"Die Rache des Bruders": "Kleiner Klitschko" mit "Gänsehaut"

"Die Rache des Bruders": "Kleiner Klitschko" mit "Gänsehaut"

Köln (sid) Für "Die Rache des Bruders" war alles gerichtet. Der Einmarsch von Schwergewichts-Europameister Wladimir Klitschko war begleitet von seiner neuen Hymne Emporio, gesungen von einem Stimmenwunder, und dann betrat schließlich auch der Peiniger seines Bruders Witali den Raum. Die erste Pressekonferenz vor der WBO-Weltmeisterschaft aller Klassen am 14. Oktober in Köln zwischen Champion Chris Byrd (USA) und dem "kleinen" der riesenhaften Klitschko-Brüder aus Hamburg gab bereits einen kleinen Vorgeschmack darauf, was die Fans in der Arena und an den TV-Bildschirmen erwartet.

"Ich habe eine Gänsehaut. Das ist ein gutes Zeichen. Ich kann nicht in den Ring gehen ohne gute Musik. Ich habe mir gerade vorgestellt, wie ich am 14. Oktober im Ring stehe", gestand Wladimir Klitschko nach der Ouvertüre im Saal Barthonia des Barthonia-Forums in Köln-Ehrenfeld. Amadeus Barthoni, bürgerlich Gerhard Sakowski, präsentierte die neue Hymne, die man nach "100 Änderungen" (Klitschko) endlich als Ersatz für "Simply the Best" von Tina Turner gefunden hatte. Der 31 Jahre alte Interpret gilt als Stimmenwunder und hat mit seinen 5,5 Oktaven Ivan Rebroff (4,5) aus dem Guinness Buch der Rekorde verdrängt.

Die Darbietung des Virtuosen in einem Boxring untermalten bengalische Feuer. Als das Stück beendet war, der Rauch seine größte Dichte erreicht hatte und der Sauerstoffgehalt im Saal auf 20 Prozent abgesackt war, ging man endlich zum sportlichen Teil über. "Es ist wirklich einzigartig, gegen den Bruder eines Kämpfers anzutreten", schwärmte Byrd, der eigens für die Promotion am Sonntag aus Chicago angereist war und direkt nach der Pressekonferenz wieder die Rückreise antrat.

Der 30 Jahre alte Rechtsausleger aus Flint/Michigan hatte sich die WBO-Krone am 1. April dieses Jahres in Berlin von Wladimirs älteren Bruder Witali Klitschko geholt, der damals wegen einer Schulterverletzung hatte aufgeben müssen. Mit dem Titel des Kampfes ("Rache des Bruders") war der Herausforderer und Bezwinger von Axel Schulz aber nicht einverstanden. "Das ist ein sehr harter Name für einen Kampf. Man kann den Fight unter zwei Aspekten betrachten: Erstens ist es ein WM-Kampf, wovon ich immer geträumt habe. Zweitens ist Witali ja nicht verprügelt worden, er war verletzt." Ganz die Antwort eines Akademikers - Wladimir Klitschko schreibt gerade an seiner Doktorarbeit.

Chris Byrd ist in der Szene wegen seines unorthodoxen Stils als "Stinker" bekannt, weshalb die meisten ambitionierten und aufstrebenden Kämpfer um ihn einen großen Bogen gemacht haben. "Ich liebe es, ein Außenseiter zu sein. Wladimir schlägt mehr. Aber ich kann viel einstecken und komme immer wieder zurück", prophezeihte Byrd, dessen Veranstalter im übrigen Klitschkos Promoter Klaus-Peter Kohl ist.

Der letzte Fight von Klitschko gegen Monte Barrett (K.o.-Sieg 7. Runde) hat Byrd die letzten Zweifel genommen, wer als Sieger den Ring verlässt. "Er hat einen Kämpfer gestoppt, der zuvor niemals vorzeitig verloren hat. Aber mit gewöhnlichen Mitteln. Danach wollte ich Klitschko unbedingt haben." Nach einer ordentlichen Runde Schattenboxen in feinem Zwirn nahm der Weltmeister, im Gepäck zwei Maskottchen von den Kölner Haien, seine Gattin Tracy an die Hand und entschwand zum Flughafen.

(RPO Archiv)
Mehr von RP ONLINE