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Handball-EM 2019: Absagen gefährden Ziele der DHB-Handballer

Miese Stimmung trotz Bitter-Comeback : Absagen gefährden EM-Ziele der DHB-Handballer

Ein glücklicher Rückkehrer im Tor, aber größte Sorgen im Rückraum: Trotz des Comebacks von Johannes Bitter sind die EM-Ziele der deutschen Handballer in Gefahr. Nun verzichtet auch noch Steffen Weinhold.

Christian Prokop wirkte angeschlagen. Selbst das vorgezogene "Weihnachtsgeschenk" für Johannes Bitter konnte die Stimmung des Handball-Bundestrainers nicht heben. Der nächste prominente EM-Ausfall setzte Prokop arg zu, das spektakuläre Comeback des WM-Helden Bitter wurde durch die kurzfristige Absage von Kiel-Star Steffen Weinhold zur Nebensache.

"Das ist eine sehr bittere Nachricht für uns", sagte Prokop nach seiner Kader-Nominierung am Freitag bedröppelt: "Hoffentlich ist das Ende der Fahnenstange erreicht, was die Verletzungsabsagen angeht."

Die angestrebte Medaille hat der DHB-Coach aber trotz der massiven Personalsorgen weiter im Visier. "Ich finde, dass wir bewusst und konsequent an unseren Zielen festhalten sollten. Es wäre das Größte, das Halbfinale zu erreichen", sagte Prokop: "Das ist durchaus möglich und dazu sollte auch diese Mannschaft imstande sein."

Eine Viertelstunde dauerte die Telefonkonferenz mit dem Bundestrainer, doch lediglich zwei Sätze galten der Personalie Bitter. "Seine kontinuierlich starken Leistungen in der Bundesliga haben den Ausschlag gegeben. Ich erhoffe mir von seiner Erfahrung, seiner positiven Aura und seinem Siegeswillen wichtige Impulse im Turnierverlauf", sagte Prokop.

Bitter, der überraschend den Vorzug gegenüber Silvio Heinevetter (Füchse Berlin) und Dario Quenstedt (THW Kiel) erhielt, freut sich riesig auf seine Rückkehr in die Nationalmannschaft nach neun Jahren Turnier-Pause. "Als der Bundestrainer anrief war ich erstmal sprachlos. Die Nominierung ist wie ein erstes Weihnachtsgeschenk", sagte Bitter, der nach seinem Rücktritt 2011 aus dem DHB-Team einzig im Jahr 2014 für die WM-Playoffs noch einmal eingesprungen war.

Prokops Torhüter-Coup wurde allerdings überschattet von der nächsten personellen Hiobsbotschaft: Denn unmittelbar vor der Kader-Reduzierung von 28 auf 17 Spieler sagte am Freitagmorgen mit Linkshänder Weinhold nach Fabian Wiede (Schulter-OP), dem Balinger Spielmacher Martin Strobel (nach Kreuzbandriss) sowie dem Berliner Simon Ernst und Lemgos Tim Suton (beide Kreuzbandriss) die fünfte Stammkraft im Rückraum verletzungsbedingt ab.

Der plötzliche EM-Verzicht Weinholds hat für Prokop einen bitteren Beigeschmack. Denn wie Wiede, der zwei Tage zuvor eine Operation für den 30. Dezember ankündigte, steht der Kieler in der Liga weiter auf dem Feld. Prokop, der in seinem Kader auf Rechtsaußen-Routinier Patrick Groetzki ebenso verzichtete wie auf 2016-Europameister und Abwehrspezialist Finn Lemke, mochte diese Tatsache nicht überbewerten. Dem Team breche "ganz starke individuelle Qualität weg", sagte er, "aber wir wollen das als Team meistern und schnell Lösungen finden".

Viel Zeit dafür bleibt nicht. Bis zum 29. Dezember stehen noch drei Liga-Spieltage auf dem Programm, ehe sich das deutsche Team am 2. Januar - und damit exakt eine Woche vor dem EM-Auftaktspiel gegen die Niederlande - zur unmittelbaren Turniervorbereitung trifft. Der Stellenwert der beiden letzten EM-Tests gegen Island (Mannheim, 4. Januar, 17.20 Uhr/ZDF) und Österreich (Wien, 6. Januar, 14.40 Uhr/ARD) hat sich durch die neue Konstellation noch einmal deutlich erhöht.

Ein Fakt ging im Trubel um die vielen Personal-Rochaden beinahe unter: Denn die Zeit von Keeper Heinevetter in der Nationalmannschaft dürfte unter Prokop erst einmal vorbei sein. Der charismatische Berliner wäre mit 192 Länderspielen mit Abstand der erfahrenste EM-Fahrer gewesen - doch nun scheint es durchaus möglich, dass Heinevetter, der mit Unterbrechungen seit 2006 quasi zum Inventar der Nationalmannschaft zählt, sein 200. Länderspiel nicht mehr erleben wird.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das ist der deutsche Kader für die Handball-EM 2020

(ako/sid)