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Handball-WM 2021: Porträt von Bundestrainer Alfred Gislason

Porträt des Handball-Bundestrainers : Tüftler Gislason freut sich auf die „Challenge“ in Ägypten

Wie groß die Herausforderung als Handball-Bundestrainer werden würde, konnte Alfred Gislason bei seinem Antritt im Februar 2020 nicht wissen. Der erfahrene Isländer nimmt die aktuelle Ausnahme-Situation aber wie sie ist und freut sich auf die „Challenge“ bei der WM in Ägypten.

Alfred Gislason hat als Vereinstrainer im Handball schon alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt: Nationale Meisterschaften und Pokale, die Champions League und den EHF Pokal. Vor allem bei THW Kiel prägte er zwischen 2008 und 2019 eine äußerst erfolgreiche Ära, unter anderem mit vier Meisterschaften in Folge.

Der 61-Jährige hat aber noch lange nicht genug, er lebt für den Handball. Deshalb stellte er sich im Februar 2020 einer neuen Herausforderung, als er Christian Prokop als Bundestrainer der Handball-Nationalmannschaft ablöste. Wie groß diese Herausforderung werden sollte, konnte der Isländer da aber noch nicht einmal erahnen.

Zunächst sah es „nur“ so aus, als müsste er beweisen, dass die umstrittene Entlassung Prokops nach dem fünften Platz bei der Europameisterschaft gerechtfertigt war und zum Erfolg führte. Die Olympischen Spiele waren das erste Ziel, dann die Weltmeisterschaft im Januar 2021. Nach dem jungen und als Trainer noch unerfahrenen Prokop verpflichtete der DHB sicher ganz bewusst den erfahrenen Isländer, quasi den Gegenentwurf zu seinem Vorgänger. Einen, der genau weiß, wie man Titel holt.

„Ich habe nie einen Hehl daraus gemacht, dass es für mich ein Traumjob ist, Handball-Bundestrainer zu sein“, sagte Gislason damals, der auch bei anderen Nationen im Gespräch war und den DHB deshalb zum schnellen handeln zwang: „Ich werde versuchen, eine Dynamik zu entwickeln. Wir haben eine sehr homogene Mannschaft. Ich werde mit Sicherheit auf dem aufbauen, was bei der EM stattgefunden hat.“

Zunächst konnte er aber überhaupt nichts aufbauen: Aufgrund der Corona-Pandemie wurden die Olympischen Spiele und auch sämtliche anderen Partien abgesagt, das erste Länderspiel unter neuem Bundestrainer fand erst neun Monate nach dessen Ernennung statt. Gislason konnte sich plötzlich doch wieder den Rosen im heimischen Garten widmen.

Seit seiner Zeit als Trainer des SC Magdeburg von 1999 bis 2006 ist Gislason in Sachsen-Anhalt heimisch geworden. Dort lebt er in einem kleinen Dorf auf einem Hof, auf dem er eine Ruine in ein ansehnliches Wohnhaus umbaute und eben einen großen Rosengarten anlegte.

Er wird die Zeit aber auch zum Arbeiten genutzt haben. Gislason hat Unmengen an Videomaterial auf seinem Laptop, mit dem er sich ständig beschäftigt und mit dem er seine Mannschaften akribisch auf die Spiele vorbereitet. Er galt vor einiger Zeit als Pionier des Videostudiums. Bestimmt hat sich der detailversessene Trainer in der Zwangspause auch mit einigen deutschen Spielern auseinandergesetzt, die noch nicht so sehr im Fokus der Nationalmannschaft standen, die er bei der WM in Ägypten nun aber brauchen wird. Im Vorfeld hatte es viele Absagen von Stammspielern gegeben, die aufgrund gesundheitlicher Bedenken nicht mitreisen wollten.

Absagen, die ihnen nicht leichtgefallen sind. Patrick Wiencek fürchtete sich vor allem vor der Reaktion des Bundestrainers: „Das war die größte Angst, die ich hatte. Vor Alfred hat man schon ziemlich viel Respekt.“ Den hat sich Gislason erarbeitet durch große Erfolge, aber auch durch seine nach Außen oft sehr streng wirkende Art.

Zahlreiche Spieler haben abgesagt, darunter zum Beispiel die defensiven Stützen Hendrik Pekeler und eben Wiencek. „Das größte Kopfzerbrechen bereitet mir die Abwehr“, sagte Gislason deshalb. Jammern helfe aber nicht, viel mehr freue er sich auf die neuerliche Herausforderung: „Ich liebe diesen kreativen Beruf seit jeher, und ich bin sehr gespannt, was mit dieser Mannschaft möglich ist. Ich habe meine Ideen, weiß aber nicht, was am Ende rauskommt. Das ist spannend. Ich nehme die Challenge an.“

(stja/sid/dpa)