Leichtathletik: Vier Jahre Sperre für Konstanze Klosterhalfens Trainer Alberto Salazar

„Überrascht und schockiert“ : Salazar-Affäre überschattet Klosterhalfens WM-Hoffnungen

Der umstrittene Leichtathletik-Trainer Alberto Salazar ist von der US-Anti-Doping-Behörde wegen Dopingverstößen für vier Jahre gesperrt worden. Er ist Chefcoach des Nike Oregon Projects, dem auch die deutsche Weltklasse-Mittelstrecklerin Konstanze Klosterhalfen angehört.

Als Konstanze Klosterhalfen am Dienstagmorgen im Marriott-Marquis-Hotel in Doha aufwachte, war ihre Welt nicht mehr in Ordnung. In der Nacht hatten sich die Nachrichten überschlagen. Alberto Salazar, ihr umstrittener "Chef" beim Nike Oregon Project, wurde wegen Dopingverstößen für vier Jahre gesperrt. Ausgerechnet einen Tag vor Klosterhalfens erstem Rennen. Auf der WM-Mission des deutschen Lauf-Shootingstars liegt jetzt ein Schatten.

"Natürlich waren wir von der Meldung auch überrascht und schockiert", teilte Klosterhalfens Management dem Sport Informationsdienst (SID) mit. Die 22-Jährige, die in Katar auf eine Medaille hofft, sei von dem Fall aber nicht direkt betroffen. Für die Leverkusenerin ändere sich "nichts, weil sie bei Pete Julien trainiert". Klosterhalfen habe sich "nichts zuschulden kommen lassen und wird es auch nicht tun. Sie lehnt Doping komplett ab. Nach der Saison werden wir uns aber zusammensetzen und das aufarbeiten."

Salazar genießt schon lange einen zweifelhaften Ruf, über Jahre hatte die US-Anti-Doping-Behörde Usada gegen den Trainer-Guru ermittelt. Kronzeugen sagten gegen den 61-Jährigen aus, der unter anderem Stars wie Mo Farah zu Olympiasiegen führte. Das Ergebnis: Salazar habe mit verbotenen Infusionen gearbeitet, mit Testosteron gehandelt und versucht, Dopingkontrollen zu manipulieren.

Salazar und ein ebenfalls für vier Jahre gesperrter Mediziner hätten demonstriert, „dass Gewinnen wichtiger war als die Gesundheit und das Wohlergehen der Athleten, denen sie ihren Schutz versprochen hatten“, sagte Usada-Chef Travis Tygart in der Mitteilung.

"Das Oregon Project hat niemals Doping geduldet und wird es niemals dulden. Ich werde Einspruch einlegen und nach vorne blicken", sagte Salazar, Trainer der neuen 10.000-m-Weltmeisterin Sifan Hassan (Niederlande).

Der amerikanische Sportartikelhersteller Nike unterstützt Salazar dabei, seine vierjährige Sperre anzufechten. Das teilte ein Sprecher des Unternehmens am Dienstag mit. „Nike dulde die Anwendung verbotener Substanzen in keiner Weise“, bekräftigte das Unternehmen.

Der Weltverband IAAF entzog ihm die WM-Akkreditierung.

Auch wenn Klosterhalfen nicht direkt bei Salazar trainiert, der Fall setzt sie noch einmal mehr unter Druck. Schon seit ihrem Wechsel in die USA im November 2018 begleiten das "German Wunderkind" unangenehme Fragen, seit April gehört sie auch offiziell dem Nike Oregon Project an. Dem aufkommenden Misstrauen war sie bisher stets offensiv-verständnisvoll begegnet. "Wer negativ darüber redet, soll sich vor Ort ein eigenes Bild machen", sagte Klosterhalfen, die im Jahr 2019 bisher sechs deutsche Rekorde aufstellte, zuletzt und verwies auf optimales und innovatives Training und beste Bedingungen für die Athleten: "Oregon war ein wichtiger Schritt, ein Glücksfall für mich."

Der Deutschen Leichtathletik-Verband(DLV), der sich als Vorreiter im Anti-Doping-Kampf sieht, reagierte erst einmal zurückhaltend auf die Affäre. "Zum jetzigen Zeitpunkt haben wir noch zu wenige Informationen, um die Suspendierung von Alberto Salazar einordnen zu können", sagte Präsident Jürgen Kessing und betonte, dass Klosterhalfen "in Portland bei Coach Pete Julien" trainiert. Der 62-Jährige verwies zudem darauf, dass Klosterhalfen "dem deutschen und internationalen Anti-Doping-Kontroll-System unterliegt. Trotz intensiver Kontrollen gab es bei ihr keine Beanstandungen und sie lehnt jede unerlaubte Methode ab."

Ob Klosterhalfen, für viele Experten das womöglich größte nicht in Afrika geborene Lauf-Talent der Geschichte, in Katar den Salazar-Wirbel hinter sich lassen kann, wird sich am Mittwoch zeigen. Mit ziemlicher Sicherheit steht sie dann bei den Vorläufen über 5000 Meter (17.25 Uhr MESZ) an der Startlinie, da sich Hassan für die 1500 Meter entschieden hat. "Ich will einfach gut laufen und werde alles geben", hatte Klosterhalfen vor der WM gesagt. Aber da war ihre Welt noch in Ordnung.

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(rent/pabie/dpa/sid)
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