„Kleines Finale“ um den „Trostpreis“ Deutsche Handballer hoffen auf versöhnliches WM-Ende

Stockholm · Der Trostpreis winkt: Deutschlands Handballer wollen die Weltmeisterschaft gegen das Team aus Norwegen versöhnlich abschließen – und dabei Revanche für die Niederlage in der Hauptrunde nehmen.

Eine Szene aus der Hauptrunde: Deutschlands Johannes Golla (2.v.r) in Aktion gegen Norwegens Magnus Gullerud und Vetle Aga Eck (r).

Eine Szene aus der Hauptrunde: Deutschlands Johannes Golla (2.v.r) in Aktion gegen Norwegens Magnus Gullerud und Vetle Aga Eck (r).

Foto: dpa/Jan Woitas

Die Beine schlapp, der Kopf schwer – doch an Motivation für den letzten Teil ihres WM-Abenteuers mangelt es den deutschen Handballern keineswegs. „Wir haben eine Revanche. Das ist jetzt unser eigenes kleines Finale“, sagte Linkshänder Christoph Steinert – und er grinste.

Im Spiel um „Trostpreis“ Platz fünf gegen Norwegen will die Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) die Weltmeisterschaft am Sonntag (13 Uhr/ZDF) versöhnlich beenden. Ein Sieg gegen die Skandinavier, die Deutschland zu Wochenbeginn in der Hauptrunde noch geschlagen hatten, soll auch als Mutmacher für die lange Vorbereitung auf die Heim-EM 2024 dienen.

„Wir können zeigen, dass wir noch Kräfte haben, um das Turnier mit einem Sieg zu beenden. Das wäre eine sehr starke Leistung von den Jungs“, sagte Bundestrainer Alfred Gislason. WM-Fünfter zu werden, ergänzte Torhüter Andreas Wolff, sei definitiv „ein Erfolg“.

Zur Vorbereitung auf das neunte Spiel in 17 Tagen bat Gislason seine Mannschaft am Samstag nicht in die Trainingshalle. Der Isländer setzte lediglich eine lockere Krafteinheit und – natürlich – Video-Studium auf den Plan.

Dabei dürfte der Verlängerungskrimi gegen Ägypten (35:34) definitiv noch einmal Thema gewesen sein. Die erste Partie der Platzierungsrunde hatte Deutschland am Freitag trotz einer Acht-Tore-Führung beinahe noch hergeschenkt. Mit einem starken Wolff, letzter Kraft und auch etwas Glück retteten die DHB-Männer irgendwie den Sieg ins Ziel.

Doch wirklich freuen konnte sich im Team darüber zunächst niemand. „Erschreckend“, motzte Kapitän Johannes Golla genervt, sei der Einbruch ab der 42. Minute gewesen. „Wir machen alles falsch, was man falsch machen kann.“ Ob er zumindest irgendwas Positives aus dem Spiel mitnehmen könne? „Ich glaube nicht, dass man das Ende der Partie positiv bewerten kann“, sagte der Kreisläufer.

Der Frust und die Wut über die zehn unnötigen Extraminuten, in denen vor allem die Stammkräfte die Kohlen aus dem Feuer holen mussten, waren ihm anzusehen. Der DHB-Anführer hatte Redebedarf: „Es muss klar angesprochen werden, was da passiert ist. Wenn man auf Topniveau spielen will, darf so etwas nicht passieren.“

Der Leistungsabfall nach der Pause erinnerte schwer an das Viertelfinal-Aus gegen Olympiasieger und WM-Finalist Frankreich am Mittwoch. „Ich weiß, wo die Probleme sind“, sagte Gislason und spielte damit auf die Breite seines Kader an. Aber er könne eben „keine Spieler klonen. Ich versuche, das auszugleichen.“

Dass auch gegen Sander Sagosen und Co. alle seiner Handballer zum Einsatz kommen und gebraucht werden, gilt als sicher. Gislason kündigte etwa an, dem extra für die Platzierungsrunde eingeflogenen Lukas Stutzke viel Spielzeit zu geben, auch Juri-Knorr-Ersatz Luca Witzke dürfte auf der Spielmacherposition mehr gefordert werden. Es bleibt aber die Frage: Reichen die Kräfte aller Spieler über 60 Minuten?

Geht es nach Linksaußen Lukas Mertens: ja! „Es ist nicht so, dass wir auf der letzten Rille pusten“, sagte der Linksaußen und ergänzte: „Wir sind bei einer WM, da ist das so.“

(lonn/SID)
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