Handball-WM 2019: Deutschland will sich nicht unterkriegen lassen

Handballer mit Unentschieden gegen Russland: „Wir sind in eine Falle getappt“

Trotz einer zwischenzeitlich deutlichen Führung, kam die deutsche Nationalmannschaft am Montag nicht über ein Remis gegen Russland (22:22) hinaus. Spieler und Trainer Christian Prokop gestanden sich ein, dass das zu wenig war.

Mit angemessen bedröppelter Miene nahm Patrick Groetzki im Pressekonferenzraum in der Arena am Berliner Ostbahnhof Platz. Wenige Minuten zuvor hatte das deutsche Team den dritten Sieg im dritten WM-Gruppenspiel aus der Hand gegeben. „22 Tore waren einfach nicht genug, darum hat Russland den Punkt verdient“, sagte der Rechtsaußen-Spieler.

Trotz der Überlegenheit über weite Strecken der zweiten Halbzeit, hatte es Groetzki und Kollegen an Sicherheit gemangelt. Der gegnerische Torwart und die Disziplin der Russen waren weitere Faktoren, die zum 22:22-Endstand geführt hatten.

Deutschland hatte eine zwischenzeitliche 15:11-Führung. Teamkollege Fabian Böhm sagte, das Spiel sei „kein Rückschlag, aber ein Dämpfer“ gewesen.

Bundestrainer Christian Prokop sagte, sein Team habe gegen Spielende die nötige Cleverness vermissen lassen. „Wir sind nicht in die Euphorie und in die Befreiung reingekommen, wie in den ersten beiden Spielen.“ Er widersprach allerdings der Behauptung, dass 22 Tore zu wenig sind, um ein WM-Gruppenspiel zu gewinnen: „Ich kann damit leben, aber die Russen machen sicher eins zu viel“, sagte der 40-Jährige.

Dass nicht nur Martin Strobel, sondern auch Paul Drux das Spiel geleitet hatten, überraschte viele Experten. Prokop verteidigte diesen taktischen Zug. „Paul sollte auf den ersten Abwehrmann der Russen draufgehen. Das hat auch funktioniert. Und er hat viele Siebenmeter rausgeholt.“ Die hatte Kapitän Uwe Gensheimer, mit acht Treffern erneut bester Schütze der Deutschen, auch allesamt im Tor der Russen untergebracht.

Nach der Schlusssirene aber sah es eher so aus, als hätten die Deutschen verloren und die Russen gewonnen. „Wir ärgern uns über den letzten Angriff der Russen, aber wir freuen uns über die Stimmung. Und die wird am Dienstag gegen den Weltmeister ein entscheidender Faktor sein“, sagte Prokop. „Das Schöne an dem Turnier ist ja, dass wir morgen schon wieder spielen.“

Über taktische Korrekturen für das kommende Duell gegen den Titelverteidiger wollte der Trainer nicht öffentlich sprechen. „Wir sind in eine kleine Falle getappt gegen die Russen, das müssen wir jetzt verdauen“, sagte der Bundestrainer.

Dazu hat das Team 24 Stunden Zeit, ehe es am Dienstagabend (20.30 Uhr/ZDF) in Berlin gegen Frankreich um den Einzug in die Hauptrunde und wohl auch um den Sieg in der Gruppe A gehen wird. Es ist das vierte von insgesamt fünf Gruppenspielen. Prokop sagte, das deutsche Team habe sich in den vergangenen WM-Tagen etwas aufgebaut. Das wolle er sich nicht nach einem Unentschieden kaputtreden lassen.

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(ball)
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