WM-Traum von Handballer Kraus wohl geplatzt

„Es ist einfach nur bitter“: WM-Traum von Handballer Kraus wohl geplatzt

Schwerer Rückschlag für Michael Kraus: Sein Traum von einer WM-Teilnahme ist wohl geplatzt. Für Bundestrainer Christian Prokop werden die Optionen weniger.

Michael Kraus war zutiefst geknickt, als er die Sportklinik Stuttgart am Freitagnachmittag verließ. Die böse Vorahnung des Weltmeisters von 2007 hatte sich bestätigt: Ein Spiralbruch in der Wurfhand zwingt den Handball-Profi des TVB Stuttgart zu einer wochenlangen Zwangspause. Die Träume von der Heim-WM sind damit wohl geplatzt.

"Es ist einfach nur bitter, dass das in der jetzigen Phase passiert, in der bei mir fast alles funktioniert hat", sagte Kraus am Freitag auf SID-Anfrage. Nun gelte es für seinen Klub und ihn, nach vorne zu schauen: "Eine kleine Resthoffnung besteht bei mir noch, dass ich in diesem Jahr mein Können noch unter Beweis stellen kann. Alles weitere muss dann der Bundestrainer entscheiden." Schon am 10. Dezember wird Christian Prokop einen vorläufigen 28er-Kader nominieren.

Noch am Freitagabend sollte der Bruch im Karl-Olga-Krankenhaus in Stuttgart von einem Handspezialisten operativ versorgt werden. Mindestens einen Monat lang kann Kraus danach nicht für seinen Klub auflaufen. Seine intensive Bewerbung um ein Ticket für die WM vom 10. bis 27. Januar in Deutschland und Dänemark ist damit vorerst beendet.

"Es hat gleich knack gemacht, ich bin raus und man konnte den Knochen direkt verschieben", sagte Kraus am Donnerstagabend unmittelbar nach der 24:29-Niederlage im Bundesliga-Duell beim TBV Lemgo Lippe bei Sky. In derselben Halle hatte er sich bereits 2017 die Mittelhand gebrochen - Kraus erlebt ein schmerzliches Deja-vu.

Seine WM-Hoffnungen waren gerade erst nach Prokops Worten vom Montag aufgekeimt. "Es ist definitiv nicht ausgeschlossen, dass Kraus mit zur WM fährt", hatte der Bundestrainer am Rande des Topspiels zwischen der SG Flensburg-Handewitt und den Rhein-Neckar Löwen gesagt. Allerdings hatte der 39-Jährige auch betont, dass er nach dem Ausfall des Toptorjägers Julius Kühn (Kreuzbandriss) zunächst Fabian Böhm, Steffen Fäth und Philipp Weber als erste Alternativen sah.

Kraus spornten die Worte allem Anschein nach an. Erst am Dienstag bekräftigte er erneut seine Bereitschaft für ein Comeback in der Nationalmannschaft. "Einen größeren Wettbewerb als die WM im eigenen Land gibt es nicht, das wäre ein Traum", sagte der 35 Jahre alte Spielmacher der Stuttgarter Zeitung und den Stuttgarter Nachrichten. Mit der Empfehlung 38 Toren in drei Partien hatte er zuvor eine öffentliche Diskussion um seine Person in Gang gesetzt.

Kraus war gegen Lemgo-Lippe auf bestem Wege, beeindruckend nachzulegen. Nach nur 25 Spielminuten stand er schon wieder bei sieben Treffern, bis er bei einem Wurfversuch unglücklich mit TBV-Profi Dominik Ebner kollidierte. Für die WM dürfte es damit mehr als eng werden. Es sei denn, Kraus hört auf den nicht ganz ernst gemeinten Rat seines Teamkollegen Johannes Bitter: "Platte rein und dann mit links werfen".

(pabie/sid)
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