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Handball-WM: Märchen, zweiter Teil?

WM im Januar : Handball-Märchen, zweiter Teil?

Wieder hat die deutsche DHB-Auswahl vor einem großen Turnier mit Verletzungsproblemen zu kämpfen. Wieder zeigt sich Trainer Dagur Sigurdsson dennoch zuversichtlich. Die WM in Frankreich im Januar ist seine Abschiedsvorstellung.

Dagur Sigurdsson hat den Kämpferblick aufgesetzt. "Deutschland ist die beste Nation, um solche Ausfälle zu kompensieren. Ich sehe keinen Grund, warum wir keinen guten Handball spielen können", sagte der Trainer der deutschen Handball-Nationalmannschaft. Knapp ein Jahr ist es her, dass der Isländer diese Aussage traf. Nun hat den Coach ein Déjà-vu-Erlebnis ereilt. Wieder steht ein großes Turnier an. Wieder muss er auf viele Schlüsselspieler verzichten. Bei der EM im Januar in Polen hatte das junge Team den Glauben an große Taten von Sigurdsson eingeimpft bekommen und am Ende überraschend den Titel gewonnen. Deshalb lautet die Marschroute bei der WM in Frankreich (11. bis 29. Januar) jetzt eben: Handball-Märchen, Teil II.

Dass die Europameister Christian Dissinger, Hendrik Pekeler, Fabian Wiede und Martin Strobel fehlen werden, war klar. Seit gestern steht fest, dass auch Steffen Weinhold die Dienstreise ins Nachbarland nicht antreten kann. Am Sonntag zog sich der 30Jährige in der Bundesligapartie mit dem THW Kiel gegen Magdeburg (28:24) einen Syndesmoseriss zu. Drei Monate muss er pausieren. Als Ersatz stehen für den rechten Rückraum neben Kai Häfner und Jens Schöngarth auch Debütant Nicolai Theilinger und Altmeister Holger Glandorf im 28köpfigen Aufgebot, das Sigurdsson gestern bekanntgab. Auch Pekeler, der wie Dissinger wegen zu hoher Belastungen freiwillig auf die WM verzichtet, steht im vorläufigen Kader.

"Pekeler und Glandorf sind als Reserve für den Notfall eingeplant, beide haben sich dazu bereit erklärt. Das zeigt Charakter", sagte Sigurdsson, der aber auch deutlich machte, dass beide Spieler aller Voraussicht nach nicht zum 18-köpfigen Kader gehören werden, mit dem der DHB die WM-Vorbereitung am 28. Dezember beginnen wird. Am Abend vor dem ersten WM-Spiel gegen Ungarn (13. Januar) muss Sigurdsson sich dann auf maximal 16 Spieler festlegen. "Wir haben schon öfter mit Verletzungen leben müssen. Wir wissen, dass der Kader breit und stark ist. Wichtig ist eine gute Vorbereitung", sagte der 43Jährige.

Die größte Waffe der deutschen Mannschaft dürften neben den Torhütern die Außenpositionen sein. Durch Kapitän Uwe Gensheimer und Rune Dahmke auf links sowie Europameister Tobias Reichmann und Patrick Groetzki auf rechts sind beide Seiten doppelt stark besetzt.

Die WM wird das vierte und letzte Turnier für Sigurdsson mit der deutschen Nationalmannschaft. Danach wird er Nationaltrainer Japans. "Ich habe immer versucht, diese Sache nicht so dramatisch zu sehen und einfach trocken die nächste Aufgabe zu machen. Und so bleibt es auch", sagte Sigurdsson.

Neben Ungarn trifft die DHB-Auswahl in der Gruppe C auf Kroatien, Weißrussland, Chile und Saudi-Arabien. Die jeweils vier besten Teams aus den vier Sechsergruppen qualifizieren sich für das Achtelfinale.

Das deutsche Team will besser als vor zwei Jahren abschließen. Bei der WM in Katar wurde sie Siebter. Bob Hanning setzt dabei wieder auf den Faktor Sigurdsson. "Das wird sicher eine sehr, sehr schwierige WM. Aber vielleicht kann man sich mit der einen oder anderen cleveren Variante des Coaches in das Turnier spielen", sagte der DHB-Vizepräsident. Der Coach hat ohnehin wieder den Kämpferblick aufgesetzt: "Aufgrund unserer Leistungsdichte sind wir zuversichtlich, diese Ausfälle ähnlich wie bei der Europameisterschaft im vergangenen Januar kompensieren zu können."

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das ist Dagur Sigurdsson

(erer)