Handball-WM 2019: Provokation von Tobias Reichmann trübt WM-Euphorie nach Auftaktsieg

Nach Sieg gegen Korea: Provokation von Reichmann trübt WM-Euphorie

Deutschland hat zum Auftakt der Handball-WM 2019 am Donnerstag souverän gegen Korea gewonnen. Für eine Gänsehaut-Atmosphäre hatten die Zuschauer in Berlin gesorgt. Und der aussortierte Tobias Reichmann sorgte trotz Abwesenheit für Ärger.

Als Abwehrhüne Finn Lemke den Abend in der Berliner Arena in drei Worten zusammenfassen sollte, da sagte er mit einem weiten Lächeln: „Großartig, euphorisch, emotional.“ Wer die deutsche Handball-Nationalmannschaft im Anschluss an den 30:19-Sieg gegen Korea zum WM-Auftakt 2019 gesehen hat, der ahnte innerlich, was wohl das vierte Wort gewesen wäre: kräftezehrend.

Die deutschen Nationalspieler und Trainer Christian Prokop wirkten durchaus, als sei ihnen eine Riesenlast von den Schultern gefallen. 13.500 Fans in der ausverkauften Arena am Ostbahnhof hatten das Nationalteam von Beginn an nach vorne gepeitscht, damit aber auch die Erwartungshaltung hochgeschraubt. „Die Atmosphäre war sensationell schon vor dem Spiel. Das hat bei jedem für Gänsehaut gesorgt und ist etwas, worauf wir uns am Samstag wieder freuen“, sagte Rechtsaußen Patrick Groetzki.

Handball-Taktikanalyse nach dem Sieg gegen Korea

Schnell ging das favorisierte deutsche Team in Führung und dominierte das Spiel gegen Außenseiter Korea anschließend nach Belieben. Zur Halbzeit stand es bereits 17:10. Einen Durchhänger gab es, als die Schiedsrichter mit umstrittenen Zeitstrafen Unruhe in den Spielfluss brachten. Doch obwohl alle deutschen Spieler eingesetzt wurden und der WM-Auftakt phasenweise an ein Trainingsspiel erinnerte, brachte Bundestrainer Christian Prokops Mannschaft den Pflichtsieg gegen Korea nach Hause.

Nationaltorwart Andreas Wolff war der „Spieler des Spiels“, mit einer Quote von 56 Prozent. Kapitän Uwe Gensheimer war gegen den aus Nord- und Südkoreanern zusammengesetzten Gegner mit sieben Treffern der Top-Scorer. „Wir hatten alle Gänsehaut beim Einlaufen. Für den Anfang war das schon super“, so Gensheimer. Für Verwunderung sorgte einzig einer, der gar nicht in Berlin war. Und zwar der aussortierte Rechtsaußen Tobias Reichmann von der MT Melsungen.

Der Bundestrainer hatte ihn nicht für den 16er-Kader berücksichtigt. Reichmann setzte wenige Stunden vor dem Anwurf am Donnerstag auf „Instagram“ die Nachricht von seinem Kurzurlaub in Orlando in die Welt: "Ich bin dann mal weg. Wieso, weiß ich gar nicht genau...Ahhh, doch...Spontanurlaub", schrieb er. In der Pressekonferenz nach dem Korea-Spiel sagte Prokop, er sei "verwundert" und suchte Erklärungen für das Verhalten des Spielers: "Da steckt sicher auch ein bisschen Frust drin. Jeder muss selber sehen, was er für ein Zeichen setzt und wie er die Mannschaft unterstützt", sagte der Coach nach dem 30:19. "Am Ende ist es wichtig, wie ich hier die 16 Spieler unterstütze und keine Energie verschwende." Prokop kann im Turnierverlauf maximal drei Spieler nachnominieren. Reichmann hat sich wohl selbst ins Aus geschossen.

Der WM-Euphorie sollte das aber keinen Abbruch tun. Es bleibt ohnehin kaum Zeit zum Nachdenken. Am Samstag geht es für Deutschland im zweiten Spiel der Gruppe A schon weiter. Brasilien heißt der nächste Gegner (18 Uhr/ZDF) und ist als panamerikanischer Vize-Meister ein anderes Kaliber als Korea. Immerhin zog Brasiliens Handball-Nationalteam bei den Olympischen Spielen 2016 ins Viertelfinale ein. Dennoch: Deutschland gilt erneut als klarer Favorit.

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(ball)
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