Handball: Deutschland verliert mit 27:29 gegen die Schweiz

27:29 gegen die Schweiz: DHB-Team verliert bei Handball-Party in Düsseldorf

Deutschlands Handballer haben ihren ersten Auftritt nach der Heim-WM verpatzt. Das Team von Bundestrainer Christian Prokop verlor in Düsseldorf gegen die Schweiz mit 27:29 (10:9).

Klatschpappen, eine lebendige Fahne aus Fans mit schwarzen, roten und gelben T-Shirts, ausverkauftes Haus – im Düsseldorfer ISS Dome war am Samstag alles angerichtet für die nächste große Handball-Party in NRW. Das DHB-Team bestritt sein erstes Spiel nach der viel umjubelten Heim-WM in der Landeshauptstadt. Es war nach 1978 das zweit Handballländerspiel in Düsseldorf. Und die Schweiz war für dieses Ereignis als Gegner auserkoren worden. Die 11.593 Fans im ISS Dome sollten nicht weniger als die WM-Stimmung wiederbeleben für die deutsche Handballnationalmannschaft, so der Hallensprecher. Denn schließlich wollte das Team 42 Tage nach dem verlorenen Spiel um Platz drei gegen Frankreich an ihre begeisternden Auftritte anknüpfen. Und so ließen sich die Fans in Düsseldorf nicht zwei Mal bitten und begrüßten das DHB-Team stimm- und klatschgewaltig. „Das war richtiges WM-Feeling hier“, sagte Bundestrainer Christian Prokop später.

Das kommen sollte sich für die Zuschauer gelohnt haben. Beide Mannschaften lieferten ein spannendes Spiel. Allerdings mit dem besseren Ausgang für die Gäste. Der Endstand: 27:29.

Bereits 71 Mal waren die befreundeten Handballverbände in Länderspielen bisher aufeinandergetroffen. 59 Spiele davon hatte das DHB-Team gewonnen, sechs Mal trennten sich die Nachbarn unentschieden, genauso oft gewannen die Eidgenossen bisher. Zuletzt machten es die Schweizer den Deutschen bei der EM-Qualifikation 2018 schwer. Beide Siege gingen zwar an das deutsche Team, der 23:22-Sieg in Zürich war allerdings glücklich. Diesmal hatten sie die Schweizer das Glück und einen überragenden Andy Schmid (Rhein-Neckar Löwen), der mit neun Treffen mit Abstand bester Werfer des Spiels war, auf ihrer Seite.

Trotz der Niederlage war der deutsche Bundestrainer nicht gänzlich unzufrieden mit seiner Mannschaft. Immerhin hatte er sieben Spieler aus dem WM-Kader geschont und gleich vier Debütanten eingesetzt. Prokop ging es in dem Spiel aber vor allem mit Blick auf die EM- und Olympia-Qualifikation darum, sein Team weiter Richtung Weltspitze zu entwickeln. Im Lehrgang vor der Partie gegen die Schweiz hatte er die Ergebnisse aus seiner WM-Analyse präsentiert. „Kleinigkeiten fehlen uns noch zur absoluten Weltspitze, drei, vier, fünf Prozent“, hatte der 40-Jährige gesagt. Mehr Tore aus dem Tempospiel und von den Außenpositionen und mehr Cleverness forderte er. Beides setzte sein Team nur phasenweise um. So zum Beispiel in den ersten zehn Minuten. Die Schweizer machten zwar das erste Tor der Partie, das Tempospiel gelang den Deutschen dennoch gut. Fabian Böhm machte kurz nach einer vergebenen Chance von Patrick Wiencek das erste Tor für Deutschland.

In der Abwehr spielten die Deutschen gewohnt souverän, so dass die Schweizer oftmals gar nicht richtig zum Abschluss kamen, und wenn doch, wehrte Andreas Wolff die meisten Bälle ab. Das DHB-Team spielte schnell nach vorne, zeigte dabei einige spektakuläre Spielzüge. Wolff setzte seine Mitspieler mit gutem Überblick immer wieder blitzschnell in Szene. Allerdings vergaben Tim Suton und Wiencek vom Außenkreis und über die Mitte immer wieder. In der 11. Minute sah Wolff dann, dass das Tor der Schweizer noch leer war und signalisierte das Timo Kastening. Der traf von ganz hinten ins leere Tor – 4:2. Die Schweizer spielten das Tempo der Deutschen mit und hielten zunächst den zwei Tore Rückstand.

