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Handball-Bundesliga 2022/2023: Liga-Chef Frank Bohmann fordert fundamentale Veränderungen

Liga-Chef Bohmann vorm Saisonstart : „Der Handball muss sich fundamental verändern“

Die neue Saison in der Handball-Bundesliga (HBL) steht vor der Tür. Liga-Chef Frank Bohmann sieht die Ligaspitze ausgeglichen wie nie und fordert trotzdem grundlegende Veränderungen in mehreren Bereichen. Und er sagt, wer im Handball dem Staat sehr dankbar sein muss.

Es gab Zeiten, da wäre Frank Bohmann wohl ausgelacht worden, hätte er etwas über die Ausgeglichenheit der Handball-Bundesliga (HBL) erzählt. Vor allem in den Jahren ab 2004, als Bohmann gerade ein Jahr als HBL-Geschäftsführer im Amt war und der THW Kiel in den kommenden elf Jahren zehnmal Meister wurde. Da war nicht viel von Ausgeglichenheit. Doch Zeiten ändern sich – auch in der HBL, und so erntet Bohmann dieser Tage keinen wirklichen Widerspruch, wenn er im Gespräch mit unserer Redaktion sagt: „Was uns einzigartig macht, ist die Tatsache, dass wir so einen unglaublich ausgeglichenen Wettbewerb haben mit vier Meistern in sechs Jahren. Ich hoffe, das bleibt so. Dieses Jahr können fünf bis sechs Mannschaften Deutscher Meister werden.

Die kommende Saison steht vor der Tür, der erste Spieltag steigt am 1. September. Bereits einen Tag zuvor wird die Spielzeit in Düsseldorf offiziell eröffnet. Dann startet um 16.15 Uhr im Dome der mit Gastspielrecht ausgestattete ukrainische Meister den deutsch-ukrainischen Handballtag mit seinem Zweitliga-Auftaktspiel gegen Bayer Dormagen, und um 19 Uhr duellieren sich Meister Magdeburg und Pokalsieger Kiel um den Supercup-Titel. Ein wichtiger Termin für Bohmann und die HBL.

Die neue Saison soll und muss funktionieren, denn es stehen entscheidende Weichenstellungen für den deutschen Handball an. 2023 läuft der neue Medienvertrag an mit S Nation Media um den Axel-Springer Verlag und Ex-Deutsche-Fußball-Liga-Chef Christian Seifert. „In der Laufzeit von 2023 bis 2029 wollen wir als Liga unseren Umsatz verdoppeln, dafür werden viele strukturelle Veränderungen vorgenommen werden müssen. Gerade bei den Klubs“, sagt Bohmann. Und 2024 findet die Handball-EM in Deutschland statt. Von ihr muss der Handball maximal profitieren. Und wenn irgend möglich auch nachhaltig.

Doch es gibt ein Problem: die immer weiter steigende Belastung der Spitzenspieler. Frankreichs Weltstar und langjähriger Bundesligaspieler beim THW, Nikola Karabatic, riet Top-Spielern unlängst sogar davon ab, in die HBL zu wechseln, weil die physische Belastung hier so hoch sei. Auch wenn man andere Beweggründe für die Aussage bei Karabatic vermuten mag, er legt den Finger in eine Wunde.

Das weiß auch Bohmann. „Wir müssen der hohen Belastung der Spitzenspieler Rechnung tragen und dafür Lösungen finden. Ich glaube, der Handball hat in punkto Belastungssteuerung noch gehörigen Nachholbedarf. Wir als Liga müssen uns so organisieren, dass es den Spitzenteams auch möglich ist, nicht nur 16 Spitzenspieler zu finanzieren, sondern vielleicht auch 21, 22. Damit man auch einfach mal Spieler rausnehmen kann“, sagt er.

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Vor allem die Belastung in einem Olympia-Jahr sei zu reduzieren, in dem der Saisonübergang für die Topspieler durch das Turnier quasi nahtlos sei. „Fünf Veranstaltungen in vier Jahren sind einfach zu viel. Aber daran beißen wir uns im internationalen Dialog die Zähne aus.

Denn an einer Reduzierung des Spielplans hat außer Deutschland quasi niemand in Europa in Interesse. Und selbst in der HBL klagen die Teams ohne Europapokalspiele nicht über zu viel Handball. Keine leichte Aufgabe also, das zu lösen, zumindest aber zu moderieren seitens der Liga. Und das in einer Zeit, in der in anderen Ligen Investoren in Spitzenklubs einsteigen und Ausbildungskonzepte das deutsche überholt zu haben scheinen.

 HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann
HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann Foto: dpa/Daniel Reinhardt

In einer Zeit, in der die wirtschaftlichen Einbußen der Pandemie mehr als präsent sind. „Die Krise ist letztlich auch deswegen einigermaßen spurlos an uns vorbeigegangen, weil der Staat uns unterstützt hat. Das kann man gar nicht laut genug sagen. Gerade bei den kleineren Vereinen haben die Staatsbeihilfen maßgeblich dazu beigetragen, dass es diese Klubs jetzt noch gibt“, sagt Bohmann.

Es braucht also neue Ideen, neue Wege für den Profihandball hierzulande. Auch und gerade in der Verpackung des eigenen Produkts. „Aber auch da müssen wir uns fundamental verändern. Wir müssen mit anderen digitalen und inhaltlichen Formaten arbeiten. Es gibt gerade in der jüngeren Zielgruppe immer weniger Konsumenten, die sich ein Handballspiel von der ersten bis zur 60. Minute ansehen. Die wollen es kürzer haben, abrufen können, wann immer sie wollen, in den Kanälen, in denen sie zu Hause sind. Deswegen haben wir den neuen Medienvertrag auch bewusst so gewählt, um genau diese Veränderungen umsetzen zu können“, sagt Bohmann.

Doch was ist mit der gewachsenen Anhängerschaft in den Hallen, durchweg älter, aber eben treu? Sind die mit TikTok, Instagram und Video-Schnipseln zu begeistern und zu halten? „Ohne diese Zielgruppe können wir auch gar nicht. Gerade die etwas ältere Zuschauerschaft ist die, die den Handball derzeit vor allem mitfinanziert. Auch denen werden wir weiterhin Lösungen anbieten, das muss gewährleistet sein“, sagt Bohmann.

Auch hier ist Ausgeglichenheit als bester Weg gefragt. Genauso also wie im Spielbetrieb.