Leichtathletik-EM 2018: Viertes EM-Gold wäre für David Storl weit mehr als „nur“ ein weiterer Titel

Leichtathletik-EM 2018 : Viertes EM-Gold wäre für Storl weit mehr als „nur“ ein weiterer Titel

Drei EM-Titel in Serie hat David Storl bereits, in Berlin könnte Nummer vier folgen. Das hat zuvor noch kein Kugelstoßer geschafft. Nach zwei eher verkorksten Jahren ist der Leipziger wieder auf dem Weg zurück zu alter Stärke.

Bei Currywurst und Roter Grütze mit Vanillesauce tankte David Storl am Sonntag Kraft für den Griff nach Gold. Einen Tag vor seinem ersten EM-Auftritt in der Kugelstoß-Qualifikation gab sich der Titelverteidiger beim letzten offiziellen Presseauftritt in der edlen Königlichen Porzellan-Manufaktur in Berlin entspannt und angriffslustig zugleich.

"Ich will Europameister werden, das war ich ja schon ein paarmal", sagte der 28-Jährige. Nach der Quali am Montag auf dem Breitscheidplatz geht es am Dienstag (20.33 Uhr) um den EM-Titel. Bereits vor zwei Jahren schaffte Storl Historisches und wurde als erster Kugelstoßer zum dritten Mal Europameister.

Und doch: Storls viertes EM-Gold in Serie wäre weit mehr als "nur" ein weiterer Titel - es wäre auch für den hochdekorierten Athleten etwas Besonderes. "Was keiner sieht: Wenn ich wieder Europameister werde, dann ist das einfach eine Serie, die sich fortsetzt. Aber wie die Leistung dieses Jahr zustande kommt, ist ein ganz anderer Weg", sagte er.

Denn Storl veränderte nach den verkorksten Olympischen Spielen 2016 (7.) und der WM 2017 (10.) sein Training. Bisher mit viel Erfolg. Ein wichtiger - wenn nicht der wichtigste - Baustein ist dabei sein neuer Trainer Wilko Schaa.

Der Nachfolger von Storls langjährigem Trainer Sven Lang, von dem sich der zweimalige Weltmeister im vergangenen Jahr trennte, brachte erst einmal das lädierte Knie wieder in Ordnung. Schneller als gedacht konnte Storl wieder zur Umsprungtechnik zurückkehren.

"Ich glaube, dass es für einen Athleten in meinem Alter schon ein Wahnsinns-Schritt ist, das Trainingssystem komplett umzukrempeln und trotzdem an den Erfolg anzuknüpfen", sagte er. Und das tut er - mit neuem Elan: "Es ist schwer, aus dem Trott, der immer geklappt hat, auszubrechen. Durch den Schritt, den ich gegangen bin, war das möglich."

Inzwischen ist Storl wieder die Nummer zwei in Europa, gewann Silber bei der Hallen-WM in Birmingham. "Wir haben eine Saisonbestleistung von 21,62 m. Ich denke, eine Steigerung wird er auf jeden Fall realisieren. Ich glaube, er kann Richtung 22 Meter stoßen", sagte Schaa dem SID mit Blick auf die EM.

Der neue Trainer ist dabei aber nicht nur sportlich wichtig für Storl. Beide sind altersmäßig nicht weit auseinander, beide wurden vor nicht allzu langer Zeit Vater.

"Da hat man auch ganz andere Dinge, über die man reden kann. Es ist auch gut so, dass es nicht immer um den Sport geht. Es gibt ja auch ein Leben neben dem Sport", betonte Schaa: "Wir grillen auch mal zusammen mit den Familien, das ist super. Die Frauen verstehen sich, die Kinder sind im gleichen Alter - das ist schon ein Riesenvorteil."

Letztendlich geht es aber um den Sport - und Schaa ist optimistisch. "David ist angriffslustig, hat immer einen Spruch auf den Lippen", sagte er: "Ich würde das als sehr, sehr gutes Zeichen interpretieren. Er hat Bock auf die EM."

(old/sid)
Mehr von RP ONLINE