1. Sport
  2. Handball

Handball-WM 2020: Christian Prokop reduziert Kader - Härtefall-Entscheidungen garantiert

Spannung vor EM-Nominierung : Prokop muss harte Entscheidungen treffen

Wer darf mit, wer ist raus? Bundestrainer Christian Prokop präsentiert am Freitag seinen EM-Kader. Eine knifflige Aufgabe angesichts der argen Verletzungsmisere.

Kriegt 2007-Weltmeister Jogi Bitter den zweiten Platz im Tor? Wer soll nach dem Aus von WM-Allstar Fabian Wiede das deutsche Spiel lenken? Was wird aus den EM-Helden Tobias Reichmann und Finn Lemke? Christian Prokop liefert am Freitag die Antworten. Knapp drei Wochen vor Beginn der Handball-Europameisterschaft lüftet der Bundestrainer seine Kader-Geheimnisse und reduziert sein Aufgebot auf 18 Spieler.

Es gibt es noch zwei, drei Positionen, wo die Entscheidung noch nicht gefallen ist und wo es noch ein enges Gerangel gibt", sagte Prokop dem SID. Nach der Nominierung "wollen wir mit den 18 Leuten richtig Schwung aufnehmen".

Für Spannung sorgt zuvorderst die Situation im Tor, Johannes Bitter (TVB Stuttgart), Silvio Heinevetter (Füchse Berlin) und Dario Quenstedt (THW Kiel) hoffen auf den Platz neben Andreas Wolff. Zudem muss Prokop entscheiden, ob die 2016-Europameister Reichmann und Lemke mit zum Turnier nach Norwegen, Österreich und Schweden reisen dürfen.

Grundsätzlich zähle neben sportlicher Leistung "auch das soziale und emotionale Paket eines Spielers", sagte Prokop. Reichmann konkurriert auf Rechtsaußen mit Patrick Groetzki und Youngster Timo Kastening um die zwei Plätze, der Melsunger Lemke kommt als Alternative für die im Mittelblock gesetzten Kieler Hendrik Pekeler und Patrick Wiencek ebenso infrage wie der Flensburger Johannes Golla.

Ab Freitagmittag werden diese Fragen wieder in den Hintergrund rücken, dann gilt Prokops kompletter Fokus der EM-Vorbereitung - und seiner wohl größten Baustelle auf der Rückraummitte. Durch die kurzfristige Absage von Linkshänder Wiede (Schulter-OP) fehlen Prokop dort inzwischen vier Stammkräfte. Es spricht für den Bundestrainer, dass er das enorme Verletzungspech auf der neuralgischsten aller Positionen, der des Spielmachers, vor der Kader-Bekanntgabe trotz Nachfrage nicht zum Thema machte.

Nach den Ausfällen von Wiede, Martin Strobel (Balingen) sowie dem Berliner Simon Ernst und dem Lemgoer Tim Suton (beide Kreuzbandriss) könnten nun der Leipziger Philipp Weber oder Tim Kneule (Frisch Auf Göppingen) ins Team rutschen.

Und so würde eine Nominierung Bitters durchaus Sinn ergeben. Vor dem Hintergrund eines veränderten Teamgebildes könnte der Routinier, dessen letztes großes Turnier mit der Nationalmannschaft inzwischen neun Jahre zurückliegt, einen Schuss Erfahrung und Ruhe reinbringen.

Prokop ließ sich die Entscheidung in der T-Frage bis zuletzt offen. Doch, das betonte der Bundestrainer, Bitter sei "nicht nur eine Backup-Nominierung", er sei ein Spieler "mit einer gewissen Aura und großer Erfahrung. Er ist ein ernstzunehmender Kandidat."

SID cs cp

(sid/old)