Rhein-Neckar Löwen gehen fokussiert

Enspurt in Handball-Bundesliga: Löwen brauchen keinen Taschenrechner

Nach dem ersten Pokal-Triumph der Vereinsgeschichte können die Rhein-Neckar Löwen in der Bundesliga den Titel-Hattrick perfekt machen. Im Fernduell mit "Vize" SG Flensburg-Handewitt haben die Mannheimer die deutlich besseren Karten.

Der erste Pokaltriumph der Vereinsgeschichte hat den Rhein-Neckar Löwen vor der Woche der Wahrheit so richtig Appetit gemacht. Und die nächste Beute liegt schon bereit. "Der Pokalsieg hat uns noch mal einen gewaltigen Schub gegeben, die letzten zehn Prozent, die wir dringend gebraucht haben", sagte der Sportliche Leiter des deutschen Handballmeisters, Oliver Roggisch, am Dienstag dem SID, "jetzt glauben alle so sehr daran, dass wir auch die Meisterschaft holen können."

Es wäre die dritte in Folge für die Mannheimer, die mit breiter Brust in die möglicherweise entscheidenden Spiele gehen können. Am Donnerstag kommt der SC Magdeburg in die Höhle der Löwen, am Sonntag steht das schwere Auswärtsspiel bei den Füchsen Berlin an. Meistert der Titelverteidiger (48:8 Punkte) auch diese beiden Hürden, dürfte im Fernduell mit Vizemeister SG Flensburg-Handewitt (48:12) nichts mehr anbrennen. Zumal der ärgste Rivale am Donnerstag beim Erzrivalen THW Kiel antreten muss.

Doch Roggisch schaut nicht nach Flensburg oder Kiel, "wir fokussieren uns ganz auf uns und holen jetzt keinen Taschenrechner raus und überlegen, ob wir auch noch mal verlieren dürfen." Roggisch, der Weltmeister von 2007, weiß genau, dass der Schuss ganz schnell nach hinten losgehen kann: "Bei solchen Gedankenspielen verliert man auch gerne mal die Konzentration."

Und genau das will Roggisch auf jeden Fall vermeiden. Der 39-Jährige weiß schließlich genau, dass im Normalfall niemand an seiner Mannschaft vorbeikommt. "Wir haben die besten Löwen aller Zeiten. Wir hatten Geduld beim Kader und haben den älteren Spielern das Vertrauen gegeben. Das zahlt sich aus", sagte Roggisch.

Der Macher der Löwen dachte dabei vor allem an den überragenden Spielmacher Andy Schmid (34) sowie die Isländer Alexander Petersson (37) und Gudjon Valur Sigurdsson (38). Das Trio wird auch in der kommenden Saison die Fäden ziehen, ebenso wie Trainer Nikolaj Jacobsen. Der Architekt des Erfolges steht seit 2014 an der Seitenlinie und hat noch einen Vertrag bis 2019. "Er betreibt einen unfassbaren Aufwand", sagte Roggisch über seinen Coach.

Erster Erfolg im elften Anlauf

Das kann er auch über seine Spieler sagen, die beim Pokal-Final-Four über den Kampf ins Spiel kamen und im elften Anlauf endlich den Finalfluch besiegten. Beim 30:26 im Finale gegen Hannover-Burgdorf wurde Schmid mit acht Treffern in Halbzeit zwei zum Helden. Der Schweizer Routinier ging dabei an seine Grenzen. "Ich habe ihn am Montagabend zu Hause besucht. Er war total leer, erschöpft", sagte Roggisch, "es war für alle ein Kraftakt."

Der nächste folgt mit sechs Ligaspielen in den nächsten dreieinhalb Wochen. Und dann gilt die Konzentration schon wieder der kommenden Saison. "Da werden einige neue Spieler kommen, aber wir haben eine Mannschaft, in der Integration leichtfällt", sagte Roggisch, der weiß: "Auch alle anderen geben Gas, es wird wieder ein enges Ding werden."

(old/sid)
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