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Italien droht mit EM-Verzicht

Italien droht mit EM-Verzicht

Düsseldorf/Rom Eigentlich ist Italien Mitfavorit auf den Gewinn der Europameisterschaft. Doch die Vorbereitung wird überschattet von den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wegen des Wettskandals in der Serie A. Gestern drohte Trainer Cesare Prandelli mit dem EM-Verzicht seiner Mannschaft: "Wenn man uns sagen würde, dass die Nationalmannschaft für das Wohl des italienischen Fußballs nicht an der EM teilnehmen sollte, wäre es für mich kein Problem. Es gibt Wichtigeres." Eine Provokation des sichtlich genervten Prandellis, denn zu einer EM ohne den viermaligen Weltmeister wird es wohl nicht kommen.

Dennoch versinkt Italiens Fußball derzeit im Chaos. Beinahe täglich tauchen neue Einzelheiten zum Wettskandal auf, die weitere Spieler belasten. Die Ermittler sehen eine "verheerende Verschmutzung" des Calcio. Die Staatsanwälte hatten zunächst im Trainingslager eine Razzia durchgeführt und das Zimmer von Domenico Criscito durchsucht. Der wurde vom Verband aus dem Kader gestrichen, beteuerte aber gestern, er sei zu Unrecht ausgemustert worden: "Damit bin ich nicht einverstanden. Der Fußballverband hätte abwarten müssen. Ich habe überhaupt nichts mit der Sache zu tun."

Zuletzt waren die Anschuldigungen auf Leonardo Bonucci vom italienischen Meister Juventus Turin wegen des Verdachts des Sportbetrugs und der Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung ausgeweitet worden. Und jetzt sieht sich Torwart Gianluigi Buffon Vorwürfen ausgesetzt. Ein Wettanbieter in Parma soll 1,58 Millionen Euro von Buffon erhalten haben. Buffon pflegt eine kostspielige Wettleidenschaft, wegen der bereits 2006 gegen ihn ermittelt worden war. Die Staatsanwaltschaft Cremona erklärte, Buffon werde vor der EM nicht als Zeuge im Wettskandal einbestellt. Prandelli stellte sich hinter seinen Torwart: "Er ist stark und hat eine großartige Persönlichkeit."

Es ist nicht das erste Mal, dass Italiens Fußball vor einem großen Turnier in der Krise steckt. 1982 deckte die italienische Justiz auf, dass die Ligaspiele von der Mafia beeinflusst wurden. Und 2006 flog der Manipulationsskandal um Juve-Manager Luciano Moggi auf. Beide Male wurde Italien Weltmeister.

Zuletzt war eine Mannschaft 1992 nachgerückt: Für Jugoslawien, das wegen des ausbrechenden Krieges ausgeschlossen wurde, rückte der damalige Gruppenzweite und spätere Europameister Dänemark nach. Nach der Logik würde nun für Italien Estland, Zweiter der Qualifikationsgruppe C, nachrücken.

(RP)