SG Flensburg-Handewitt: Tobias Karlsson beendet seine Karriere

Schwedischer Abwehrspieler : Flensburgs Tobias Karlsson beendet seine Karriere

Der langjährige Bundesligaprofi Tobias Karlsson beendet im Sommer seine Handball-Karriere. Der Kapitän und Abwehrchef der SG Flensburg-Handewitt wird den Klub nach zehn Jahren verlassen.

Tobias Karlsson macht Schluss - und sorgt in der Handballszene damit für Aufsehen. Kaum war die Nachricht über das im Sommer bevorstehende Karriereende des langjährigen Kapitäns der SG Flensburg-Handewitt in der Welt, verneigten sich viele seiner Wegbegleiter. Mit Karlsson verliert die Bundesliga einen vorbildlichen Profi - einen Handballer mit Haltung.

"Tobias zählt für mich zu den außergewöhnlichsten Handballern, die je bei der SG gespielt haben", sagte Flensburgs Geschäftsführer Dierk Schmäschke: "Er ist und bleibt neben und auf dem Spielfeld eine überragende Persönlichkeit." SG-Trainer Maik Machulla adelte Karlsson am Dienstag als "das Herz der SG". Und Stefan Kretzschmar schrieb im Internet "Toller Sportler. Mensch" und garnierte seinen Eintrag bei Twitter mit weinenden Smileys.

Karlsson gewann in seinen zehn Jahren an der Förde mit Flensburg neben dem lang ersehnten Meistertitel in der vergangenen Saison auch den DHB-Pokal (2015), den Europapokal der Pokalsieger (2012) und die Champions League (2014). Mit der schwedischen Nationalmannschaft holte der Abwehrspezialist 2012 in London die olympische Silbermedaille.

"Es fühlt sich teilweise an, als würde man sich von einem Teil der Familie trennen", sagte Karlsson, den es im Sommer mit seiner Frau Martina und den beiden Kindern Julia und Otto zurück in seine Heimat zieht. Er sprach von einer "ganz schweren Entscheidung" für ihn und seine Familie: "Ich fühle jetzt, dass die Zeit gekommen ist und dass ich jetzt fertig bin."

Nicht bloß auf der Platte ist Karlsson ein Großer. Für Schlagzeilen weit über die Grenzen seines Sports hinaus sorgte Karlsson, der 2009 von der HSG Nordhorn nach Flensburg gewechselt war, vor allem mit seinem unermüdlichen Einsatz für Vielfalt, Toleranz und Gleichberechtigung. Immer wieder nutzte Karlsson seine Popularität, um sich gegen die Diskriminierung von Homosexuellen zu engagieren.

Unvergessen bleibt sein Auftritt bei der EM 2016 in Polen, das damals gerade einen Rechtsruck erlebte, als ihm als Kapitän der schwedischen Nationalmannschaft das Tragen einer Regenbogen-Kapitänsbinde unmittelbar vor dem ersten Turnier-Auftritt vom europäischen Handballverband EHF verboten worden war. "Ich trage die Binde so lange, bis mich jemand aufhält", hatte Karlsson damals gesagt.

Im vergangenen Herbst fand der 100-Kilo-Koloss dann doch ein Schlupfloch im Regelwerk, sein Anliegen öffentlich zu machen, in dem er in Zusammenarbeit mit seinem Ausrüster spezielle Schuhe in den Regenbogenfarben kreierte. Für Karlsson ist das Thema eine "Herzensangelegenheit", wie er immer wieder betonte: "Es ist egal, wo jemand herkommt, welche Hautfarbe er hat, an welchen Gott er glaubt oder welche Sexualität er hat. Wir sind alle Menschen."

Sportlich gilt Karlssons volle Konzentration in den kommenden Wochen dem Saison-Endspurt mit der SG. Die Titelverteidigung in der Meisterschaft ist das große Ziel, und in der Champions League steht schon am Mittwoch (19.00 Uhr/Sky) das richtungsweisende Heimspiel gegen RK Celje auf dem Programm. Nur ein Sieg hilft auf dem Weg in die angestrebte K.o.-Phase.

Manager Schmäschke wünscht sich "nichts sehnlicher" als einen Titel für Karlsson zum Abschluss. Aber, auch das stellt er klar: "Den Legendenstatus hat er ohnehin schon erreicht."

(dpa/old)
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