Arpad Sterbik bei der Handball-EM: Der serbische Bär lässt Spanien jubeln

Handball-EM : Der serbische Bär lässt Spanien jubeln

Im Finale der Handball-EM gegen Schweden spielt der 38-jährige Torhüter Arpad Sterbik die entscheidende Rolle. Der Spanier, der in Serbien geboren wurde, war der Spieler des Endspiels.

Fast 17 Jahre Leistungssport haben ihren Tribut gefordert. Richtig rund sieht es nicht mehr aus, wenn Arpad Sterbik sich bewegt. Das hindert ihn aber nicht daran, auch im hohen Handballeralter von 38 Jahren das zu tun, womit er populär geworden ist und zahlreiche Spieler an den Rand des Wahnsinns getrieben hat - nämlich als Torhüter dafür zu sorgen, dass seine Mannschaft möglichst wenig Treffer kassiert.

"Du hast immer ein bisschen Angst, wenn du gegen ihn wirfst", beschreibt Spaniens Abwehrchef Gideon Guardiola das Gefühl, wenn man auf den Zwei-Meter-Koloss mit seinen 119 Kilogramm zuläuft und dann werfen muss. Schwedens Spieler können dies bestätigen. Sie führten im EM-Finale zur Pause mit 14:12, doch dann zerbrach ihre Hoffnung an einer starken, offensiveren Abwehr und an Sterbik. Nur zwei Tore kassierte dieser zwischen der 31. und 50. Minute (16:23) - das war die Basis für den ersten Triumph der Spanier in ihrem fünften EM-Endspiel. Am Ende hieß es 29:23.

Sterbik wird auch der serbische Bär genannt. Seine Ruhe und Gelassenheit sind fast schon aufreizend, seine Beweglichkeit verblüfft. Als man ihn als wertvollsten Spieler des Finales auszeichnete, war es ihm fast peinlich. "Es wurde für viele von uns höchste Zeit, noch einmal etwas mit der Nationalmannschaft zu gewinnen", sagte Sterbik, der nach einer gelungenen Abwehr schon mal gerne verschmitzt zur Auswechselbank schaut und ein Auge zukneift.

Dabei hatte er sich im Herbst vergangenen Jahres aus der Nationalmannschaft verabschiedet. Sein Nachfolger Gonzalo Perez de Vargas, der ihn auch 2014 beim FC Barcelona beerbt hatte, verletzte sich aber am Mittwochabend beim 31:27-Sieg gegen Titelverteidiger Deutschland am Knie. Am Donnerstagnachmittag kam Sterbik aus dem nahen Skopje, wo er maßgeblich am Aufschwung des aktuellen Champions-League-Siegers Vardar beteiligt ist, nach Zagreb. Am Freitag hielt er beim 27:23 im Halbfinale gegen Weltmeister Frankreich drei von vier Strafwürfen, und am Sonntag zermürbte er im Finale im Verbund mit seinen Vorderleuten den Gegner.

"In solchen Spielen gehören 50 Prozent des Teamerfolgs dem Torhüter", sagte Juan Aguinagalde. Der 35 Jahre alte Kreisläufer ist einer von neun Spielern beim Europameister, der die 30 überschritten hat. Mit im Schnitt 25,8 Jahren waren die Schweden, die wie die deutsche Mannschaft (von 15:15 auf 15:23) gegen die Iberer zu Beginn der zweiten Halbzeit versagten, um 4,7 Jahre jünger. Die Akteure des spanischen Trainers Jordi Ribera genießen die Gegenwart und zeigen eine Abwehrarbeit, die intelligent und effektiv ist.

Bei der WM im kommenden Jahr in Dänemark und Deutschland wird der Held des Finales wohl nicht mehr dabei sein. Sterbik verlässt im Sommer Vardar Skopje und kehrt ins Land seiner ungarischen Vorfahren zum Topklub Veszprem zurück. Dort begann auch 2001 seine imponierende Karriere. Er spielte für Jugoslawien, Serbien und Montenegro (das 2006 unabhängig wurde) sowie Spanien. Möglich machte es die Regel, dass man nach drei Jahren Pause für eine andere Nationalmannschaft spielen darf. Seit 2008 besitzt Sterbik auch die spanische Staatsbürgerschaft, sie ist seine vierte. Er gewann dreimal die Champions League, wurde zwölfmal nationaler Meister und Pokalsieger, Weltmeister (2013), nun Europameister und gewann die erste von vier WM-Medaillen bereits 1999. In seiner Vita fehlt allein der Olympiasieg, und das wird wohl so bleiben. "Ich weiß, dass meine Tage im Handball gezählt sind", sagte Sterbik unlängst.

40 Jahre ist er, wenn im Sommer 2020 in Tokio um Olympia-Gold gekämpft wird. Aber vielleicht muss er ja dann wieder einmal aushelfen. Zwei Spiele in drei Tagen - das geht schon noch.

(RP)
Mehr von RP ONLINE