European Championships 2018: Russischer Stabhochspringer Lyssenko von Leichtathletik-EM 2018 in Berlin ausgeschlossen

European Championships 2018 : Russischer Stabhochspringer Lyssenko von EM ausgeschlossen

Offiziell ist Russland bei der Leichtathletik-EM nicht dabei - russische Sportler starten dennoch. Dabei müssen die "Neutralen Athleten" eine Menge Regeln beachten. Der russische Stabhochspringer Danil Lyssenko wurde kurz vor Beginn der EM vom Wettbewerb ausgeschlossen.

Keine Hymne, keine Flagge - doch das Misstrauen bleibt: Der russische Leichtathletik-Verband Rusaf ist zwar wegen des Staatsdoping-Skandals weiterhin suspendiert, bei der am Montag beginnenden EM in Berlin werden dennoch mehr als zwei Dutzend russische Sportler an den Start gehen. Offiziell firmieren die fast 30 gemeldeten "Neutralen Athleten" allerdings nicht als eigenständiges Team - und derzeit sieht es nicht so aus, als ob sich am Status Quo in naher Zukunft etwas ändern wird.

Zumal der Fall des Hallen-Weltmeisters Danil Lyssenko die Kritiker wieder bestätigte. Nur wenige Stunden vor den ersten Wettbewerben in Berlin entzog der Leichtathletik-Weltverband IAAF dem Topfavoriten im Hochsprung die Startberechtigung. Er hatte es mehrmals versäumt, seinen Aufenthaltsort bekannt zu geben. Dopingkontrollen waren deshalb nicht möglich - die IAAF bleibt gegenüber Russland hart.

"Es wurden in einigen Schlüsselpunkten Fortschritte gemacht, aber es sind auch noch einige Lücken zu schließen", sagte IAAF-Präsident Sebastian Coe in der vergangenen Woche, als der Weltverband die Suspendierung der Rusaf erneut bestätigte: "Wir haben Änderungen bewirkt, sie sind auch sichtbar. Aber wir waren noch nicht an dem Punkt, an dem alle Kriterien erfüllt wurden."

Für den europäischen Leichtathletik-Präsidenten Sven Arne Hansen zeigt der Fall des Weltklassehochspringers Danil Lyssenko, dass Russland noch nicht bereit für eine Aufhebung der Suspendierung ist. „Es zeigt, dass es noch einen langer Weg ist, bis die Athleten des Landes wieder unter russischer Flagge starten können“, sagte der Norweger.

Ohne die Wiederaufnahme der russischen Anti-Doping-Agentur Rusada in die Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada), die Übernahme der angefallen Kosten und den Zugang zu weiteren Dopingproben im Moskauer Labor führt für Russlands Verband kein Weg zurück auf die internationale Bühne. Und vor allem im ersten Punkt sind die Fronten verhärtet, noch immer weigert sich Russland, die Erkenntnisse des McLaren-Reports zum Skandal anzuerkennen.

Erst im Mai hatte die IAAF fünf russischen Gehern die Starterlaubnis aberkannt. Sie hatten ein Trainingslager beim berüchtigten Coach Wiktor Tschegin besucht. Dessen Schützlinge hatten für mehrere Dopingskandale gesorgt, Tschegin selbst wurde lebenslang gesperrt.

Einige russische Athleten haben immerhin den Weg zurück schon geschafft, zumindest teilweise. Insgesamt wurden 74 Ausnahmeanträge bewilligt, nicht alle schafften allerdings den Sprung nach Berlin.

Trotz des Aus für Lyssenko haben die Neutralen Athleten, die unter dem "Länderkürzel" ANA firmieren, einige Medaillenkandidaten in ihren Reihen. Allen voran die zweimalige Hochsprung-Weltmeisterin Marija Lassizkene und der Hürdensprint-Weltmeister von 2015, Sergej Schubenkow.

Sollten die Topstars ihrer Favoritenrolle gerecht werden und Gold gewinnen, wird aber nicht die russische Hymne, sondern die Hymne des europäischen Leichtathletik-Verbandes EAA auf dem Breitscheidplatz erklingen. Auch würde die Flagge des Europa-Verbandes gehisst.

Bei den weiteren Auflagen orientiert sich die EAA am Weltverband. So müssen die Athleten in einer "neutralen Uniform ihrer Wahl" antreten. Diese darf aber keinerlei Ähnlichkeit mit dem eigentlichen Nationaltrikot oder der Flagge Russlands aufweisen oder deren Farben enthalten. Ein Staffel-Auftritt ist ebenso verboten.

Nationale Symbole sind auch an anderer Stelle tabu. Selbst Tätowierungen, Schmuck oder auch Nagellack in Landesfarben sind nicht gestattet.

Bei der vergangenen EM in Amsterdam war lediglich eine Russin am Start: Whistleblowerin Julia Stepanowa. Die 800-m-Läuferin brachte mit ihrem Mann den Skandal ins Rollen und durfte mit einer Sondergenehmigung teilnehmen.

(rent/sid/dpa)
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