Eugene (15. bis 24. Juli).

Zuvor hatte Omanyala, mit seinen 9,85 Sekunden der drittschnellste Mann der Welt in diesem Jahr, seine Hoffnungen auf eine rechtzeitige Einreise bereits aufgegeben. „Es gibt nichts, was ich tun kann“, sagte der schnellste Mann Afrikas: „Ich habe die Situation akzeptiert und werde mich jetzt auf die Commonwealth Games in Birmingham konzentrieren.“

Nun wird es ein Wettlauf gegen die Zeit: Für Omanyala und Co. stehen die WM-Vorläufe am Freitag um 18.50 Uhr Ortszeit (Samstag, 3.50 Uhr MESZ) auf dem Programm, Halbfinale und Finale steigen dann einen Tag später. „Er wird ein paar Stunden Zeit haben, um sich auszuruhen, bevor er in den Vorläufen antritt und sich hoffentlich für das Halbfinale und das Finale qualifiziert“, sagte Trainer Ayiemba.

Warum es zu der Verzögerung bei der Visum-Vergabe kam, war zunächst nicht bekannt. Omanyala war aber bei weitem nicht der einzige afrikanische Athlet mit diesem Problem. Bei einem Teil des Teams aus Südafrika verzögerte sich etwa die Weiterreise aus Italien wegen Visa-Problemen.

Omanyala hatte im September vergangenen Jahres mit 9,77 Sekunden einen afrikanischen Rekord aufgestellt und war damit der neuntschnellste Mann der Geschichte hinter vier US-Amerikanern und drei Jamaikanern. In diesem Jahr waren nur die beiden US-Amerikaner Fred Kerley (9,76) und Trayvon Bromell (9,81) schneller als das Kraftpaket.

+++ 13. Juli +++

Erster Dopingfall – Amos darf nicht starten

Erster Doping-Fall bei der Leichtathletik-WM in Eugene: Nijel Amos (Botswana) ist positiv getestet worden und darf bei den Titelkämpfen in den USA (15. bis 24. Juli) nicht über 800 m antreten. Bei dem Olympiazweiten von 2012 wurde in einer Dopingprobe von einer Trainingskontrolle am 4. Juni eine verbotene Substanz nachgewiesen. Amos erfuhr in Eugene von seiner Suspendierung wie die unabhängige Integritätskommission AIU des Leichtathletik-Weltverbandes World Athletics mitteilte.

Amos ist mit seiner Bestzeit von 1:41,73 Minuten, gelaufen in London vor zehn Jahren, die Nummer drei der ewigen Bestenliste über 800 m. In Eugene zählte er nicht zu den Medaillenkandidaten.

Zwei Gold-Kandidaten fehlen verletzt

Zwei Mitfavoriten für die Wettbewerbe der Leichtathletik-WM ab Freitag in Eugene/Oregon haben zu Wochenbeginn ihre Teilnahmen an den Titelkämpfen abgesagt. 400-m-Olympiasieger Steven Gardiner musste seine Hoffnungen auf eine erfolgreiche Titelverteidigung wegen einer Sehnenentzündung begraben. Die kenianische Marathon-Olympiasiegerin Peres Jepchirchir pausiert wegen einer Hüftverletzung.

„Wegen der Entzündung einer Sehne ist mir geraten worden, statt meiner Spikeschuhe in der nächsten Zeit normale Gehschuhe zu tragen“, schrieb Gardiner in den sozialen Netzwerken. Der 26-Jährige wäre mit einer Saisonbestzeit von 44,21 Sekunden als Nummer fünf der diesjährigen Weltrangliste nach Eugene gereist.

Jepchirchir bestätigte der Nachrichtenagentur AFP ihren unfreiwilligen WM-Verzicht. „Ich habe mich im Training an der Hüfte verletzt, und der Arzt hat gesagt, dass ich eine Pause machen muss“, sagte Jepchirchir.

Gut ein Jahr nach ihrer Goldmedaille bei Olympischen Spielen in Tokio hatte die Afrikanerin zu den großen WM-Favoritinnen gehört. Ihre Ambitionen für Eugene hatte die zweimalige Halbmarathon-Weltmeisterin im Frühjahr durch ihren Sieg beim Boston Marathon unterstrichen.

Hussong fehlt Deutschland bei der WM

Nächste prominente Absage vor der Leichtathletik-WM: Nach dem deutschen Speerwurf-Rekordhalter Johannes Vetter wird auch dessen Disziplinkollegin Christin Hussong bei den Titelkämpfen in Eugene (15. bis 24. Juli) nicht an den Start gehen können. Wie der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) am Sonntag mitteilte, verzichtet die Europameisterin aus Zweibrücken auf ihre Teilnahme.

Zuvor hatte am Samstag die Rheinpfalz berichtet, dass Hussong nach einem Trainingslager in Offenburg ihr Leistungsniveau als nicht ausreichend erachtet hatte. Mit ihrer Anfang Juni geworfenen Saisonbestleistung von 64,87 m wäre die 28-Jährige als Nummer vier der Welt zu den Weltmeisterschaften angereist.

Neben Hussong wird dort auch Weitspringerin Maryse Luzolo (Königstein) fehlen. Die Olympia-Teilnehmerin von Tokio erlitt im Training eine Bänderverletzung an ihrem Sprungfuß. „Aus medizinischer Sicht gäbe es zwar eine kleine Chance, in Eugene springen zu können, aber ich habe mich entschieden, die Verletzung hier in Deutschland in Ruhe auszukurieren und mich voll auf die Heim-EM in München zu konzentrieren“, sagte Luzolo.

Am Mittwoch hatte Ex-Weltmeister Johannes Vetter wegen einer hartnäckigen Verletzung an der Schulter seinen WM-Start abgesagt. Zwei Tage später nominierte der DLV nach einigen weiteren Ausfällen insgesamt sieben Nachrücker. Das Aufgebot umfasst nun insgesamt 80 Athletinnen und Athleten.

(red/dpa/SID)