Handball-EM 2018: DHB-Team eine Wundertüte

DHB-Team eine Wundertüte: Handballerinnen „brennen“ auf ihr EM-Abenteuer

Für die deutschen Handballerinnen startete am Mittwoch mit der Anreise nach Frankreich das EM-Abenteuer. Favoriten sind andere, doch das neu formierte Team von Bundestrainer Henk Groener hat das Potenzial für Überraschungen.

Mit dem Abflug zur Mittagszeit hat das EM-Abenteuer für das DHB-Team am Mittwoch endgültig begonnen. "Die Vorfreude ist groß, und jetzt kann es endlich losgehen", sagte Kapitänin Julia Behnke dem sid, bevor sie bei spätsommerlichen Temperaturen in den Flieger kletterte: "Die Stimmung im Team ist gut, die Anspannung steigt, und wir brennen."

Alles kann, nichts muss, lautet die Devise vor dem Turnier in Frankreich. Vom Trainingslager in Alicante aus ging es über Paris in die nordwestfranzösische Hafenstadt Brest, wo die neu formierte Mannschaft von Bundestrainer Henk Groener am Samstag (15.00 Uhr/Eurosport und Sportdeutschland.tv) gegen Titelverteidiger Norwegen in die Vorrunde startet.

Nicht bloß für Experten ist das mit sechs Turnierdebütantinnen gespickte deutsche Team eine Wundertüte. "Bei optimalem Verlauf werden wir Europameister. Wenn alles scheiße läuft, scheiden wir in der Vorrunde aus", sagte Groener lapidar. Das Turnier werde zeigen, "wie weit wir sind. Und es wird zeigen, woran wir in Richtung Olympia 2020 noch arbeiten müssen."

Druck gibt es für den Nachfolger von Michael Biegler vor dessen erstem Turnier als DHB-Coach nicht, der Verband verzichtete nach den schlechten Erfahrungen der Heim-WM ganz bewusst auf eine konkrete Zielsetzung. "Wir haben mit Henk keine Platzierung vereinbart. Wir wollen uns stetig in Richtung der Weltspitze entwickeln und mittelfristig ganz oben angreifen", sagte DHB-Sportvorstand Axel Kromer bloß.

Angesichts der "sehr schweren" Vorrundengruppe mit Rekord-Europameister Norwegen, Rumänien (Montag) und Tschechien (Mittwoch) sei schon das Erreichen der Hauptrunde eine "große Aufgabe. Wir machen die Arbeit der Mannschaft aber nicht von einem Sieg oder einer Niederlage abhängig", versicherte Kromer. Groener sagte am Mittwoch: "Wir werden von Spiel zu Spiel denken und jedes Mal mit vollem Einsatz den Gegner bekämpfen."

Die Zeit der vollmundigen Ankündigungen und Zielsetzungen ist vorbei, spätestens seit dem vollkommen missratenen WM-Turnier (Achtelfinal-Aus) vor Jahresfrist ist Demut eingekehrt. Zumal zuletzt zahlreiche langjährige Leistungsträgerinnen wie die beiden Torfrauen Clara Woltering und Katja Kramarczyk oder Kapitänin Anna Loerper ihre internationale Karriere beendet haben. Und kurzfristig auch noch Rückraum-Ass Kim Naidzinaivicius (Meniskusriss) verletzt ausfiel.

"Wir hatten eine gute Vorbereitung mit einigen Tests, in denen wir sehen konnten, was wir noch brauchen", sagte Behnke. Die Auftritte beim Vierländerturnier in Alicante mit knappen Niederlagen gegen Panamerikameister Brasilien (19:20) und Gastgeber Spanien (20:22) sowie dem abschließenden 28:27 in der Generalprobe gegen Polen legten noch Defizite im Rückraum offen. Die Mannschaft um die Top-Talente Emily Bölk und Alicia Stolle deutete aber auch immer wieder das enorme Potenzial an, das zweifellos in ihr steckt.

Die großen Favoriten, das ist unbestritten, sind aber andere. Neben Norwegen, das sechs der letzten sieben EM-Titel holte, gilt Weltmeister Frankreich im eigenen Land als heißester Goldkandidat. Dahinter kommen Teams wie Dänemark, Olympiasieger Russland, die Niederlande und Schweden - von denen die DHB-Auswahl an guten Tagen allerdings nicht weit entfernt ist. Klar ist aber auch: Platz sechs wie bei der EM vor zwei Jahren wäre ein großer Erfolg.

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(sid/old)
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