Handball: DHB-Frauen halten dem Druck stand

WM-Ziel erreicht, Olympia-Traum lebt : DHB-Frauen halten dem Druck stand

Die perfekte WM-Qualifikation lässt die DHB-Frauen optimistisch in die Zukunft blicken. Obwohl es beim Play-off-Rückspiel gegen Kroatien lange Zeit spannend war, stellte die junge Mannschaft ihre Reife unter Beweis.

Am Morgen nach dem Kraftakt gegen Kroatien düsten die deutschen Handballerinnen mit dem WM-Ticket im Gepäck dem ersehnten Urlaub entgegen. Ein gemeinsames Frühstück in der Sportschule Kamen-Kaiserau, dann ging es auf die Autobahn Richtung Heimat. "Wir sind alle froh, wenn wir jetzt nach Hause zu unseren Familien kommen und in den wohlverdienten Urlaub fahren können", sagte Kapitänin Kim Naidzinavicius nach dem erfolgreichen Abschluss einer langen Saison.

Das 25:21 (14:9) im Play-off-Rückspiel brachte der Mannschaft von Bundestrainer Henk Groener nicht nur die erhoffte WM-Teilnahme, auch ihren Traum von den Olympischen Sommerspielen 2020 hielt sie am Leben. "Natürlich ist die Erleichterung groß", sagte Groener nach dem lange spannenden Duell in Hamm/Westfalen. Ein Jahr ohne Turnier, "das wäre problematisch gewesen", bestätigte Naidzinavicius: "Es lastete ein gewisser Druck auf uns."

Dieser verwandelte sich bei tropischen Temperaturen in der mit 2131 Zuschauern ausverkauften Halle nach der Schlusssirene in pure Freude. "Wir sind megafroh", sagte Rückraumspielerin Alicia Stolle (sechs Treffer) nach der keineswegs überragenden, aber im Vergleich zum Hinspiel am vergangenen Sonntag (24:24) deutlich verbesserten Leistung.

Die Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) bestimmte das temporeiche Spiel über weite Strecken und packte vor allem in der Defensive energisch zu. Als es gegen Ende wegen zu vieler Ungenauigkeiten doch noch einmal spannend wurde, behielt das DHB-Team die Nerven und entschied die Begegnung mit "Kampf und Leidenschaft" (Naidzinavicius) für sich. Kroatien kam im zweiten Abschnitt auf maximal zwei Treffer heran.

"Es war ein Spiel, in dem meine junge Mannschaft ihrer Favoritenrolle gerecht werden musste. Das ist das Schwierigste. Die Mädels haben ihre Leistung abgerufen und es hinbekommen", lobte Groener. Das sei im Vergleich zur EM im vergangenen Jahr bereits eine klare Verbesserung. "Wir waren in der Lage, die Ruhe zu bewahren. Das ist ein Fortschritt", sagte der Niederländer.

Dennoch: "Wir haben noch viel Potenzial, das wir nicht nutzen", analysierte Torhüterin Dinah Eckerle, die mit zahlreiche Paraden ein engeres Spiel verhindert hatte. Vor allem in puncto Konstanz hat die junge deutsche Mannschaft noch Luft nach oben, im Positionsangriff fehlt trotz der hochkarätigen Besetzung im Rückraum mit Stolle, Naidzinavicius, Emily Bölk und Xenia Smits häufig die Kreativität. Zuspruch kam vom kroatischen Coach Nenad Sostaric, der das deutsche Team als "das talentierteste in ganz Europa" bezeichnete.

Groener muss die Entwicklung seiner Mannschaft in den nächsten Monaten vorantreiben, wenn bei der WM (30. November bis 15. Dezember) der nächste Schritt in Richtung Weltspitze erfolgen soll. Kommt sein Team in Japan unter die Top 7, wäre die Teilnahme an den Qualifikationsturnieren für Tokio 2020 sicher. "Olympia ist für alle Sportarten das Nonplusultra, da guckt die ganze Welt hin", sagte Groener: "Das zu schaffen, wäre grandios."

Mit wem es seine Mannschaft bei der WM zu tun bekommt, entscheidet sich bei der Auslosung am 21. Juni in Tokio. Wie auch immer die Gegner heißen, die Vorfreude ist riesig: "Wir fahren mit einer großen Euphorie nach Japan", sagte Eckerle.

(sid/old)
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