European Championships 2018: „Kampfsau“ Robert Harting hofft auf einen letzten großen Wurf bei der Leichtathletik-EM 2018 in Berlin

European Championships 2018 : „Kampfsau“ Robert Harting hofft auf einen letzten großen Wurf

Diskus-Star Robert Harting hat es trotz Verletzungen und Trainingspausen zur EM in seinem "Wohnzimmer" geschafft. Dort, wo 2009 alles begann, soll seine große Karriere mit einem letzten Hurra enden.

Wenn es Nacht wird in Berlin, hat Robert Harting seinen großen Auftritt. Als Lichtgestalt schaut er dann über seine Stadt, überlebensgroß projiziert auf die Fassade des Upper-West-Hochhauses am Bahnhof Zoo. "Krasse Aktion, es ehrt mich sehr", meinte der Diskus-Star.

Harting ist das Gesicht dieser Leichtathletik-EM in Berlin, doch er ist nicht mehr der Robert Harting von einst. Der Robert Harting, der 2009 im Olympiastadion seinen ersten von drei WM-Titeln in Serie gewann, sich im Glückstaumel sein Trikot vom Leib riss und drei Jahre später seine Karriere mit Olympia-Gold in London krönte.

"Das war das anstrengendste Jahr in meinem Leben", sagte Harting. Der 33-Jährige ist nach zahlreichen Verletzungen und ständigen Schmerzen nicht mehr der Chef im Ring. Doch der Kreis soll sich im Olympiastadion, seinem "Wohnzimmer", mit einem letzten Hurra schließen. "Da brauche ich auch die Zuschauer, die Atmosphäre. Der Tag muss stimmen", sagte Harting: "Es müssen viele Sachen stimmen. Früher war ich unabhängiger von solchen Faktoren."

Früher, also vor seinem Kreuzbandriss im Herbst 2014. Seitdem kann Harting, der rund 120 Kilo schwere und 2,01 Meter große Koloss, den Verschleiß an seinem Körper nicht mehr kaschieren. Fast hätte er es gar nicht zu seiner letzten EM geschafft, doch irgendwie trotzte Harting mit eisernem Willen allen Widerständen (Riss der Quadrizepssehne im rechten Knie) und löste das Ticket mit einem dritten Platz bei den deutschen Meisterschaften. Und insgeheim liebäugelt der Seriensieger von einst wohl doch wieder mit dem Gewinn einer Medaille.

"Ich kann nicht mehr die Spitze verteidigen. Ich werde aber schon den einen oder anderen Ritter darstellen, der wehrhaft ist und kurz nochmal Ansprüche stellt", sagte Harting, für den am Dienstag die Qualifikation ansteht, um das große Finale am Mittwoch zu erreichen (20.20 Uhr/ARD und Eurosport). Auf dem Papier haben sein Bruder, Rio-Olympiasieger Christoph Harting (67,59 m), sowie der Olympia-Dritte Daniel Jasinski (66,59) aber sicher bessere Chancen auf eine Medaille im Kampf gegen Weltmeister Andrius Gudzius (69,59/Litauen) und den starken Schweden Daniel Stahl (69,11).

Robert Harting liegt mit seinen 65,13 Metern nur auf Rang 16 in Europa, aber schließlich sei er "eine Kampfsau, er kann dann noch einen auspacken", wie Jasinski meinte. Wie sehr sich Harting für diesen letzten großen emotionalen Abschied gequält hat, konnten seine Fans zuletzt in einer TV-Dokumentation sehen. Seit den Wintermonaten wurde er von einem Kamerateam begleitet, mit "Sechsviertel" ist ein eindrucksvolles Porträt entstanden, das auch in die Kinos kommen soll.

Selbst Christoph Harting - die beiden reden schon lange kein Wort mehr miteinander - zeigte sich zuletzt beeindruckt von der Lebensleistung seines Bruders. "Das ist eine Sportkarriere, die alles hergibt. Der Mensch hat alles erreicht, was man im Sport erreichen kann", sagte er im ZDF.

Und nun endet die Harting-Saga dort, wo sie vor neun Jahren begann. Er will wieder das Maximum. "Meine persönlichen Ansprüche werden auch in der letzten Sekunde des Sportlerlebens nicht weichen", sagte er und hofft auf einen großen Auftritt.

(rent/sid)
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