Charaktertest mit Mühe bestanden Handballer schlagen Ägypten und spielen gegen Norwegen um Platz fünf

Update | Stockholm · Die deutschen Handballer sind bei der Weltmeisterschaft in die Erfolgsspur zurückgekehrt. Das Team von Bundestrainer Alfred Gislason gewann das erste Spiel in der Platzierungsrunde gegen den Olympia-Vierten Ägypten. Nun wartet Norwegen.

 Andreas Wolff hält den Sieg gegen Ägypten fest.

Andreas Wolff hält den Sieg gegen Ägypten fest.

Foto: dpa/Jan Woitas

Kapitän Johannes Golla ließ seinem Ärger über den unnötigen Kraftakt freien Lauf, Bundestrainer Alfred Gislason war nach einem Handball-Krimi mit Happy Ende einfach nur erleichtert. Mit dem 35:34 (30:30, 17:14)-Zittersieg nach Verlängerung gegen den Olympia-Vierten Ägypten haben die deutschen Handballer um den überragenden Torhüter Andreas Wolff ihre Chance auf Platz fünf bei der Weltmeisterschaft gewahrt.

„Wir haben ab der 45. Minute alles falsch gemacht, was man falsch machen kann. Es war erschreckend, was da passiert ist“, schimpfte Golla über den Einbruch der DHB-Auswahl in der zweiten Halbzeit, durch den eine Acht-Tore-Führung verspielt wurde. „Es kann schon sein, dass sich einige vielleicht zu sicher waren.“

Gislason räumte später ein: „Es wäre schon sehr, sehr bitter gewesen, wenn wir dieses Spiel noch aus der Hand gegeben hätten.“ Am Ende war der 63 Jahre alte Isländer heilfroh, „dass die Jungs sich in der Verlängerung noch zusammengerissen und das Spiel gewonnen haben.“ Dadurch geht es jetzt am Sonntag um Rang fünf gegen Norwegen. Die Skandinavier setzten sich gegen Ungarn mit 33:25 (16:13) durch.

Handball-WM 2023​ Kader: Die deutschen Spieler - Fotos
19 Bilder

Das ist der deutsche Kader für die Handball-WM 2023

19 Bilder
Foto: dpa/Sascha Klahn

Garant des dramatischen deutschen Erfolges war Wolff. „Wir werden in der ersten Halbzeit von Andi im Spiel gehalten. Was er da macht, ist natürlich Weltklasse“, lobte Golla. Mit insgesamt 20 Paraden brachte Wolff die Ägypter teilweise zur Verzweiflung. „Ich freue mich natürlich, dass ich der Mannschaft helfen konnte“, sagte der 31-Jährige. „Aber das Wichtigste ist der Sieg.“

Bis Mitte der zweiten Halbzeit schien alles auf einen lockeren Sieg der DHB-Auswahl hinauszulaufen - ehe die Gislason-Schützlinge in der Schlussphase einbrachen. „Wir haben in den letzten 20 Minuten des Spiels, glaube ich, kein einziges Tor aus dem Rückraum gemacht“, kritisierte der Bundestrainer.

Vor der trostlosen Kulisse von 1604 Zuschauern in der riesigen Stockholmer Tele2-Arena zeigte die DHB-Auswahl, für die Juri Knorr mit sieben Toren bester Werfer war, zumindest die erhoffte Sieg-Reaktion auf die klare 28:35-Niederlage im Viertelfinale gegen Olympiasieger Frankreich.

Zunächst waren keine Nachwehen zu spüren. Die deutsche Mannschaft erwischte einen überragenden Start in die Partie, und das lag vor allem wieder einmal an Wolff. Der Torhüter kaufte den teilweise frei vor ihm auftauchenden Ägyptern den Schneid ab.

So zog das Team von Gislason, dessen 2024 auslaufenden Vertrag der Deutsche Handballbund so schnell wie möglich verlängern will, davon. „Ihr macht das alles sehr, sehr gut“, lobte der Bundestrainer seine Akteure in einer Auszeit während der ersten Halbzeit.

Solche Worte gibt es vom Isländer nicht oft, aber tatsächlich gab es bis dahin kaum etwas auszusetzen. Was neben Wolff auch diesmal vor allem an Knorr lag. Der Regisseur dirigierte das deutsche Spiel erneut mit Bravour und sammelte zudem weitere Tore und Vorlagen.

Der Jüngste im deutschen Team zählt längst zu den besten Scorern des Turniers. Mit gerade einmal 22 Jahren bewegt er sich in einer Liga mit Weltklasse-Rückraumspielern wie Mikkel Hansen oder Kay Smits. Was allerdings auch zur Wahrheit zählte: Der Rest des Teams kann dauerhaft nicht mit den Leistungen von Wolff und Knorr mithalten. „Uns fehlt die Breite im Kader“, stellte Gislason einmal mehr fest.

So kamen die Ägypter immer wieder heran. Und zwar meistens dann, wenn Wolff ausnahmsweise mal keine Top-Paraden zeigte. Knapp zehn Minuten vor Schluss war der Vorsprung auf zwei Tore geschmolzen.

Der Afrikameister nutzte die deutschen Schwächen und stand bei einem Lattentreffer in letzter Sekunde sogar dicht vor dem Sieg. In der zehnminütigen Extraspielzeit lagen sie dann beim 33:32 sogar vorn. Julian Köster erlöste mit dem Siegtreffer schließlich die deutsche Mannschaft. „Zum Glück sind wir mit einem blauen Auge davongekommen“, sagte Köster.

(dör/SID)