Handball-WM: Deutschland verpasst Sensation gegen Spanien

Handball-WM : Deutschland verpasst Sensation gegen Spanien

Die deutschen Handballer standen nach dem Handball-Krimi von Saragossa mit leerem Blick auf dem Spielfeld, doch der Bundestrainer zollte seinen enttäuschten Spielern sofort ein dickes Lob: "Die Mannschaft hat toll gekämpft. Wir können stolz auf die Leistung bei der WM sein", sagte Martin Heuberger nach der bitteren 24:28 (14:12)-Niederlage im WM-Viertelfinale gegen Gastgeber Spanien.

Lange Zeit durfte die Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) von einer Sensation und der ersten WM-Medaille seit dem goldenen Wintermärchen 2007 träumen, doch nach einer Schwächephase zehn Minuten vor dem Ende heißt es am Donnerstag: Heimreise statt Halbfinale. "Wir haben einige Chancen ausgelassen und waren in der zweiten Halbzeit zu oft in Unterzahl", so Heuberger.

"Wir werden trotzdem feiern"

"Wir dürfen nicht vergessen, was wir geleistet haben. Wir haben sie lange geärgert. Wir werden trotzdem ein bisschen feiern", sagte Kapitän Oliver Roggisch trotzig, während Dominik Klein anfügte: "Wir haben eine grandiose WM gespielt und hatten auch heute unsere Chance. Wir haben auf der Platte Gas gegeben."

Auch im Hexenkessel von Saragossa verkaufte sich das deutsche Team lange Zeit glänzend, am Ende waren die heißblütigen Spanier einen Tick abgezockter. "Da fehlt es uns ein bisschen an Erfahrung", musste Roggisch eingestehen.

Vor 10.801 teils fanatischen Zuschauern im ausverkauften Pabelon Principe Felipe verhinderte auch der Berliner Sven-Sören Christophersen mit sechs Treffern als bester deutscher Werfer die zweite Turnierniederlage nicht. Die Spanier nahmen damit verspätet Revanche für das Viertelfinal-Aus gegen die DHB-Auswahl bei der WM 2007 in Deutschland. Der Weltmeister von 2005 trifft am Freitag in Barcelona im Halbfinale auf Slowenien.

Mit einem besonderen Motivationsvideo hatten diverse Größen des deutschen Sports den EM-Siebten auf die Herkulesaufgabe gegen die stolzen Spanier eingestimmt. In einem Kurzfilm mit dem Titel "Auswärtssieg" wünschte unter anderem Bundestrainer Joachim Löw Glück und Erfolg.

Die Grußbotschaft aus der Heimat konnte das deutsche Team auch gut gebrauchen. Jeder deutsche Angriff wurde von einem gellenden Pfeifkonzert begleitet. Doch der Außenseiter blieb cool, ließ sich auch von drei vergebenen Großchancen des Kieler Linksaußen Klein in der Anfangsphase nicht aus dem Konzept bringen.

Spanien verzweifelt an deutscher Abwehr

In der Abwehr rührte der Mittelblock um Roggisch und Michael Haaß wieder Beton an, dahinter zeigte Torhüter Silvio Heinevetter erneut eine bärenstarke Leistung. Dem spanischen Rückraum fiel im ersten Durchgang nicht viel ein, um das deutsche Abwehrbollwerk zu knacken.

Die DHB-Auswahl spielte im Angriff erneut variantenreich und mit viel Bewegung. Als der Göppinger Spielmacher Haaß zwei Treffer zur 7:5-Führung warf, hatte der spanische Weltklasse-Keeper Arpad Sterbik erst einmal genug und machte für Jose Manuel Sierra Platz.

Der EM-Vierte Spanien kam nach dem Torwartwechsel kurzzeitig besser ins Spiel und ging in der 18. Minute in Führung (8:7). Heuberger reagierte sofort und mahnte sein Team in der von ihm genommenen Auszeit zu "mehr Ruhe" an — mit Erfolg. Mit einer konzentrierten Leistung ohne größere Fehler zog das deutsche Team zur Halbzeit wieder in Front. Besonders sehenswert: Der Treffer von Klein zum 14:12 aus eigentlich unmöglichem Winkel.

"Wir haben gesagt, dass wir uns von der Kulisse nicht beeindrucken lassen. Wir spielen sehr clever. Wenn wir so weiterspielen, möchte ich mal sehen, was hier noch passiert", sagte Roggisch in der Halbzeitpause.

Nach dem Wechsel kam jedoch zunächst ein kleiner Bruch ins deutsche Spiel. In doppelter Unterzahl vergab Klein zunächst die mögliche Drei-Tore-Führung, dann nutzten die Spanier die Überzahlsituation mit ihren gefürchteten Tempogegenstößen zu ihrem ersten Vorsprung mit zwei Treffern (17:15/34. Minute).

Die DHB-Auswahl blieb aber dran, kämpfte verbissen gegen Gegner und Zuschauer. Rechtsaußen Patrick Groetzki vergab mit einem versuchten Trickwurf aber leichtfertig den Ausgleich (39.), dieser gelang Christophersen eine Minute später per Siebenmeter zum 18:18. Die Partie entwickelte sich zu einer Nervenschlacht. Die Entscheidung fiel, als sich die Gastgeber vom 21:21 (47.) auf 26:21 (55.) absetzten. Die deutsche Offensive biss sich in der hektischen Schlussphase an der spanischen Abwehr und Torhüter Sierra die Zähne aus.

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(sid/seeg/das/csi)
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