Schweriner fühlt sich wieder wohl: Handball: Steinkes Kampf auf Leben und Tod

Schweriner fühlt sich wieder wohl: Handball: Steinkes Kampf auf Leben und Tod

Schwerin (rpo). Susanne Steinke musste jeden Tag damit rechnen, dass ihr Mann stirbt. Doch der Rechtsaußen des Handball-Zweitligisten SV Post Schwerin, Stefan Steinke, wachte aus dem Koma auf. Jetzt fühlt er sich wieder wohl, ein Jahr nach seinem Zusammenbruch.

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p class="text"><P>Schwerin (rpo). Susanne Steinke musste jeden Tag damit rechnen, dass ihr Mann stirbt. Doch der Rechtsaußen des Handball-Zweitligisten SV Post Schwerin, Stefan Steinke, wachte aus dem Koma auf. Jetzt fühlt er sich wieder wohl, ein Jahr nach seinem Zusammenbruch.

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p class="text">Als Bundesliga-Handballer wollte er immer 90 kg wiegen, um sich energischer durchzusetzen, sagt Stefan Steinke. Trotz aller Anstrengungen kam er dennoch nie über ein Wettkampfgewicht von 83 kg hinaus. Ein Jahr, nachdem er wegen einer geplatzten Ader im Gehirn im Koma lag und um sein Leben kämpfte, hat der 30-Jährige sein Wunschgewicht erreicht. "Leider sind es keine Muskeln", stellt er mit Blick Richtung Bauch fest. Dennoch ist er zufrieden. Es gehe ihm gut, betont Steinke, während er seinen Arm um die Schultern von Ehefrau Susanne legt und Tochter Lidia (4) auf dem Spielplatz beobachtet.

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p class="text">Vor zwölf Monaten sah es anders aus. Das Familienglück wurde jäh zerstört, Susanne und Lidia mussten mehrere Wochen um Stefan bangen. Am Abend des 13. Oktober 2002 fiel der Rechtsaußen des Handball- Zweitligisten SV Post Schwerin im Wohnzimmer in Ohnmacht. Eine zentrale Ader im Gehirn war geplatzt. Durch das ausströmende Blut kam es im Schädelinneren zu einer Volumenvergrößerung. Die Gefahr war groß, dass Hirnzellen gequetscht und substanziell geschädigt würden. Es folgten Wochen der Ungewissheit. Die Ärzte im Schweriner Klinikum versetzten Steinke in ein künstliches Koma. "Sie haben mir knallhart gesagt, dass er jeden Tag sterben kann", erklärt Susanne Steinke.

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p class="text">In der Reha lernte Steinke wieder laufen

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p class="text">Am 29. Oktober war für sie die größte Leidenszeit beendet. Ihr Mann erwachte aus dem Koma. Als er sie erkannte, habe sie gewusst, dass alles wieder gut werde. In der folgenden Rehabilitation über zweieinhalb Monate in der Spezialklinik Waldeck lernte Steinke wieder laufen und greifen. Physisch machte er schnell Fortschritte, dagegen musste der gebürtige Rostocker psychisch einen Rückschlag hinnehmen: "Als die Ärzte mir sagten, ich könne nie wieder Handball spielen, war das anfangs ein Schock. Aber inzwischen habe ich mich daran gewöhnt."

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p class="text">An Wochenenden habe er endlich mehr Zeit für die Familie und müsse nicht mehr durch Deutschland reisen. Das Heranwachsen der Tochter, die Gewissheit, der Familie gehe es gut, erfreue ihn, betont er. Das sei wichtiger als jedes Tor in der Handball-Bundesliga. Neun Jahre spielte Steinke für Gummersbach, Wallau-Massenheim und Hameln in Liga 1. Im Sommer 2002 kam er nach Schwerin. Hier sollte seine Karriere ausklingen und der Einstieg ins Berufsleben gelingen. Halbtags arbeitet der gelernte Bankkaufmann für ein Schweriner Kreditinstitut.

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p class="text">Noch Schwierigkeiten mit dem rechten Auge

Hier wird er seit April Schritt für Schritt in den Arbeits-Alltag zurückgeführt. Anfangs waren es zwei Stunden täglich, mittlerweile sind es sechs. "Mit der Konzentration habe ich keine Schwierigkeiten, aber mein rechtes Auge bereitet mir noch einige Probleme. Dort sehe ich Doppelbilder", betont Steinke. "Wir gucken, dass wir ihn nicht überfordern, dass alles dosiert von statten geht", sagt sein Kollege Norman Costard. Steinke fühlt sich inzwischen zwischen Akten-Ordnern und Finanzierungs-Modellen so wohl wie einst auf dem Handball-Feld.

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