Handball-EM-Qualifikation: Kosovo gegen Deutschland mit Landesliga-Spieler Florim Hoxha

Handball-EM-Qualifikation: Kosovo setzt gegen Deutschland auf bayerischen Landesliga-Spieler

Am Sonntag tritt die deutsche Handball-Nationalmannschaft erstmals im Kosovo an. Die Gastgeber sind der klare Underdog. Ihr Starspieler ist Florim Hoxha – der beste Rechtsaußen der bayerischen Landesliga.

Beim souveränen 37:21 (19:9) am Mittwoch in Wetzlar überzeugte die DHB-Auswahl gegen Israel mit Spielfreude. Die Rollen vor dem nächsten Qualifikationsspiel sind erneut eindeutig verteilt: Wenn es am Sonntag (19.30 Uhr) zur Premiere des Duells Kosovo gegen Deutschland kommt, ist die Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) wieder klarer Favorit. Das liegt auch daran, dass das Kosovo seit seiner Unabhängigkeit politische Probleme hat, die auch den einst so beliebten Handballsport behinderten.

Die jüngere Geschichte des Landes ist durch den Kosovokrieg von 1999 und dessen Folgen geprägt. Es war ein erster sportlicher Meilenstein, als das Land im Dezember 2014 zum Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees wurde – und dann zum ersten Mal 2016 bei den Olympischen Sommerspielen vertreten war.

„Handball stand in den 1970er und 1980er Jahren im Kosovo an erster Stelle, durch die politischen Probleme ist der Sport aber in den Hintergrund gerückt", sagt Florim Hoxha (27), als wir ihn telefonisch erreichen. Der gebürtige Kosovare ist derzeit in der Heimat. Normalerweise aber lebt und arbeitet er in Bayern.

Hoxha hat vor drei Jahren sein Heimatland verlassen, um in Deutschland Handball zu spielen. Von einem Trainer aus Bayern sei er entdeckt worden, erzählt Hoxha, und seither spielt er für den SV Anzing. „Das war ein großes Glück für mich, in Anzing anzukommen. Es ist eine Perspektive für mein ganzes Leben", sagt Hoxha, der in Anzing auch die Frauenmannschaft trainiert. Er ist der Starspieler des Kosovo – und das als Landesligaspieler.

Hoxha ist ein Leistungsträger in seinem bayerischen Klub. Der Anzinger Löwe zählt zu den besten Rechtsaußen in Bayern. Der Klub hatte ihm 2015 eine Wohnung und Arbeit besorgt. Und Hoxhas Trainer schwärmt: „Florim ist ein anständiger Junge, der jeden Tag seine Arbeit macht. Dass er am Sonntag für das Nationalteam spielt, freut uns schon", sagt Hubert Müller. „Leider fehlt er uns am Wochenende. Denn die Landesliga pausiert nicht." Anzing ist Tabellenführer in der Liga. Am Sonntag will das Team zusammen das Länderspiel im Livestream (sporttotal.tv) verfolgen, um Hoxha zu sehen.

Florim Hoxha berichtet, im Handballverband des Kosovo seien derzeit rund 3500 Spieler organisiert. Viel ist das nicht – die Republik zählt rund 1,9 Millionen Einwohner. In Sachen Popularität steht der Fußball an erster Stelle, dann folgen Basketball, Handball und Judo. Acht Mannschaften bilden die erste Handball-Liga. Hoxha sagt, lediglich KF Besa und der Hauptstadtklub in Pristina seien finanziell ordentlich aufgestellt. Profispieler gibt es nicht. Auch nicht im Nationalteam.

Chancen rechnen sich die Gastgeber gegen Deutschland daher nicht aus. Ein Highlight werde es trotzdem: „Für uns ist es ein Traum, gegen die deutschen Vorbilder zu spielen, aber unsere Chancen sind bei 0,0“, sagt Hoxha, der trotzdem alles geben will.

(ball)
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