Ab der 18. Minute leisteten sich die Deutschen dann allerdings, auch wegen der guten Verteidigung der Schweizer, einen Fehlwurf nach dem anderen. In einigen Spielzügen zeigte sich, dass das Team, das heute auf dem Feld stand, noch nicht so eingespielt war, wie das WM-Team. Die Neuen fügten sich zwar gut ins Team ein, dennoch fehlte es hin und wieder an Präzision. „Oft habe wir die Chancen zu leichtfertig vergeben und die Spielzüge haben im Tempospiel nicht so funktioniert, wie wir es die Woche über trainiert haben“, sagte Prokop nach dem Spiel.

Der Schweizer Keeper Marc Winkler parierte zudem einige Male stark. Wolff fehlte in dieser Phase dagegen etwas das Glück. Nach drei Toren in Serie stand es in der 23. Minute dann 7:9 und die Schweiz lag mit zwei Treffern vorne.

Grund genug für den Stadionsprecher die Zuschauer weiter anzupeitschen. Die zeigten, dass nicht nur die Kölner den Handball feiern können. Mit den vom DHB verteilten Klatschen sorgten sie für ordentlich Lärm in der Halle und machten bereitwillig jede Aufforderung des Hallensprechers mit. Die Energie schien auf dem Feld anzukommen. Die deutschen Spieler übernahmen wieder die Kontrolle, warfen präziser und machten ihrerseits drei Tore in Folge. Mit einer knappen deutschen Führung (10:9) ging es dann in die Pause.

Nach dem Seitenwechsel bekam Christopher Rudeck seinen Debüt-Auftritt im deutschen Tor. Für den Keeper der Bergischen HC war die Partie quasi ein Heimspiel. Der ISS Dome ist seit dieser Saison die dritte Heimspielstätte des BHC. Der 24-Jährige profitierte vom Ausfall Silvio Heinevetters. Der verletzte sich im Training am Knie. Prokop musste dadurch doch auf Stammkeeper Andreas Wolff, der zunächst auch eine Pause bekommen sollte, und eben Rudeck setzen.

Rudeck parierte gleich zu Beginn einen Wurf. Danach konnten die Schweizer mit einigen guten Spielzügen aber wieder in Führung gehen. Rudeck war die fehlende Erfahrung im Nationalteam in vielen Situationen anzumerken. „Es war ein nicht so glückliches Debüt für mich“, sagte Rudeck. Dennoch war er begeistert von der Atmosphäre im ISS Dome.

Erst nach gut zehn Minuten fand das Team von Prokop in der zweiten Hälfte wieder zu seinem Spiel. Wolff feuerte Rudeck vom Rand aus immer wieder an, der parierte zwei- dreimal gut. Vorne machten Kai Häfner, Paul Drux und Tim Hornke Treffer für die Deutschen. Die Schweizer blieben aber dran und gingen immer wieder mit einem Tor in Führung. Vor allem über die rechte Seite funktionierte im deutschen Team zu wenig.

Und auch im Spiel aus dem Rückraum passte nicht mehr viel zusammen. Die Schweizer zogen, angeführt von Schmid und Alen Milosevic davon. Die Deutschen agierten im Zeitspiel wenig clever, wie Prokop befand. Bis kurz vor Ende lagen die Schweizer mit fünf Treffern vorne. Inzwischen war wieder WM-Keeper Wolff im Tor. Aber auch der konnte die beiden Siebenmeter für die Schweiz nicht abwehren. Zwar drehte das DHB-Team in der Schlussphase nochmal auf und zeigte ein paar gute Spielzüge, am Ende stand im ersten Spiel nach der WM aber eine 27:29-Niederlage.

Die Stimmung bei den Zuschauern trübte das nicht. Sie feierten das Team trotzdem Minuten lang und die Spieler mussten auch eine halbe Stunde nach Abpfiff noch Autogramme schreiben.

Und auch beim Bundestrainer war die Stimmung nicht allzu sehr getrübt. Prokop hatte einige gute Ansätze, vor allem bei seinen Debütanten gesehen. Zufrieden war er mit dem Ergebnis und den vielen vergebenen Chancen freilich nicht. Aber die Zuschauer hätten mit dem spannenden Spiel das Event bekommen, das man ihnen bieten wollte. Und er einige aufschlussreiche Erkenntnisse für die Missionen EM und Olympia 2020.

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