Handball-EM: Kapitän Uwe Gensheimer vor Spanien-Spiel in der Kritik

Handball-EM : Kapitän Gensheimer vor Spanien-Spiel in der Kritik

Kapitän in der Kritik: Uwe Gensheimer spielt bislang eine durchwachsene EM. Will er sich seinen großen Traum erfüllen, muss gegen Spanien eine Leistungssteigerung her.

Körperpflege, Wellness, ein gemeinsames Abendessen mit dem Team: Uwe Gensheimer genoss den spielfreien Tag in vollen Zügen. "Es hat uns gut getan, mal nicht so viel mit Handball am Hut zu haben", sagte Gensheimer. Die durchwachsenen EM-Auftritte haben ihre Spuren hinterlassen beim Kapitän der deutschen Handballer.

"Ich bin selbst nicht zufrieden mit mir. Ich weiß, dass ich es besser kann und hoffe, dass ich es gegen Spanien zeigen werde", sagte Gensheimer und fügte kämpferisch an: "Ich werde nicht aufgeben, es zu probieren."

Soll sein großer Traum von einem Titel mit der Nationalmannschaft nicht schon in der Hauptrunde platzen, das weiß Gensheimer, dann muss im "Endspiel ums Halbfinale" gegen die Iberer am Mittwoch (20.30 Uhr/ZDF) eine Leistungssteigerung her. Auch und vor allem bei ihm.

Kaum Gefahr im Gegenstoß, schwache Wurfausbeute vom Siebenmeterpunkt, Wackler in der Defensive: Die bisherigen Vorstellungen Gensheimers bei der EM geben Rätsel auf. Dem 31 Jahre alten Starspieler von Paris St. Germain fehlen die Leichtigkeit und der Killerinstinkt, die ihn im Verein seit Jahren auszeichnen. Die Tormaschine stockt. Der Mann mit dem genialen Handgelenk wirkt gehemmt.

"Inhaltlich hat er schon bessere Turniere gespielt. Da sind wir uns einig. Es gibt so Phasen, in denen es nicht so läuft. Da müssen wir ihn unterstützen", sagte DHB-Vizepräsident Bob Hanning.

Nach starkem Turnierauftakt und neun Toren gegen Montenegro zeigte die Formkurve des Königsklassen-Torschützenkönigs in den folgenden Spielen nach unten. Gegen Slowenien verwarf Gensheimer gleich drei (!) Siebenmeter, im Anschluss an die Partie gegen Dänemark (25:26) gab es sogar öffentliche Kritik vom Bundestrainer Christian Prokop.

"Wir wissen, dass Uwe stärker spielen kann. Ich bin nicht zu hundert Prozent zufrieden", sagte Prokop, der aber auch betonte: "Er ist ein wichtiger Bestandteil". Gegen Dänemark ließ er Gensheimer nach einer schwachen Anfangsphase fast die gesamte Partie auf der Bank schmoren. Sein Ersatz Rune Dahmke bekam anschließend ein Sonderlob.

Den lahmenden Gegenstoß hat Prokop als eines der Hauptprobleme des deutschen Offensivspiels ausgemacht. Obwohl die Abwehr inzwischen einen überragenden Job macht, fallen bislang kaum leichte Tore. "Gerade beim Thema Tempospiel müssen wir uns deutlich steigern, wenn wir eine Chance haben wollen", sagte Prokop mit Blick auf die Partie gegen Spanien - eine klare Ansage an Gensheimer und Co.

An Gensheimers Stellenwert innerhalb der Mannschaft hat sich durch die durchwachsenen Auftritte nichts geändert. "Uwe ist unser Kapitän. Wir brauchen seine Fähigkeiten, um gegen Spanien zu gewinnen", sagte Torhüter Andreas Wolff.

Gensheimers Geschichte mit der Nationalmannschaft ist seit jeher eine besondere. Seit seinem Debüt im Jahr 2005 ist der gebürtige Mannheimer immer mehr in die Rolle einer prägenden Figur im Team des Deutschen Handballbundes (DHB) gewachsen. Doch ein Titel im Trikot mit dem Adler auf der Brust fehlt dem trickreichen Torjäger noch immer. Das EM-Finale 2016, den großen Triumph unter dem damaligen Coach Dagur Sigurdsson, musste Gensheimer verletzt von der Tribüne aus verfolgen.

Im vergangenen Jahr bei der Weltmeisterschaft in Frankreich war ihm unter schwierigsten Umständen erneut der große Coup verwehrt geblieben. Wegen des plötzlichen Todes seines Vaters reiste Gensheimer erst verspätet an. Das Aus im Achtelfinale gegen Katar war eine sportliche Enttäuschung.

Ein Nackenschlag, der sich in Kroatien nicht wiederholen soll.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das ist Uwe Gensheimer

(sid)