Kugelstoßen: Christina Schwanitz knackt erstmals die „magischen“ 20 Meter nach der Babypause

Deutsche Meisterschaften in Nürnberg : Schwanitz knackt erstmals die „magischen“ 20 Meter nach der Babypause

Christina Schwanitz hat sich mit ihrem ersten 20-m-Stoß seit ihrer Babypause endgültig zur Goldfavoritin bei der Heim-EM in Berlin aufgeschwungen. Es winkt der historische Titel-Hattrick.

Am Ende eines emotionalen Tages hielt Christina Schwanitz ein Plädoyer, das weit über den Sport hinausreichte. "Familie und Leistungssport sind vereinbar. Aber nur mit viel Hilfe. Wenn man sagt, beide Elternteile gehen arbeiten, und das wurstelt man so hin - das funktioniert nicht. Das sollte man sich in Deutschland auch mal überlegen", sagte die Kugelstoß-Europameisterin nach ihrem starken Auftritt bei den deutschen Meisterschaften in Nürnberg.

Ihre Siegesweite von 20,06 m - ihr erster Stoß über die "magischen" 20 Meter seit der Geburt ihrer Zwillinge im vergangenen Juli und der anschließenden Babypause - hatten ihr kurz zuvor Freudentränen ins Gesicht getrieben. In die Heim-EM in Berlin (6. bis 12. August) geht die Ex-Weltmeisterin nun als Goldfavoritin. Es winkt der historische Titel-Hattrick.

Die Vorleistungen lassen viel erhoffen. Europas Nummer eins war sie schon zuvor, mit ihrem fünften Versuch in Nürnberg schob sie sich zudem hinter Weltmeisterin Gong Lijiao aus China auf Platz zwei der Welt vor. Vergaß dabei aber nicht, all jenen zu danken, die ihr bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf helfen.

"Die Frauen sollen wieder in den Job, weil das ja alles ganz einfach ist, wenn man acht Stunden arbeitet und der Kindergarten um 17.00 Uhr schließt", sagte Schwanitz: "Wenn wir nicht so viele Freunde und Unterstützer hätten, wenn ich nicht das Training schieben könnte, wenn die Firma meines Mannes uns nicht entgegenkommen würde - dann könnte ich keinen Leistungssport mehr betreiben."

Dennoch entschied sie sich ganz bewusst, wieder in den Ring zurückzukehren. Im Vorfeld hatte sie erklärt, auch sich selbst etwas "beweisen" zu wollen. Mit viel Organisationstalent gelingt ihr es derzeit nahezu perfekt. Auch deshalb sei der Erfolg in Nürnberg ein "besonderer Sieg". "Ich hatte mir gewünscht, dass ich wieder an die 20 Meter herankomme, so richtig dran geglaubt habe ich aber nicht", sagte Schwanitz.

Dabei war sie noch am Donnerstagabend bei der Diamond League in Monaco (19,51 m) am Start, hatte sich am Freitagmorgen um 4.30 Uhr auf den Weg nach Nürnberg gemacht. "Am heutigen Tag bin ich selbst etwas überrascht. Ich habe immer gesagt, wenn sie ausgeschlafen ist, kann sie über 20 Meter stoßen", sagte Heim- und Bundestrainer Sven Lang.

Für Schwanitz beginnt nun die direkte Vorbereitung auf die EM. Bereits am Dienstag geht es ins Trainingslager nach Kienbaum, wo sie bis nach ihrem Wettkampf in Berlin bleibt - und ausschlafen kann. "Wenn ich die Kinder alleine lassen muss, dann bricht mir das Herz", sagte Schwanitz allerdings auch und berichtete von Momenten, an denen sie sich durchaus frage: "Warum hast du dir das angetan?"

Am 8. August könnte sie sich in Berlin für all die Mühen belohnen. "Ich denke schon, dass sie zur EM noch ein bisschen weiter stoßen kann", sagte Lang. Das wäre dann mit ziemlicher Sicherheit Gold.

(old/sid)