Malysz-Riesensatz schon wieder übertroffen: Hautamäki verbessert Skiflug-Weltrekord

Malysz-Riesensatz schon wieder übertroffen: Hautamäki verbessert Skiflug-Weltrekord

Planica (rpo). Matti Hautamäki hat einen neuen Skiflug-Weltrekord aufgestellt. Der Finne landete beim Weltcup-Finale in Planica bei 227,5 Metern.

Zitternd vor Aufregung riss Matti Hautamäki die Fäuste in den stahlblauen Himmel, nachdem er die Weltrekord-Show von Planica mit einem Flug auf 227,5 Meter gekrönt hatte. Der Team-Weltmeister aus Finnland verbesserte um 12.06 Uhr die gut zwei Stunden alte Bestmarke des Polen Adam Malysz, der mit 225 Metern genauso weit wie der alte Rekordhalter Andreas Goldberger (Österreich) vor drei Jahren geflogen war.

Sven Hannawald bereitete sich zu diesem Zeitpunkt bei seinen Eltern in Jettingen auf das Duell um den Gesamtweltcup-Sieg gegen Malysz vor. Der Deutsche muss bei den beiden finalen Einzel-Fliegen am Wochenende 122 Punkte aufholen. Trotz des Irak-Kriegs findet auch das Team-Fliegen am Freitag (alles 10 Uhr live im ZDF) wie geplant statt.

"Das war ein magischer Flug. Ich kann überhaupt noch nicht begreifen, dass ich Weltrekord geflogen bin. Ich habe einfach nur versucht, meine Ski in der Luft zusammenzuhalten", sagte Qualifikations-Sieger Hautamäki dem Sport-Informations-Dienst (sid) und knetete seine immer noch zitternden Hände: "Eigentlich ist ja ein WM-Titel mehr wert, aber so einen Flug vergisst man sein ganzes Leben nicht. Und die Welt vergisst einen als Weltrekordler auch nicht. Wahnsinn." Auf der größten Schanze der Welt gab es am Donnerstag mit 35 Flügen über die 200-Meter-Marke das größte Weiten-Festival aller Zeiten.

Uhrmann bester Deutscher

Bester Deutscher vor 15.000 begeisterten Fans war der auf 209 Meter gesegelte Michael Uhrmann (Rastbüchl) als Qualifikations-Fünfter: "Das hat einfach gigantischen Spaß gemacht. Hut ab vor Hautamäki, es war ein unglaublicher Bilderbuchflug." Christof Duffner (Schönwald) knackte mit 200,5 Metern ebenfalls die ominöse Marke.

Bundestrainer Reinhard Heß nominierte neben Hannawald, Uhrmann und Duffner auch Georg Späth (Oberstdorf/191,5 Meter) für das Teamfliegen. Zudem qualifizierten sich Michael Neumayer (Berchtesgaden/188), Alexander Herr (Rohrhardsberg/187,5) und Michael Möllinger (Hinterzarten) 167) für die erste Einzel-Konkurrenz am Samstag.

Der große Star an einem frühlingshaften Tag mit idealen Aufwind-Bedingungen war Hautamäki, der die Qualifikation mit 223,0 Punkten vor dem mit zwei Luken weniger Anlauf gestarteten Malysz (222,5/219,5 Punkte) gewann. Der kleine Pole gab Hautamäki fair die Hand, nachdem sein im ersten Trainings-Durchgang aufgestellter Weltrekord weg war. "Hier sind 230 Meter möglich, das kann am Freitag auch Sven Hannawald schaffen", meinte Malysz. Der Doppel-Weltmeister von Val di Fiemme ist längst noch nicht sicher, dass er am Sonntag als erster Skispringer der Geschichte die große Kristallkugel zum dritten Mal in Folge gewinnt.

Hannawald mit Mini-Chance auf Gesamt-Weltcup

"Sven hat noch seine Chance. Hier fliegen viele so gut, dass sie eine Lücke zu Malysz reißen könnten", meinte Uhrmann. Wenn Hannawald zweimal gewinnt und Malysz auf den Plätzen sechs und sieben landet, stünde der erste Gesamtweltcup-Sieg für den deutschen Team-Olympiasieger doch noch fest.

Hannawald stapelt jedoch tief: "Das Ding ist abgehakt. Adam ist so gut in Form, der zieht das durch. Ich will einfach einen geilen Abschluss haben." Insgeheim will er noch den mit 25.000 Euro versüßten Sieg, deshalb verzichtete der 28-Jährige auf die Qualifikation und nutzt das Teamfliegen am Freitag als Training.

Gedanken machten sich Hannawald und das gesamte deutsche Team in erster Linie über den Irak-Krieg. In Planica war davon bis auf vereinzelte Pfiffe gegen den US-Amerikaner Alan Alborn nichts zu spüren. "Der slowenische Staat muss die Sicherheits-Garantien für die Teilnehmer geben. Wir stellen unseren Sport nicht ein", sagte Mediendirektor Christian Knauth vom Internationalen Skiverband.

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