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Handball-WM 2021: Kap Verde freut sich auf deutsche Handball-Stars

Neuling bei der WM : Außenseiter Kap Verde freut sich auf deutsche Handball-Stars

Das Team der Kapverdischen Inseln ist ein Exot bei der Handball-WM. Rückraumspieler Ivo Santos spielt sonst für die Reserve des Bergischen HC. Nun warten auf ihn uns seine Mannschaftskollegen die Topstars des Handballs.

Schon vor dem Start der Handball-WM war die Aufregung beim Team von den Kapverdischen Inseln groß. Mehrere Teammitglieder wurden im Trainingslager in Portugal positiv auf das Coronavirus getestet. Bis kurz vor der Abreise war unklar, ob man überhaupt nach Ägypten fliegen darf. Die Mannschaft durfte, musste sich in einem eigenen Hotel isolieren. Am Tag vor ihrem Auftaktspiel gegen Ungarn dann der nächste Schock – vier Spieler sind erneut positiv getestet worden. Die Teilnahme an der WM war damit wieder ungewiss. Doch dann kam am Freitagnachmittag, wenige Stunden vor Anwurf des Spiels gegen Ungarn die erlösende Nachricht: Die jüngsten Corona-Tests seien alle negativ ausgefallen, teilte der Weltverband IHF auf dpa-Anfrage mit. Deshalb stehe der Austragung der Partie nichts im Wege.

Mit dem Turnier sollt für den WM-Neuling aus Afrika ein Traum in Erfüllung gehen - auch für Ivo Santos. Der 28-Jährige spielt für die zweite Mannschaft des Bergischen HC, lebt in Solingen, arbeitet in Langenfeld und ist seit 2017 kapverdischer Nationalspieler. Bei der WM würde er auf seine großen Vorbilder aus der Bundesliga treffen. Schade findet er, dass sein Idol Patrick Wiencek der DHB-Auswahl für die WM abgesagt hat. Als Kreisläufer hätte er es gerne mit ihm zu tun bekommen, sagte er der Fachzeitschrift „Handball Inside“.

Die Mannschaft von Kap Verde hat sich zum ersten Mal in der Geschichte ihres gut 500.000 Einwohner zählenden Inselstaates für die Weltmeisterschaft im Handball qualifiziert. Noch nie nahmen so viele Länder an einer Handball-WM teil, dennoch ist es für das Land mit gerade mal 1500 registrierten Handballern eine Sensation, dabei zu sein. Immerhin gelang die Qualifikation direkt bei der ersten Teilnahme an der Afrika-Meisterschaft 2020 – mit Platz fünf. Ein kapverdisches Männer-Nationalteam gibt es schon länger, allerdings fehlte bisher das Geld, um zu größeren Turnieren zu reisen.

Nun hat die Mannschaft seit etwas mehr als einem Jahr mit dem Portugiesen José Tomas einen erfahrenen Trainer, der den talentierten Spielern ein passendes System und Selbstvertrauen verpasst hat. Kap Verde ist ein Exot unter den 32 Teams. Und die wenigsten Gegner wissen genau, was auf sie zukommt. Spieler wie Ivo Santos gehören zu den Leistungsträgern im Team. Anders als die deutschen Nationalspieler und auch einige seiner Teamkollegen ist der fast zwei Meter große Rückraumspieler aber kein Profi, der sein Geld ausschließlich durchs Handballspielen verdient. Den Sprung in die Bundesliga hat er nicht geschafft. Doch für das kraftvolle Spiel seiner Mannschaft ist er wichtig, auch wenn alleine zwölf der 23 Spieler ihr Geld in der starken portugiesischen Liga verdienen – drei weitere in Spanien.

Bei der Afrika-Meisterschaft in Tunesien hat die Mannschaft bereits bewiesen, dass sie mit Druck und Rückschlägen umgehen kann. Das erste Spiel gegen Marokko ging deutlich verloren. Schon da hätte man mit einem Sieg die Qualifikation zur WM schaffen können. Die Mannschaft habe dort gespürt, was auf ihr laste und das habe sie gehemmt, sagte Trainer Tomas später. Doch seine Spieler lernten daraus, schafften die Qualifikation gegen Algerien und gewannen dann auch noch im zweiten Spiel gegen die hochfavorisierten Marokkaner. „Da hat das Team gezeigt, dass es Qualität hat und noch großes Steigerungspotenzial“, sagte der Trainer im Interview mit dem internationalen Handballverband IHF. Das ganze Land freute sich mit dem Team, das ohne große Stars und Mittel nun zur WM fahren durfte. „Wir haben die Handball-Welt überrascht, das war wundervoll und spektakulär“, sagt Nelson Jesus, Präsident des kapverdischen Handballverbandes. Allein bei der WM dabei sein zu können ist für Spieler, Trainer und Funktionäre ein Höhepunkt und ein Gewinn. „Das ist eine einmalige Chance für die jungen Talente dieses Landes“, sagt der Trainer.

Dennoch geht Kap Verde nicht gänzliche ohne Ambitionen in das Turnier, auch wenn die Corona-Fälle Trainer und Spieler vor Probleme stellen. „Es gibt keinen Druck. Wir wollen die Spiele genießen und versuchen, mit den besseren Teams irgendwie mitzuhalten“, sagte Kapitän Leandro Semedo der IHF Wochen vor der WM. Und auch Santos sagte: „Wir werden alles dafür tun, um bei der WM ein gutes Bild abzugeben.“ Dass man ein kämpferisches Team mit Zielen sei, habe man in Tunesien bewiesen.

Und so warnt auch der deutsche Bundestrainer Alfred Gislason inzwischen vor dem WM-Neuling: „Als sie ausgelost wurden, habe ich mich erst mal gefragt: Wo sind die überhaupt?“, sagte der Isländer der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Inzwischen habe er das Spiel der kapverdischen Mannschaft im Videostudium analysiert. Dabei habe er festgestellt, dass die Mannschaft gar nicht so schlecht und vor allem athletisch stark sei: „Wenn du sie kommen lässt, können wir erschossen werden. Da müssen wir schon aufpassen.“

Das Team dürfte sich über die Warnungen des Bundestrainers, die auch eine Anerkennung der geleisteten Arbeit auf den Kapverdischen Inseln ist, freuen. Dennoch sind die Spiele gegen Deutschland und Ungarn eher welche aus der Kategorie „Erfahrungen sammeln“. Das Ziel der Mannschaft ist ein Sieg gegen den zweiten WM-Debütanten in Gruppe A: Uruguay. Der könnte schon zur Teilnahme an der Hauptrunde reichen, denn die besten drei der vier Teams kommen weiter. Der Traum wäre die Hauptrunde mit einem Spiel gegen Spanien, den Europameister, ließ Santos im „Handball Insider“ wissen.

Hier geht es zur Infostrecke: Fragen und Antworten zur Handball-WM 2021 in Ägypten