Dopingskandal: Russlands Ton wird schärfer

„Vielleicht schon Krieg“ : Russlands Ton im Dopingskandal wird schärfer

Russland hat im neuesten Kapitel des Dopingskandals zum verbalen Gegenschlag ausgeholt. Am Donnerstag verfestigten sich im Streit um einen möglichen Ausschluss die Fronten.

Die Entscheidung über das mögliche Olympia-Aus Russlands rückt immer näher - und der Ton aus Moskau wird immer schärfer. Zumindest verbal holte die in Verruf geratene Sport-Großmacht am Donnerstag zum Gegenschlag aus.

"Das Thema wird politisch aufgeladen, um Russland aus dem Weg zu räumen. Es gibt einen Begriff dafür: unlauteren Wettbewerb. Es ist ein Kampf ohne Regeln, vielleicht ist es schon ein Krieg", sagte Maria Sacharowa, Sprecherin des russischen Außenministeriums: "Seit Jahren sehen wir eine Allianz, eine Lobby, die [...] Russland aus dem Weltsport ausschließen will."

Den Begriff Verschwörung verwendete Sacharowa zwar nicht, doch genau dies dürfte die Stimmungslage am ehesten beschreiben. "Das Thema Doping [...] fokussiert sich ausschließlich auf Russland, die Probleme in anderen Ländern werden überhaupt nicht diskutiert", sagte sie weiter.

Etwas zurückhaltender, aber nicht minder kämpferisch angesichts der drohenden Vierjahressperre gab sich Stanislaw Posdnjakow. Der Präsident des russischen Olympia-Komitees ROC betonte, mit allen Mitteln um die Teilnahme an den Sommerspielen im kommenden Jahr kämpfen zu wollen.

"Wir werden alles in unserer Macht stehende tun, damit unser Team in Tokio unter der russischen Flagge starten kann", sagte der einstige Weltklasse-Säbelfechter der Nachrichtenagentur RIA Nowosti. Jegliche Sanktionen gegen das ROC seien, so Posdnjakow, "unbegründet und aus rechtlicher und logischer Sicht inakzeptabel". Er betonte zudem, dass es für die "überwiegende Mehrheit" der russischen Sportler keine "sachlichen Hindernisse" gebe, die gegen eine vollständige Olympiateilnahme sprechen würden.

Am 9. Dezember entscheidet das WADA-Exekutivkomitee über die Sanktionen gegen Russland. Gegen eine mögliche Sperre könnte Russland noch Einspruch vor dem Internationalen Sportgerichtshof (CAS) einlegen.

Sollten die am Montag bekannt gewordenen Vorschläge der Prüfkommission in die Tat umgesetzt werden, dürfte Russland für vier Jahre an keinen sportlichen Großereignissen wie Olympischen und Paralympischen Spielen sowie Weltmeisterschaften teilnehmen oder solche Events ausrichten.

Russische Offizielle wären für den gleichen Zeitraum von diesen Wettbewerben ausgeschlossen. Sportler dürften allerdings nach eingehender Prüfung als neutrale Athleten starten, wie schon bei den Winterspielen 2018 in Pyeongchang/Südkorea. Auf "kontinentale Einzelsport-Ereignisse" wie beispielsweise die Fußball-EM 2020 hätten die Sanktionen laut WADA allerdings keinen Einfluss.

Hintergrund sind die mutmaßlichen Manipulationen von Daten aus dem Moskauer Kontrolllabor. Diese sollen das Ausmaß des institutionalisierten Dopingprogramms im Zeitraum von 2012 bis 2015 belegen.

Am Mittwoch hatte die russische Regierung die drohenden Sanktionen mit "Bedauern" aufgenommen. Dies seien "beunruhigende Informationen", hatte Kreml-Sprecher Dimitri Peskow erklärt, aber gleichzeitig betont: "Die russischen Sportbehörden waren und werden auch weiterhin so offen wie möglich dafür sein, mit der internationalen Sportgemeinschaft und auch der WADA zu kooperieren."

(sid/old)