Leichtathletik: US-Sprinter Christian Coleman droht Dopingsperre

WM-Gold-Kandidat : US-Topsprinter Coleman droht Dopingsperre

US-Topsprinter Christian Coleman hat in den vergangenen zwölf Monaten womöglich drei Dopingtests verpasst. Dem Goldanwärter über 100 m droht damit das WM-Aus und der Leichtathletik ein weiterer Skandal.

Russland ist noch längst nicht begnadigt, da droht der Leichtathletik der nächste große Skandal: US-Topsprinter Christian Coleman hat in den vergangenen zwölf Monaten womöglich drei Dopingtests verpasst, das berichten die Daily Mail und die Times. Der Goldanwärter über 100 m könnte damit die anstehende WM in Doha/Katar (27. September bis 6. Oktober) verpassen.

Die US-Anti-Doping-Behörde USADA wollte nach den Vorwürfen gegen den Vizeweltmeister über 100 m gegenüber der französischen Nachrichtenagentur AFP nicht bestätigen, dass es einen Fall Coleman gibt. Grundsätzlich müsse erst eine "komplette Untersuchung" stattfinden, bevor sich die USADA in derlei Angelegenheiten äußere.

Die Vorwürfe gegen Coleman, der vor zwei Jahren Usain Bolt besiegte und Vizeweltmeister über 100 m von London wurde, wiegen schwer. Bei drei so genannten "missed tests" droht eine Dopingsperre zwischen einem und zwei Jahren. Coleman, mit seinen 9,81 Sekunden derzeit die Nummer eins in der Welt über 100 m und damit eigentlich aussichtsreichster Kandidat auf Gold in Doha, könnte so nicht nur die Titelkämpfe in Katar verpassen - sondern auch die Olympischen Spiele 2020 in Tokio.

Gold über 100 m in Doha - das war Colemans erklärtes Ziel für dieses Jahr. "Genau darauf konzentriere ich mich jeden Tag. Dafür greife ich in jedem einzelnen Training an", hatte der 23-Jährige zuletzt gesagt und nicht nur mit dem Titelgewinn bei den US-Meisterschaften seinen Anspruch untermauert: "Ich bin in der Form meines Lebens und kann immer noch besser werden."

Drei der fünf schnellsten Zeiten dieses Jahres gehen auf sein Konto, in allen wichtigen Rennen blieb Coleman unter der Zehn-Sekunden-Marke. Doch "die Mission ist noch nicht erfüllt", sagte der Mann, der mit seiner 100-m-Bestleistung von 9,79 Sekunden auf dem geteilten siebten Platz der ewigen Bestenliste liegt. Seinen geplanten Start am vergangenen Sonntag beim Diamond-League-Meeting in Birmingham hatte Coleman überraschend abgesagt.

Vor zwei Jahren in London holte Coleman hinter seinem umstrittenen und bereits des Dopings überführten Landsmann Justin Gatlin (37) WM-Silber, bei dem Rennen schickte er Sprintsuperstar Bolt mit Bronze in Rente. Für Verwunderung hatte Coleman vor der WM gesorgt, als er Gatlin seinen Mentor nannte: "Er hat mir viele Ratschläge gegeben." Sechs Monate später verbesserte Coleman den Hallen-Weltrekord über 60 m auf 6,34 Sekunden.

In den vergangenen Jahren hatte der Skandal um systematischen Betrug in Russland die Leichtathletik erschüttert. Seit fast vier Jahren ist der russische Verband wegen des Dopingskandals jetzt schon ausgeschlossen, russische Athleten dürfen nur nach Prüfung durch den Weltverband IAAF und als "Neutrale Athleten" bei internationalen Wettbewerben starten.

(ako/sid)
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