„Wir brauchen alle“ Warum die zweite Reihe für das DHB-Team Gold wert sein könnte

Kattowitz · Das Vorrundenfinale dient den deutschen Handballen als perfekte Möglichkeit, sich für den Kampf um das Viertelfinale weiter zu einzuspielen. Der zweite Anzug könnte noch Gold wert sein.

 Paul Drux vertrieb sich die freie Zeit am Montag mit ein bisschen Fußball.

Paul Drux vertrieb sich die freie Zeit am Montag mit ein bisschen Fußball.

Foto: dpa/Jan Woitas

Ein bisschen Training, ein wenig Pflege und die eine oder andere Runde Karten zocken: Die deutschen Handballer ließen es am Tag nach dem erreichten WM-Etappenziel ruhig angehen. „Es ist wirklich was abgepurzelt, uns ist ein großer Stein vom Herzen gefallen“, berichtete Philipp Weber am Montag in Kattowitz.

Mit dem Hauptrunden-Ticket und dem Gruppensieg in der Tasche nutzten Kapitän Johannes Golla und Co. ihren ersten echten „Ruhetag“ daher auch, um neue Kräfte zu sammeln. WM-Shootingstar und „Finanzguru“ Joel Birlehm blieb sogar Zeit, die jüngsten Aktienkurse zu studieren. „Die Lage ist positiv, die Stimmung demzufolge äußerst gut“, sagte Co-Trainer Erik Wudtke.

Das Vorrundenfinale gegen den krassen Außenseiter Algerien am Dienstag (18.00 Uhr/ZDF) nimmt aber niemand im DHB-Team auf die leichte Schulter. „Wir dürfen uns jetzt nicht auf die faule Haut legen“, warnte Birlehm. Und auch Rechtsaußen Patrick Groetzki will den Flow unbedingt mitnehmen: „Wir haben eine gute Ausgangslage, um ins Viertelfinale einziehen können.“

Eine bedeutende Erkenntnis nach dem 34:33 gegen Serbien war: Kurz vor dem Start der heißen Turnierphase sitzt der viel kritisierte „zweite Anzug“ immer besser. „Es ist ein wichtiges Signal, dass einer wie Joel reinkommt und so wertvoll sein kann“, sagte Bundestrainer Alfred Gislason zur Top-Leistung des Torhüters von den Rhein-Neckar Löwen, der eigentlichen Nummer zwei hinter Andreas Wolff.

Birlehm, der von seinen Teamkollegen auch für seine Finanzexpertise geschätzt wird, steht mit seiner Glanzleistung in der Schlussphase gegen Serbien sinnbildlich für die Entwicklung der vermeintlichen Reserve. „Wir können uns auf jeden verlassen, der im Team ist“, sagte Weber und sprach von einer „sensationellen Leistung von uns allen. Es ist extrem viel zusammen gewachsen.“ Es gilt als sicher, dass die Spieler aus der zweiten Reihe sich gegen Algerien weiter einspielen dürfen.

Fakt ist: Nur wenn alle 16 Akteure ihre Leistung abrufen, darf sich Deutschland in der Hauptrunde Chancen auf die K.o.-Runde ausrechnen. Die Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) nimmt definitiv 4:0 Punkte in die Partien gegen Norwegen mit Kiels Superstar Sander Sagosen und die Niederlande mit. Erster von den drei deutschen Hauptrundengegnern im Kampf um das anvisierte WM-Viertelfinale ist am Donnerstag Nordmazedonien oder Argentinien.

Bereits gegen Serbien sahen die 6,27 Millionen Fernsehzuschauer in der Heimat, wie Back-up-Spieler wie Birlehm genau zur richtigen Zeit ins Rampenlicht drängten. Gislason lobte etwa Christoph Steinert für seine Leistung „in Angriff und Abwehr“, auch Jannik Kohlbacher habe „sehr gut gespielt“ - und Youngster Julian Köster habe in der Offensive „eine sehr wichtige Phase gehabt“.

Das schätzte auch Johannes Golla als extrem wertvoll ein. „Es ist wichtig, dass jeder Spieler sieht: Es ist zwar eine Weltmeisterschaft, aber ich bin gut genug, dem Spiel meinen Stempel aufzudrücken“, sagte der Kapitän und bekräftigte: „Es ist klar, dass du nicht mit sechs, sieben Leuten so ein Turnier durchrocken kannst. Wir brauchen alle.“

(dör/SID)